Genthin l „Wir sind die zweitgrößte Zuchtschau des Jerichower Landes“, machte der Vorsitzende des Genthiner Rassegeflügelzuchtvereins, Uwe Balzer während der Eröffnung der Ausstellung auf eine Besonderheit aufmerksam. Eine andere war, das mit der Veranstaltung das Jubiläumsjahr des Vereins beschlossen wird. 2019 konnten die Genthiner Züchter ihr 125-jähriges Bestehen.

22 Mal die Höchstnote

Das es im Verein nach wie vor keine Ermüdungserscheinungen gibt, machen die reinen Zahlen deutlich. Zu sehen waren 647 Tiere, die von den Vereinsmitgliedern und den 19 befreundeten Vereinen zur Schau gestellt worden. 66 Züchter und sechs Jungzüchter aus der Region maßen sich um die begehrten Preise, Pokale und Ehrenbänder. Und da konnte die Ausstellung wahrlich punkten. Acht Preisrichter vergaben 22 Mal die Höchstnote „vorzüglich“ und 29 mal die zweitbeste Bewertung „hervorragend“. 440 mal gab es ein „sehr gut“. „Daran kann man das hohe Zuchtniveau der Aussteller erkennen“, lobte Uwe Balzer.

Er würdigte auch die große Unterstützung aus seinem Verein und auch von Familie Schulz und dessen Gaststättenteam, das zum Teil lange Tage in der Veranstaltungsvorbereitung mitmachte. „Seit Dienstag sind wir hier und sind freundlich aufgenommen worden.“ Auch das zeige die Verbundenheit mit dem Zuchtwesen. Genau so wie das groß Publikumsinteresse gleich zu Beginn des Schauwochenendes.

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Züchter aus Brandenburg und Altmark

Zu bestaunen gab es zum Beispiel Enten, große Hühner, Zwerg-Hühner und Tauben. Darunter Tiere mit so klangvollen Bezeichnungen wie „Sulmtaler Gold weizenfarbig“ oder „Watermaalsche Bartzwerge wachtelfarbig“. Die Aussteller kamen nicht nur aus dem Jerichower Land, sondern auch aus Brandenburg, der Börde oder aus der Altmark.

Traditionell besuchten Vertreter der lokalen Politik die Ausstellungseröffnung. Sie betonten den Wert des ländlichen Raumes, der trotz aller Unkenrufe zum Trotz immer noch lebenswert sei und dies auch bleibe.

Werbung für Vereinsleben

Der Stadtratsvorsitzende Gerd Mangelsdorf (CDU) betonte, dass es keine Lösung sei, wenn alle Menschen in die Ballungsgebiete ziehen würden, man brauche das Land und man brauche Menschen, die hier leben wollen. „Daher muss die Nahverkehrsanbindung ausgebaut werden, damit die Leute vom Land zu ihren Arbeitsplätzen kommen“, wiederholte Mangelsdorf eine von ihm in der vergangenen Woche aufgebrachte Forderung. Sein CDU-Stadtratskollege Alexander Otto trommelte seinerseits für das Leben auf dem Land, verwies aber auf die Probleme, dass junge Menschen immer schwerer zu motivieren seien, Aufgaben zu übernehmen.

Damit lag er auf einer Linie mit dem früheren Linken-Stadtrat Harry Czeke, der als Vereinsvorsitzender weiß, wie viel Aufwand es bedeutet, die Mitglieder zu motivieren. „Das gelingt oft nur mit Ach und Krach.“ Der Beigeordnete des Landkreises. Thomas Barz (CDU), warb für das Vereinsleben.

Förderprogramm vorgeschlagen

„Das ist eine urdeutsche Sache, in anderen Ländern gibt es das so gar nicht“ und Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) machte Mut, „einfach mal bei einem Verein wie den Rassegeflügelzüchtern vorbeizuschauen.“ Man müsse nicht gleich eine Zucht aufbauen, könne aber die Tätigkeit der Mitglieder unterstützen.

An ihn richtete der CDU-Bundestagsbgeordnete Manfred Behrens ein Angebot: „Es gibt ein Programm mit Fördermittln für den ländlichen Raum, dazu möchte ich Sie gern beraten“, schlug er vor. Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung habe sich zur Aufgabe gemacht, Ländliche Räume zu stärken und zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land beizutragen. „Das kennen aber nur wenige, weshalb wenig Mittel abgerufen werden.

Es gäbe Fördergelder mit bis zu 100 Prozent für Pilotprojekte und Gelder mit Eigenanteil. Der Genthiner Bürgermeister nahm den Vorschlag an und wolle sich mit dem Thema beschäftigen. „Wir werden uns der Sache ebenfalls annehmen“, versprach Uwe Balzer, den auch Vereine könnten Träger sein.