Schlanstedt l Die Erfolgsgeschichte begann 1877, als Landwirt Friedrich Strube in Schlanstedt einen Betrieb für die Saatgutveredlung gründete.

Vor 20 Jahren begann Dr. Hermann-Georg Strube vom Hauptsitz in Söllingen (Niedersachsen) aus mit dem Wiederaufbau des Standortes im Huy-Ort. Hier arbeiten heute rund 60 Beschäftigte, vor allem im neuen Biotechnologie-Labor.

390 Mitarbeiter

„Inzwischen haben wir in Deutschland 390 Mitarbeiter, darunter 29 Auszubildende“, berichtete Christoph Hauser. Die Züchter bieten 180 verschiedene Saatgutsorten in 35 Ländern an. Bei Zuckerrübensaatgut liegt der Marktanteil in Deutschland bei 35 Prozent, bei Weizen bei 17 Prozent.

Neu aufgenommen wurden Sonnenblumen. „Dieser Wachstumsmarkt ist bisher nicht stark erforscht und es sind hier große Erfolgsschritte möglich“, schätzte der Fachmann ein. Auch bei Gemüsesaatgut, vor allem bei Erbsen und Zuckermais habe man Nischen gefunden.

Generell wird in der Strube GmbH & Co. KG auf gentechnikfreien Anbau gesetzt. Das wirtschaftliche Hauptrisiko besteht darin, dass von der ersten Idee bis zum Einsatz einer neuen Sorte viele Jahre vergehen. In den Schlanstedter Gewächshäusern werden vielfältige Sortenversuche zur Senkung von Krankheitsanfälligkeiten unternommen und gewünschte Stärken über Jahre herausgearbeitet.

„Inzwischen können wir mithilfe der Technik das DNA- Erbmaterial schneller isolieren und ablesen“, erläuterte Forscher Dr. Andreas Müller. „Wir verbinden klassische Züchtung mit neuesten Analyse- und Diagnostikmethoden aus Biotechnologie und Genomforschung. Die Unterschiede lassen sich so schneller feststellen als im Gewächshaus.“ Das bringt Zeit, um neue Variationen auszuprobieren.

Start für Weltneuheit

Diese werden im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte auch mit Universitäten der Region bearbeitet. In einem Gemeinschaftsprojekt entwickelte Strube 2015 mit einem Bosch Start-up den weltweit ersten, selbstnavigierenden Jungpflanzenscanner für Zuckerrüben. Der kann rund 12 000 Pflanzen pro Stunde auf den Versuchsfeldern komplett erfassen und die Daten zielgerichtet zur Auswertung für die Züchter bereitstellen.

Sachsen-Anhalts Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU) lobte bei seinem Firmenbesuch in Schlanstedt das Familienengagement mit der Rückkehr zum Ursprung. Für die Welternährung brauche es solche praktische Forschung.

Die Züchter legten der Politik auch ihre Erwartungen offen. So müsse es bei den Nachbauregelungen Anpassungen geben und der Sortenschutz verbessert werden. Das deutsche Sortenprüfungswesen sollte gesichert und der Erhalt landwirtschaftlicher Flächen besser kontrolliert werden.

Christoph Hauser bilanzierte: „Hier wird Hochtechnologie in alten Mauern, jetzt in der sechsten Generation, betrieben.“