Parchen l Ein feines Triangelklingeln, schwere Schritte und schon steht er auf dem Treppenabsatz: Rudolf Florentin von Byern. Vornehm mit Zylinder, weißen Handschuhen, Gehstock und rotem Mantel.

„Ah, Gäste, seid gegrüßt in meinem ehrwürdigen Schloss zu Parchen“, nickte er den Gästen zu. Der Schönebecker Schauspieler Jeff Lammel hat in den vergangenen gut fünf Jahren dem einstigen Parchener Gutsbesitzer seine Gestalt verliehen und diese Rolle nach und nach weiter ausgebaut. Jede seiner Führungen durch das in den 1830er Jahren im klassizistischen Stil umgebaute Anwesen ist anders.

Der strenge Adelige

„Warum sind Sie heute zu Gast?“, fragt er eine Besucherin ganz beiläufig. „Weil ich mir gern mal die Räume Ihres Hauses anschauen möchte“, antwortet diese mit leichter Zurückhaltung. Die Teilnehmer der Führung in die Veranstaltung einzubinden, ganz nebenbei aus der Geschichte zu plaudern und Fakten zu vermitteln, das versteht Lammel mit großem Können. Manchmal wird er auch zum strengen Adligen, wenn er die lebhaft mit den Händen gestellten Fragen der Besucher tadelt: „Wir wollen doch nicht mit dem Finger zeigen.“

Bilder

Auch hat der Gutsherr, der eigentlich von 1844 bis 1913 lebte, seine liebe Not mit dem Personal. Mal war ihm Magd Margot, mal Diener Heinrich zu bummelig. „Wo bleiben Sie denn?“, rief der Gutsherr dann ungeduldig. „Die Dame hatte noch eine Frage“, antwortete dann der treue Diener stets. Dargestellt wurden die Angestellten von Mitgliedern des Fördervereins des Schlosses.

So ging es Raum für Raum durch das Anwesen. Im Damenzimmer erinnerte sich der Gutsherr mit Wehmut an seine geliebte Ehefrau Frau Agatha von Byern und rezitierte aus einem Mörike-Gedichtband.

Blick ins Mittelalter

Die Besucher durften auch einen Blick in das Herrenzimmer und den Wintersaal werfen. Sie machten Bekanntschaft mit der lebensgroßen Nachbildung des Ritters Werner von Kracht, der im Mittelalter auf der Burg in Parchen, dem Vorläufer des Gutshauses, gelebt hatte. Auch gab es in der Ausstellung eine Reihe von Hieb- und Stichwaffen zu sehen sowie die Ahnentafel und das Wappen der Familie von Byern. Auch die älteste Fotografie des Schlosses Parchen, mehr als 100 Jahre alt, präsentierte der Gutsherr während seines Rundganges. Über die „Herrentreppe“ für Besucher ging es in die obere Etage.

Im Arbeitszimmer ließ sich der Schlossbesitzer in legerer Kleidung beim Verfassen seiner Korrespondenzen mit den von Bismarcks über die Schulter blicken. Die Gäste durften danach beim Anlegen von Mantel und Handschuhen helfen. Auf dem Balkon in Richtung des früheren „Vorzeigehofes“ wunderte sich von Byren über die „schnellen Kutschen auf der befestigten Straße.“ Das seien Autos und die neue Bundesstraße konnte Heinrich informieren. Auch erklärte er, dass durch den Straßenbau einst der Schlosspark und der große Teich verkleinert wurden.

Verköstigung durch die Magd

Einige Besucher erinnerten sich noch lebhaft an die Geschichte des Gebäudes nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Schule sei es lange Zeit gewesen und auch Wohnhaus. Derzeit wird in einigen Räumen gebaut. Im einstigen Kinderzimmer der von Byrens ist dabei sogar noch eine Original-Wandbordüre freigelegt worden. Nach dem Rundgang verabschiedete sich der Gutsherr bis zu seiner nächsten Wiederkehr. „So gehabt euch wohl, bis zum nächsten Mal.“ Die Besucher wurden von Magd Margot zum Abschluss des Rundganges beköstigt, sodass niemand das Anwesen hungrig und durstig verlassen musste.