Badersleben l „Wir haben über 100 Firmen angeschrieben“, sagte Huy-Bürgermeister Thomas Krüger (CDU) etwas enttäuscht angesichts der geringen Beteiligung am Wirtschaftsforum. Was genau die Gründe für das offensichtlich nicht vorhandene Interesse der Handwerker, Gewerbetreibenden und Unternehmer der Gemeinden Huy und Osterwieck sind, vermochte er nicht zu sagen.

Dabei hatten die Organisatoren dieses zweiten Wirtschaftsforums im Vereinsheim Sängertreff in Badersleben mit Tamara Zieschang, Staatssekretärin für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, und dem Präsidenten der Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, zwei Referenten gewinnen können, die in ihren Beiträgen kein Blatt vor den Mund nahmen und die Hauptprobleme des Handwerks genau kennen. Daneben standen auch Vertreter des Landtages, der Arbeitsagentur, der Kreishandwerkerschaft, der Investitionsbank sowie Dienstleister zum Gespräch bereit.

Die vergangenen 25 Jahre beschrieb die Staatssekretärin als eine beeindruckende Aufholjagd. Immerhin betrage das heutige Bruttoinlandsprodukt das zweieinhalbfache von 1990. Es gehe dem Handwerk in Sachsen-Anhalt zwar gut, allerdings sind die allseits bekannten Probleme wie Fachkräftemangel und Schwarzarbeit nach wie vor aktuell.

Fehler der Vergangenheit

Thomas Keindorf von der Handwerkskammer Halle kritisierte den politischen Fehler der Vergangenheit, zu viele Akademiker auszubilden. „Darunter leiden wir jetzt.“ Der Fakt, dass es in Sachsen-Anhalt im bundesdeutschen Vergleich überdurchschnittlich viele Kleinstmittelständler mit weniger als fünf Mitarbeitern gibt, erschwere die Arbeit der Kammern, die zum Beispiel Weiterbildungen anbieten. Als nicht handwerkerfreundlich bezeichnete Keindorf das aktuelle Vergabegesetz sowie das Mängelbeseitigungsrecht und fordert eine Nachbesserung. Erfreulich nannte er hingegen den Beschluss des Landtages, der eine Berufsorientierung für alle Schulformen vorsieht.

Mit einem interessanten Vorschlag meldete sich der Baderslebener Bodo Ballast zum Thema Abwanderung der ausgebildeten Lehrlinge zu Wort. „Ähnlich wie die im Fußball bei einem Vereinswechsel üblichen Transfer- oder Ablösesummen könnten sich diejenigen, die unsere fertig ausgebildeten Leute übernehmen, nachträglich an den Ausbildungskosten beteiligen.“

Tamara Zieschang und Thomas Keindorf werteten diesen Vorschlag zwar als charmante Idee, verwiesen jedoch auf die Gesetzeslage, die eine solche Zahlung nicht vorsehe. Die Staatsekretärin erinnerte an die in Sachsen-Anhalt gestartete Image-Kampagne, die mit dem Slogan „Wir sind die Wirtschaftsmacht von nebenan“, Fachkräfte animieren soll, sich für einen Job in Sachsen-Anhalt zu entscheiden.

Abwanderung stoppen

In einer Präsentation stellte Referentin Antje Hoffleit die Landesinitiative „Fachkräfte im Fokus“ vor. Durch Weiterbildung und mehr Präsenz soll am Ende die Leistungsfähigkeit erhöht und die Abwanderung gestoppt werden. Dazu wurde ein Förderprogramm bis 2022 aufgelegt. Die Regionalberatungsstelle befindet sich in Halberstadt.

Zum Thema Schwarzarbeit meldete sich der Baderslebener Tischler Wilfried Helmecke zu Wort. Er erzählte von seinem Schwiegersohn aus Afrika, der vorübergehend bei ihm wohnte. Kaum war er da, stand bereits der Zoll vor der Tür, der einen anonymen Hinweis zur Schwarzarbeit erhalten hatte. Hier habe „Schwarzarbeit“ eine völlig neue Bedeutung erhalten, scherzte der Tischler. Weiterhin bedauere er, dass die Bildungszentren als direkte Konkurrenz den örtlichen Handwerkern reguläre Aufträge wegnehmen.