Genthin/Brettin l Anlässlich des Volkstrauertages wurde in Genthin und Brettin der Toten gedacht. Pfarrer Stephan Donath von der katholischen St. Mariengemeinde erinnerte in seinen Worten an die derzeit laufende ökumenische Friedensdekade, die das Thema Kriegsspuren hat. Diese Spuren seien auch in Genthin zu finden. „Die Opfer von Krieg und Verfolgung sollten wir genau wie die Gefallenen in unser Gedenken einschließen, auch wenn ihre Namen oft nicht auf den Denkmälern auftauchen.“ Denn ihr Tod sei uns Mahnung. „Er erinnert uns an den Wert des Friedens.“ Donath blickte auf die aktuelle Situation.

Welt zu komplex für einfache Wahrheiten

„Wir wollen nie wieder Krieg, aber 2000 Kilometer von uns entfernt toben Kriege, die in Flucht und Vertreibung enden.“ Krieg müsse verhindert werden, schloss Donath seine Worte an die Anwesenden, zu denen Vertreter verschiedener im Stadtrat vertretenen Fraktionen und von Genthiner Vereinen gehörten. Bürgermeister Thomas Barz ging auf die US-Wahl ein und stellte fest: „Es gibt einen Präsidenten, der einfache Wahrheiten für sich reklamiert.“ Doch die Welt sei komplex und lasse das nicht zu. „Auf viele Fragen gibt es allerdings keine einfachen Antworten“, machte der Bürgermeister deutlich. Man brauche den Aufstand der Demokraten. Denn wohin die Beschränkung auf vermeintlich einfache Wahrheiten führen können, belege die Geschichte.

Ihren Abschluss fand die Veranstaltung mit Kranzniederlegungen am Mahnmal des gefallenen Soldaten auf dem städtischen Friedhof und am sowjetischen Ehrenmal. Pfarrerin Beate Eisert vom evangelischen Kirchspiel Genthin rief während der Veranstaltung vor dem Gemeindekirchenhaus in Brettin ins Gedächtnis, dass der Volkstrauertag noch vor 80 Jahren ein Heldengedenken war. Heute seien uns die 60 Millionen Einzelschicksale zur Mahnung geworden, dass so etwas nie wieder geschehen sollte. Sie fragte: „Wer ist ein Held?“ Sei es jemand, der für sein Land kämpfe oder jemand, der sich für den Frieden einsetze.

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Geschichte einer Aussöhnung

Mit der Geschichte des israelischen Soldaten und späteren Friedensaktivisten Reuven Moskovitz, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg für die Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen und später Juden und Arabern einsetzte, beschloss Pfarrerin Eisert die Andacht. Zu der Veranstaltung hatten sich Vertreter des Ortschaftsrates, der örtlichen Vereine und der Feuerwehr zusammengefunden. Die Teilnehmer legten zum Ausklang schweigend Kränze und Blumen vor dem großen Holzkreuz nieder.