Halberstadt/Goslar l Winterliche Ruhe scheint eingekehrt zu sein ins Brauchtum der Finkerei. Die Harzer Finkenliebhaber pflegen ihre Vögel, züchten neue, freuen sich über Nachwuchs oder neue Rufe, die ihre Buchfinken lernen. Aber der Schein trügt. Zumindest für Finker im Landkreis Goslar.

Dort wehren sich etliche Mitglieder der Ländergrenzen übergreifenden Buchfinken-Gilde Harz gegen das Vorgehen der Kreisverwaltung in der Kaiserstadt. Die forderte Finkenhalter im Rahmen einer Anhörung auf, etwa 20 Vögel herauszugeben. Es sind Finken, die die Harzer um 2011 von einem Händler in Bottrop gekauft haben sollen. Dieser Händler wurde wegen illegalen Handels mit Singvögeln verurteilt, die damals im Harz gelandeten Finken gelten ebenfalls als illegal. Käufer wie Helmut Ehrenberg, der Geschäftsführer der Buchfinkengilde Harz aus Altenau, beteuern hingegen, damals davon ausgegangen zu sein, dass es sich um legale Vögel handele.

Niedersachsens Obere Naturschutzbehörde in Hannover rief nach dem Urteil gegen den Händler aus Bottrop Verwaltungsvertreter und Finkenfreunde aus den drei Landkreisen Harz, Osterode und Goslar zusammen, um die Spur der illegalen Vögel zu verfolgen und das Problem aus der Welt zu schaffen.

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Keine illegalen Finken

Im Landkreis Harz habe es zwei Vögel aus Bottrop gegeben, sagte Dieter Spormann von der Buchfinkengilde in Benneckenstein auf Nachfrage. Allerdings bei einem Finker, der inzwischen verstorben sei. Damit habe sich das Thema erledigt, hier im Kreis habe niemand illegale Finken.

Das prüfte inzwischen die Untere Naturschutzbehörde aus Halberstadt nach und unterzog auf Empfehlung aus Hannover Finkenhalter in Benneckenstein, Hasselfelde und Rübeland einer Extra-Kontrolle. „Dabei wurde festgestellt, dass sich keine Buchfinken von diesem Verkäufer in Bottrop im Bestand befanden“, teilte Pressesprecherin Jessica Fiedler von der Kreisverwaltung Harz mit. Und: „Derzeit werden alle Züchter von einheimischen Singvögeln einer verstärkten Kontrolle unterzogen.“ Kontrolliert werde das ganze Zuchtjahr über bis Ende 2016, kündigte Jessica Fiedler an und betonte gegenüber der Volksstimme: „Alle Züchter zeigten sich sehr kooperativ.“

Logisch, wie Horst Rieche, zweiter Vorsitzender der Buchfinkengilde in Hasselfelde, klarstellt: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Den weiteren Kontrollen sehe man gelassen entgegen, hieß es weiter.

Auch im Landkreis Osterode gebe es keine Streitpunkte. Nicht so jedoch im Kreis Goslar. Dort gaben die betroffenen Finkenhalter ihre als illegal geltenden Vögel trotz einer gesetzten Frist nicht ab. Bis zum Freitag lag in der Kreisverwaltung Goslar kein Hinweis vor, dass einer der beanstandeten Finken abgegeben wurde. Die Begründung dafür: Die Vögel seien verstorben, entflogen oder ausgewildert worden. „Das muss man verstehen – die Finker waren seit Jahren mit diesen Vögeln vertraut und sollten sie nun weggeben“, erklärt Dieter Spormann das Verhalten der Finkerkollegen im Nachbarkreis.

Helmut Ehrenberg war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Zu erfahren war aber, dass mindestens fünf Finker in Niedersachsen das Vorgehen ihrer Kreisbehörde rechtlich prüfen lassen. Die Behörde in Goslar prüft ihrerseits ebenfalls weitere Schritte.