Donnerstag ist Unterrichtstag

Warum Marlies Donak aus Mützel wie immer mehr Rentner weiter einer regelmäßigen Arbeit nachgeht

Immer mehr Rentner genießen bundesweit nicht nur ihren wohlverdienten Ruhestand, sondern gehen weiter einer regelmäßigen Beschäftigung nach. Sport- und Schwimmlehrerin Marlies Donak aus Mützel gehört dazu.

Von Susanne Christmann
Marlies Donak daheim in ihrem Garten in Mützel.
Marlies Donak daheim in ihrem Garten in Mützel. Foto: Susanne Christmann

Genthin - „Die vier Stunden, die rocke ich, das macht Spaß!“ Wer Marlies Donak aus Mützel so reden hört, mag denken, sie erzähle etwas über ein Hobby. Aber die studierte Sportlehrerin spricht begeistert über ihre Arbeit als Schwimmlehrerin. Denn als die umtriebige Mützelerin nach 40 Jahren Lehrer-Dasein an der heutigen Uhland-Grundschule in Genthin (mal ganz kurz) in Rente gegangen ist, wurde schnell klar: das Sich-Kümmern-Können um Mann, Haus und Garten findet sie wunderbar, aber: es füllt sie nicht ganz aus. Folgerichtig war es von dieser Erkenntnis bis zur erneuten Anstellung als Schwimmlehrerin an der katholische Grundschule in Magdeburg im Jahr nur ein kleiner Schritt.

Seitdem ist für die leidenschaftliche Motorradfahrerin wieder Donnerstag Unterrichtstag. Getreu ihrem Motto „Ich mache nur noch, was mir Spaß macht“ widersteht sie allen Rufen, sich mit mehr als den vier Stunden am Donnerstag oder gar wieder voll anstellen zu lassen. Auch wenn sie jetzt wieder sieht, wie dringend sie gerade nach den Lockerungen im Corona-Geschehen gebraucht wird. Fast zwei ganze Jahrgänge an den Schulen im Grundschulalter haben keinen Schwimmunterricht bekommen können. Das muss jetzt irgendwie nachgeholt werden. Darum werde sich jetzt, weiß Marlies Donak, auch die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) kümmern.

Sport- und Schwimmlehrer sind rar

Ausgebildete Sportlehrer sind zudem auch in Sachsen-Anhalt rar gesät, noch dazu solche, die sich der Aufgabe, Grundschulkindern das Schwimmen beizubringen, widmen können. Dafür braucht man eine Rettungsschwimmer-Ausbildung. Auch mit 72 steht Marlies Donak dabei nicht etwa nur am Rand des Beckens in der Elbe-Schwimmhalle und gibt Kommandos. Sie steigt mit ins Wasser, gibt Hilfestellung und zeigt den Kindern immer wieder, wie das genau geht, sich schwimmenderweise über Wasser zu halten und fortzubewegen.

Marlies Donak liegt mit ihrem Arbeiten weit über die Regelaltersgrenze hinaus im bundesweiten Trend. Denn immer mehr Ältere in Deutschland gehen einer regelmäßigen Arbeitsbeschäftigung nach, ergab jetzt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag. 1,04 Millionen Beschäftigte waren dabei im vergangenen Jahr 67 Jahre oder älter, fast 220 000 waren 75 Jahre und älter, 72 000 waren 80 und älter. Die meisten dieser Senior-Jobber kombinieren dabei Rente und einen Minijob. Auch, weil sie sich dabei nicht sozialversichern müssen und die Einnahmen nicht versteuern brauchen.

Fachkräftemangel lässt Rentner weiter arbeiten

Die Arbeitsagentur in Magdeburg bilde beschäftigte Altersrentner statistisch nicht ab, antwortet Sprecher Georg Haberland auf Anfrage der Volksstimme. Die Bedeutung der älteren Beschäftigten in den Unternehmen habe aber in den vergangenen Jahren aufgrund ihres Erfahrungsschatzes und des demografiebedingten Fachkräfterückgangs deutlich zugenommen. Einige Unternehmen würden daherversuchen, ihre Beschäftigten nach dem Rentenbeginn auf freiwilliger Basis zu halten.

Marlies Donak könnte wie gesagt noch mehr arbeiten. Der Schwimmverein hat angefragt, ob sie nicht eine Kindergruppe trainieren könnte donnerstagnachmittags. Das aber, so die passionierte Schwimmerin, die gerade als Zweitplatzierte ihrer Altersgruppe vom Internationalen Saaleschwimmen aus Halle zurückgekehrt ist, wäre dann ein (über)voller Arbeitstag. Und dieser bedeute dann Stress. Den möchte sie sich guten Gewissens nicht mehr machen. Schließlich hat sie auch noch ehrenamtlich eine Schwimmgruppe beim SV Chemie Genthin unter ihren Fittichen. „Bitte bleiben Sie uns erhalten!“ lautete zum Schuljahresabschluss ein fast flehentlich geäußerter Wunsch der Grundschulleitung an Marlies Donak. So lange sie den Donnerstag mit viel Spaß rocken könne, will Marlies Donak diesen Wunsch gern erfüllen.

Marlies Donak (links) steht nach wie vor nicht nur am Beckenrand, sondern geht mit ins Wasser, um ihren Schützlingen zu zeigen, wie das Schwimmen(lernen) funktioniert.
Marlies Donak (links) steht nach wie vor nicht nur am Beckenrand, sondern geht mit ins Wasser, um ihren Schützlingen zu zeigen, wie das Schwimmen(lernen) funktioniert.
Uli Lücke