Standortstreit

Wird die Baugenehmigung für Mobilfunkmast in Dretzel versagt?

Die Firma TKS will in Dretzel auf ihrem Firmengelände einen modernen Mobilfunkmast errichten. Für die Einwohner ist das zu nah an den Wohnhäusern. Sie wollen einen entfernteren Standort. Die Firma bleibt hart. Wegen formaler Fehler könnte der Landkreis die Baugenehmigung nun versagen.

Von Susanne Christmann
Genthins  Bürgermeister Matthias Günther und Henry Krüger Ende April in Dretzel bei einem Vor-Ort-Termin.
Genthins Bürgermeister Matthias Günther und Henry Krüger Ende April in Dretzel bei einem Vor-Ort-Termin. Foto: Susanne Christmann

Dretzel - Der Streit um den Standort eines neuen, höheren, modernen Mobilfunkmastes in Dretzel ist noch lange nicht ausgestanden. Auch nach Unterschriftensammlung, Bürgerversammlung und diversen Vor-Ort-Terminen nicht. Wie Henry Krüger, der Ortschaftsrat in Dretzel und Sprecher der Dretzeler Bürgerinitiative, in einem Gespräch mit der Volksstimme berichtet, beharre die Firma TKS weiter auf dem Standort. Der liegt auf ihrem Firmengelände, wo auch schon ein älterer Mast steht. Auf den Vorschlag der Dretzeler, den neuen Mast gut 600 Meter entfernt auf dem höher liegenden Gelände des alten Weinberges zu errichten, hätten die Firmenvertreter wegen komplizierter technischer Gegebenheiten ablehnend reagiert.

Wenn die Firma bestimmte Grenzwerte der Mobilfunkstrahlung einhalte und das täten sie nach Firmenangaben, dann sei es ihr gutes Recht, den Mast auf ihrem Firmengelände zu errichten. Zur Not würde sie dies auch vor Gericht einklagen. Ortschaftsrat Krüger weiß inzwischen aber, dass bei den für einen Bauantrag einzuhaltenden Formalien nicht alles ganz korrekt gelaufen sei. In einer sogenannten Standortabfrage hätte auch die Zustimmung der Dreizeiler eingeholt werden müssen. Tatsächlich aber seien nur die Gladauer und Paplitzer befragt worden. Die hätten zugestimmt - kein Wunder, von ihren Wohnhäusern ist der Standort des geplanten Mastes genügend weit entfernt.

Kein gemeindliches Einvernehmen mit Genthin

Genthins Bürgermeister Matthias Günther hatte sich moderierend in den Standortstreit, den die Dretzeler mit der Sammlung von 150 Unterschriften begleiteten, eingeschaltet. Auf Nachfrage der Volksstimme teilt er mit, dass die Stadt Genthin, „nach politischer Beratung, das gemeindliche Einvernehmen im Baugenehmigungsverfahren versagt“ habe. Parallel seien dazu mehrere Gespräche mit Vertretern der Bürgerinitiative und der Antragsteller geführt worden. Die Stadt hätte den Antragsstellern ein alternatives Grundstück angeboten. Eine Antwort dazu stünde noch aus.

Was für ein Grundstück das genau sei und vor allem, welche Lage es habe, teilte Matthias Günther nicht mit. Henry Krüger indes hat aus der Genehmigungsbehörde der Landkreisverwaltung Signale empfangen, dass diese möglicherweise die Baugenehmigung für den Mobilfunkmast versagen könnte. Weil von den Dretzelern, deren Ortschaft zu Gladau gehört, keine extra Standortabfrage eingeholt worden sei. Die Volksstimme hat beim Landkreis eine entsprechende Anfrage gestellt. Eine Antwort dazu steht ebenfalls noch aus.

Die Firma TKS hat den Standort auf ihrem Firmengelände in Dretzel bereits messtechnisch markieren lassen. Für alle sichtbar lagern die einzelnen Stahlgitterteile für den neuen Mobilfunkmast auf dem Firmengelände. Das sei auch das gute Recht der Firma, war sich Krüger schon Ende April im Klaren. Weshalb er den Protest der Dretzeler auch nicht als Aktion gegen TKS verstanden wissen möchte. Schließlich würden auch einige Dretzeler bei der Firma in Lohn und Brot stehen. Nur wäre in den geführten Gesprächen lediglich der Standpunkt der Firma noch weiter erhärtet worden.

Elektrosmog für alle Dretzeler?

Wenn der neue Mast tatsächlich wie geplant auf dem TKS-Firmengelände aufgebaut werden würde, befürchten die Anwohner gesundheitliche Beeinträchtigungen für sich, etwa durch Elektrosmog. Und zwar für alle Dretzeler, so Henry Krüger, denn die Reichweite des neuen Mastes läge dann über der gesamten Ortschaft. Auch den möglichen Werteverfall ihrer Grundstücke haben die Dretzeler ins Feld geführt. Krüger hätte schon mit jungen Familien gesprochen, die sich eigentlich mit dem Gedanken getragen hätten, sich in Dretzels idyllischer Landschaft niederzulassen und die nun sagen würden: Wenn der Mast so wie geplant käme, würden sie sich das noch einmal gründlich überlegen.