Genthin l Ursula Kaufmann hat entspannt in einem gemütlichen Sessel im Gemeinschaftsraum Platz genommen, der sonst eigentlich Familienfeiern vorbehalten ist. Sie macht sich startklar für ein Gespräch mit ihrem Schwiegersohn Andreas Plancke. Damit, dass der Schwiegersohn leibhaftig das Johanniterheim Genthin-Wald schon im nächsten Moment betritt, ist jedoch nicht zu rechnen. Das Kontaktverbot untersagt während der Corona-Krise selbst Familienangehörigen Besuche im Seniorenheim. Für die darunter leidenden Heimbewohner muss dies allerdings nicht zwingend den Verlust auf Nähe zu lieb gewordenen Menschen bedeuten. Wenn das auch rein physisch nicht möglich ist.

Andreas Plancke stattet so seiner Schwiegermutter einen digitalen Besuch ab, moderne Videotelefonie macht es möglich, dass beide miteinander chatten können.

Andreas Tell von der Heimleitung leistet der Seniorin dabei technische Assistenz, so dass die 83-Jährige schnell, unkompliziert und ohne jegliche Hektik im „Tablet-Angesicht“ mit ihrem Schwiegersohn drahtlos ins Gespräch kommen kann. Möglich wird dies über Programme Skype oder Whatsapp. Der Platz im Gemeinschaftsraum bringt dafür offensichtlich gute technische Voraussetzungen mit, belegen die Probierversuche der vergangenen Tage.

Zeitungsschau über Tablet

Andreas Tell und das Pflegepersonal übernehmen den Videotelefonie-Service für die Heimbewohner, vornehmlich allerdings in den Nachmittagsstunden zwischen 15 und 17 Uhr. Wenn Angehörige der Videotelefonie noch Fotos oder Videos zufügen, wird das in größerer Runde für eine „Zeitungsschau über Tablet“ genutzt.

Für Ursula Kaufmann ist es ein guter Tag, wenn sie über Videotelefonie mit ihren Angehörigen sprechen kann. Ein liebevolles Lächeln und ein herzliches Winken via Tablet kann kein herkömmliches Telefongespräch bieten.

Videoanrufe sind Bereicherung

„In der gegenwärtigen Situation ist die Videotelefonie eine echte Bereicherung“, sagt Andreas Plancke. Das herkömmliche Telefonieren sei bisher für seine betagte Schwiegermutter auch rein praktisch sehr schwierig gewesen. Dank der Unterstützung durch die Mitarbeiter der Einrichtung käme jetzt eine sehr gute Verständigung von Angesicht zu Angesicht zustande. Die Familie mache inzwischen regelmäßigen Gebrauch von der Videotelefonie.

Die Heimbewohner würden keinesfalls mit der modernen Technik fremdeln, ziehen Andreas Tell und Heimleiterin Claudia Tritt eine Zwischenbilanz.

Finanzierung über Spenden

Die aktuelle Corona-Krise habe zwar nicht unmittelbar den Anlass für die Anschaffung der Tablets gegeben, doch der Start im Johanniterheim Genthin-Wald hätte in diesen Tagen nicht passender sein können, sagt Claudia Tritt. Der Einzug der Videotelefonie sei schon längere Zeit geplant gewesen. Ermöglicht hat ihn eine Spende der Provinzial-Sächsischen Genossenschaft des Johanniter-Ordens, die von Kommendator Martin von Gehren überreicht wurde. Die Genthiner Einrichtung ist eines von zwölf Seniorenhäusern der Johanniter in Sachsen-Anhalt und Thüringen, die jeweils mit mehreren Tablets im Wert von über 10 000 Euro ausgestattet wurden. In den Genuss einer solchen Spende kam im Jerichower Land auch das Johanniterhaus St. Laurentius in Loburg.

„Wir wollen, dass unsere Heimbewohner möglichst häufig von der Videotelefonie Gebrauch machen, weil es für ganz neue Wege erschließt, Kontakte weiter aufrechtzuerhalten“, sagt Claudia Tritt.