Genthin l Seit dem 1. Juni ist das Genthiner Unternehmen Chemie Contract Service (CCS) in der Insolvenz. Das ist zugleich der Schlusspunkt unter einer vorläufigen Insolvenz, in der sich CCS seit Anfang März befand.

Geschäftsbetrieb beendet

Nachdem Aufträge weggebrochen seien, könne der Geschäftsbetrieb nicht mehr aufrechterhalten werden, sodass die Produktion eingestellt werden müsse, sagte Benjamin Keramat, Sprecher des Insolvenzverwalters von der Kanzlei Turner in Hamburg, der in den letzten Wochen die vorläufige Insolvenz begleitet hatte. Keramati machte die Unausweichlichkeit dieser Insolvenz klar.

„Gegenwärtig laufen zwar noch Gespräche mit möglichen Investoren, doch mit einem eingestellten Geschäftsbetrieb müssen wir uns auf die Insolvenz vorbereiten.“ Denn derzeit sei nicht absehbar, ob die Investoren-Gespräche positiv oder negativ verliefen.

Dritte Insolvenz in fünf Jahren

Bei sich abzeichnender, dauerhafter Zahlungsunfähigkeit, wie sie sich bei CCS derzeit darstellt, folgt nach deutschem Recht zwangsläufig die Insolvenz.

Wie Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzender Olaf Thiele erleben etliche Mitarbeiter die dritte Insolvenz am Standort des ehemaligen Henkel- und späteren Waschmittelwerkes. Thiele sagte, dass schon Anfang der Woche ein Sondersprechtag in der Agentur für Arbeit angeboten wurde, um den Kollegen eine berufliche Perspektive aufzeigen zu können. „Die Zusammenarbeit zwischen dem Insolvenzverwalter und der Behörde hat schon geklappt. Man hat sich bemüht, zu retten, was zu retten ist“, so Thiele.

Der Gang zur Agentur bleibt vorerst nur jenen wenigen Mitarbeitern erspart, die noch die verbleibenden Restaufträge abarbeiten. Der Gewerkschafter, der 2014 die Insolvenz der Hansa-Group und nur acht Monate später, im Jahr 2015, die der Luhns 1869 GmbH erlebte, versucht seinen Frust zu beherrschen: „Eine dritte Insolvenz haben wir uns alle nicht gewünscht. Jetzt müssen wir eben damit fertig werden.“

Stimmen von Landrat und Bürgermeister

In einer ersten Stellungnahme reagierte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) betroffen über die Insolvenznachricht. Es betrübe ihn zu hören, dass ein Insolvenzverfahren eröffnet werden muss und den Mitarbeitern erneut eine unruhige Zeit bevorstehe.

Burchhardt wagt dennoch einen Blick nach vorn: Er sei froh, dass dank vieler engagierter Personen ein Großteil der Chemiebranche in Genthin nach dem Weggang von Henkel erfolgreich erhalten werden konnte und damit viele Jobs in der Region geblieben sind. „Wir haben dort an gleicher Stelle jetzt viele mittelständische Unternehmen, die sich mit ihren Produkten gut im Wettbewerb behaupten können.

Region braucht Mitarbeiter

 Ich bin optimistisch, dass die meisten Mitarbeiter hier bei uns vernünftige Alternativen finden werden.“ Der Mangel an Fachkräften sei stetig gewachsen. Die Region brauche weiterhin jeden guten Mitarbeiter, appellierte der Landrat an die betroffenen CCS-Mitarbeiter, dem Jerichower Land treu zu bleiben.

Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) bestätigte auf Anfrage der Volksstimme, dass er zur bevorstehenden CCS-Insolvenz ins Vertrauen gezogen wurde. „Der Betriebsleiter informierte mich am Sonntag und stellte weitere konkrete Gespräche in Aussicht, zu denen er mich in den kommenden Tagen mit einbeziehen wird. Auch gibt es Gespräche mit Interessenten, zu denen ich aber nichts sagen kann, da Vertraulichkeit vereinbart wurde.“

Die Chemie Contract Service GmbH, seit dem Frühjahr 2017 im Chemiepark ansässig, stellte im Auftrag von namhaften Discountern alle Formen von Haushaltsreinigern – von Shampoos über Bad- und Autoreinigern bis zu Waschmitteln – her.

Die Auftraggeber übermittelten dem Unternehmen die Rezepturen ihrer Produkte. In Genthin wurden die Inhalte zusammengeführt, in Flaschen abgefüllt, etikettiert und mit den Eigennamen in Kartons verpackt, die dann an den Großhandel geliefert wurden.