Rossau l Torsten Benecke sprach von einem „Fremdkörper im Dorf“. Beim Umbau des Dorfgemeinschaftshauses habe man auch darauf geachtet, dass das Bild am Ende stimmig ist. Überall in Rossau Satteldächer, Walmdächer... Nun soll das neue Feuerwehrgerätehaus auf dem Areal der früheren Gaststätte ein Flachdach bekommen. Nicht nur für Kamerad Benecke unpassend, er sprach ähnlich wie Wehrleiter Enrico Brun. Mit Übermut aber habe das nichts zu tun. Immerhin soll die Feuerwehr Rossau dank der Einheitsgemeinde Osterburg ein nigelnagelneues Gerätehaus für aktuell rund 800.000  Euro nach DIN hingestellt bekommen! Wer sollte sich da beschweren? Nein, darum gehe es nicht. Vielmehr vertreten die Kameraden die Ansicht, dass ein Walmdach gegenüber einem Flachdach nicht teurer sein muss, vor allem nicht auf lange Sicht. „Das hält ja dreimal länger. Von der Unterhaltung ganz zu schweigen“, so Benecke, der auf die betagte Eiche verwies, die auf dem Areal steht. Wenn da Äste herunterfallen, überhaupt die Reinigung... „Beim Flachdach ist alles aufwendiger und damit auch gleich teurer.“

Das wars dann aber auch schon an „Kritik“. Alles andere sei bestens, wiederholten sich die Feuerwehrleute, die sich in persona Enrico Brun auch schon vorher in die Planungen einbringen konnten. Wenn das wahr würde: Ein nigelnagelneues Gerätehaus laut DIN, das auch den Ansprüchen der Feuerwehrunfallkasse genügt – ein Träumchen sozusagen! Eine Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen, Sanitäranlagen mit Schwarz-Weiß-Trennung, Duschen, Versammlungsraum, Führungsraum, Werkstatt/Abstellraum, ein Raum für die Jugendwehr, eine Teeküche, eine große Freifläche draußen. Eigentlich Standard, doch die Wahrheit sieht anders aus. „Wir können uns in Rossau nicht mal die Hände waschen, haben keinen Wasseranschluss.“ Natürlich auch keine Toiletten, keinen Versammlungsraum, keine Heizung. „Eine nackte, kalte Halle, im Winter würden die Klamotten ohne elektrisches Wärmegebläse verklamen“, so Brun. Ihm persönlich ist die schmale Freifläche bis zur Straße ein riesengroßer Dorn im Auge, „wir haben Kinder hier, die Straße ist viel befahren, man muss Angst haben“. Ganz zu schweigen davon, dass ein neues Feuerwehrauto überhaupt nicht ins Gebäude passen würde, weil es zu flach ist. Diese Gemengelage, dazu noch schwierige Grundstücksverhältnisse haben Stadt, Ortschaft und Feuerwehr dazu bewogen, einen anderen Standort zu suchen. Vier oder fünf standen zur Wahl, jetzt ist es jener, wo 2015 die alte Gaststätte abgerissen wurde.

Wie Ordnungsamtsleiter Matthias Frank und Berit Wüstenberg (Bauamt) in Rossau kund taten, sei das mit der Alternativberechnung in Sachen Dach kein Problem. Insgesamt müsse man sich aber sputen. Bis Ende März muss der Förderantrag nämlich abgegeben sein. Falls er positiv beschieden wird, könne frühestens 2021 mit dem Bau begonnen werden. Das Grundstück betreffend, sei man sich mit dem Kauf einig. Ortsbürgermeister Bernd Drong, der das „Dachproblem“ nachvollziehen kann, drängt „auf ein Zusammenwirken mit der Agrargenossenschaft Ballerstedt“, damit das Areal insgesamt ansehnlich werde.

Die Feuerwehr Rossau ist eine der aktivsten Wehren der Einheitsgemeinde, was neben dem sehr schlechten Zustand des alten Gerätehauses mit ausschlaggebend dafür war, einen Neubau zu versuchen. Aktuell zählt die Wehr 21 Aktive, sieben Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung sowie zwölf in der Jugendwehr und ein Mitglied in der Kinderwehr. Zuletzt konnte sich Enrico Brun über ein paar jungerwachsene Quereinsteiger freuen, „die sich ausbildungstechnisch richtig ins Zeug leben, aber wir müssen ihnen eben auch etwas bieten“. Was die Förderung betrifft, äußerte Kamerad Matthias Alph am Montag, „dass das hoffentlich nicht alles nur Propaganda vom Innenministerium war“. Wie die Stadt weiter verfährt, wenn die Gelder nicht kommen, stehe laut Frank noch in den Sternen.