Genthin l „Es waren bewegte Zeiten“, meinte Peter Jelitte, bis Ende des vergangenen Jahres hauptamtlicher Vorstand der GWG. Während des Neujahrsempfanges der Genossenschaft im Lindenhof wurde der 62-Jährige von seinen Kollegen sowie Gästen aus lokaler Politik und Wirtschaft in den Ruhestand verabschiedet.

1988 lief Wohnungsbau auf Hochtouren

Eingestiegen ist Jelitte 1988 in die damalige Arbeiterwohnungsbau-Genossenschaft (AWG). Der Diplom-Ingenieur war Mitglied im Aufsichtsrat, als der Wohnungsbau auf Hochtouren lief. „Die Menschen wollten in Wohnungen mit Warmwasser aus der Wand und Fernwärme leben“, erinnerte Maiwald. Die Neubaublöcke in der Einstein- und Uhlandstraße entstanden zu dieser Zeit. Eine Zäsur war die Wende 1989. Auch für Peter Jelitte.

War er Ende der 80er Jahre in der EDV-Abteilung des Stahl- und Apparatebaus tätig, musste er sich beruflich neu orientieren. Von 1991 bis 1996 leitete er ein Ein-Mann-Ingenieurbüro und blieb der Wohnungsgenossenschaft treu. Ging es zu DDR-Zeiten um die Beseitigung der Wohnungsnot, Reparaturaufträge und die Vergabe des Wohnraums, ergaben sich nach 1990 ganz andere Herausforderungen. Kleinere Genossenschaften verschmolzen zur Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft „Frohe Zukunft“ (GWG).

Bevölkerungszahl geht zurück

Als Jelitte Mitte der 90er Jahre als hauptamtlicher Vorstand in die GWG einstieg, war zunächst der Abbau der Altschulden ein bedeutendes Thema. Gleichzeitig nahm die Abwanderung zu und der demografische Wandel kündigte sich an. Im Rahmen des „Stadtumbaus Ost“ begann nach der Jahrtausendwende der Abriss von Wohnungen, die durch die zurückgehende Bevölkerungszahl nicht mehr zu vermieten waren. Bis heute eine der wichtigsten Maßnahmen der GWG, die mittlerweile Genthiner Wohnungsbaugenossenschaft heißt. So steht aktuell der Abriss von 168 Wohnungen in der Lorenzstraße an. 99 Mietparteien mussten Anfang 2017 ausziehen. 69 zogen in andere Wohnungen der GWG.

„Solche Dinge sind auch für uns nicht leicht“, bekannte Jelitte im vergangenen Jahr. Auch bitter war der Leerstand. Seit dem Jahr 2000 gab es einen deutlichen Rückgang von Wohnungen. Derzeit liegt der Bestand bei rund 1039 Wohnungen, 2004 lag er noch bei 1576 Wohnungen. „Es hat nicht immer alles geklappt, wie es wünschenswert gewesen wäre“, blickte Jelitte zurück. Er nahm die Herausforderungen der neuen Zeit an, bildete sich zum Immobilienfachwirt und zum Gutachter für Immobilienbewertung weiter und hatte ein Auge auf das moderne Wohnen.

Modernisierung im Blick

So standen neben den Abrissen von nicht mehr genutzten Wohnungen immer auch die Modernisierung im Mittelpunkt seiner Arbeit. Das Schaffen von seniorengerechtem auch barrierearmen Wohnen sei heute eine wichtige Aufgabe. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Margrit Herbst in den 90ern und heute mit Angela Grube und Wolfgang Kadura stellte Jelitte die GWG auch in schwierigen Zeiten für die Zukunft sicher auf. In diesem Jahr stehen der Anbau von Fahrstühlen an den Hauseingängen in der Gröblerstraße und die Sanierung der Wohnungen in der Johannes-Lange-Straße in Jerichow an.

Grube und Kadura werden die GWG in den kommenden Monaten führen. „Wir hoffen, dass wir langfristig wieder einen hauptamtlichen Vorstand einsetzen können“, befand der Vorsitzende des Aufsichtsrates Roland Maiwald. Er gehörte zu den Laudatoren und bedankte sich bei Peter Jelitte für dessen langjährige Arbeit. Ronald Meißner, Verbandsdirektor der Wohnungswirtschaft Sachsen-Anhalt, verabschiedete den zweifachen Vater und vierfachen Großvater Peter Jelitte mit den besten Wünschen in den Ruhestand.

„Nicht nur der Familie, auch seinem Hobby dem Bergwandern, kann er sich nun widmen.“ Der frühere GWG-Vorstand bleibt der Kanalstadt erhalten. Hier wohnt er mit seiner Frau und hat Ehrenämter inne.