Als der Generalstab in der Gaststube tagte

Zweite Tafel zum Historienwanderweg 1806 informiert nun auch über Geschichte des heutigen Hotels „Stadt Genthin“

Von Susanne Christmann
Nun hängt auch das zweite Schild an der Fassade des Hotels Stadt Genthin, das Auskunft gibt über die Historie des Gebäudes. Foto: Susanne Christmann

Genthin

Als General Fürst zu Hohenlohe im Jahre 1806 im Gasthof „Zum goldenen Stern“ Hauptquartier nahm, hatte die Genthiner Herberge bereits einiges hinter sich. Die spektakulärste der Geschichten: Gastwirt Johann Klüver war 1764 von einer Feuersbrunst betroffen. Bei der wurden insgesamt 11 Grundstücke in der Brandenburger und der Mühlenstraße praktisch ausgelöscht. Die Brandursache konnte trotz sorgfältiger Befragung vieler Zeugen damals nie ermittelt werden.

Usedom-Husar zum Tode verurteilt

1806 - gut 40 Jahre später - jedenfalls bot der Gasthof, der immer noch den Namen „Zum Goldenen Stern“ trug, mit Pferdestallungen den fürstlichen Truppen alles, was sie benötigten. Der Generalstab tagte in der Gaststube, Fürst Hohenlohe und sein Stab nächtigen in den Gastzimmern. Hohenlohe, der in der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806 mit der von ihm geführten Nachhut der verbündeten preußisch-sächsischen Abteilung eine schwere Niederlage erlitten hatte und sich nun mit dem Oberbefehl über die restlichen, sich Richtung Stettin über Magdeburg zurückziehenden Truppen betraut war, schrieb nachweislich in seinem Genthiner Hauptquartier einen Brief an den König in Küstrin, verurteilte hier einen Major mit dem Namen von Graner zum Arrest und sogar einen Usedom-Husaren wegen Tätlichkeiten zum Tode.

All das und noch viel mehr ist der zweiten Historientafel zu entnehmen, die nun ebenfalls an der Fassade des heutigen Hotels Stadt Genthin prangt, die der Inhaber Torsten Hellwig jüngst anbringen ließ. Die Initiative zu dieser Art von Geschichtstafeln ging von den Historienwanderern aus Berlin und Brandenburg um Stefan Hückler aus. Die Hobbyhistoriker sind dabei, einen Wanderweg zum Thema „Der Marsch der Preußen 1806 unter Hohenlohe nach Prenzlau“ aufzubauen. In Buchform ist der „Historienwanderführer 1806“, Band I, „Der Marsch der Preußen unter Hohenlohe nach Prenzlau“ bereits lieferbar.

Finanzielle Unterstützung vom Landkreis

Praktisch haben die Geschichtsfreunde um Stefan Hückler gerade vom Landkreis Jerichower Land eine Fördersumme in Höhe von 1 500 Euro bewilligt bekommen, um den Wanderweg mit weiteren fünf Tafeln im Jerichower Land an Orten komplettieren zu können, an denen 1806 nachweislich etwas mit Hohenlohes Truppen etwas passiert ist. „Die 1 500 Euro“, so Stefan Hückler im Gespräch mit der Volksstimme, „sind ein Zuschuss zu den insgesamt 4 500 Euro, die wir dafür benötigen und die wir von Sponsoren bekommen haben.“

Die Tafeln sollen in Schartau, Parey, Parchen, Burg und Genthin angebracht werden. In Schartau zum Beispiel, so berichtet Stefan Hückler, hat es damals einen wirklich spektakulären Übergang über die Elbe von insgesamt 10 000 Soldaten gegeben. Im Parchener Schloss hat demnach General Hirschfeld Quartier genommen. In Elbe-Parey soll die Tafel davon künden, dass die Preußische Kavallerie unter General Graf von Schwerin damals versucht hat zu verhindern, dass die Franzosen hier über die Elbe gelangen. Auf vier der fünf Tafeln, so Hückler, sei eine Ecke stets Carl von Clausewitz vorbehalten. Der ist in Burg geboren und gelangte später als preußischer Generalmajor, Heeresreformer, Militärwissenschaftler und -ethiker zu einiger Berühmtheit. „Clausewitz ist auch“, weiß Stefan Hückler, „damals 1806 überall mit durchmarschiert.“ Als Stabskapitän und Adjutant von Prinz August von Preußen. „Nun liegt bei den Gemeinden unser Ansinnen vor“, sagt Stefan Hückler, „und wir hoffen, dass sie es unterstützen und wir die Tafeln auch anbringen können.“

Erst Hotel Mansfeld, dann Hotel Stadt Genthin

Der damalige Gasthof „Zum goldenen Stern“, so ist der frisch angebrachten Tafel zu entnehmen, machte 1907 unter Wirt Heinrich Böddecker als Hotel „Mansfeld“ von sich reden. 1911 am 10. März kam es im Hotel erneut zu einem Brand. Und zwar in der Räucherkammer. Den konnte die damalige Freiwillige Genthiner Feuerwehr erfolgreich löschen. Auf Böddecker folgten die Wirte Wilhelm Ehlers (1914), Ernst Schröder (1924) und W. Riecke (1940). Nach 19445 firmierte die Herberge als HO-Gaststätte „Stadt Mansfeld“. 1989 und 1990 wurde das Gebäude erst abgerissen und dann neu wieder aufgebaut. Danach führte es ein Wirt namens Kraneiß als Hotel „Zur Bürgermark“ weiter.

Von 1995 bis 2015 firmierte die Herberge dann als Hotel-Restaurant „Stadt Genthin“ GbR. Seit dem 1. Oktober 2015 führt Torsten Hellwig zusammen mit seiner Partnerin Birgit Liebsch das Hotel „Stadt Genthin“.