Halberstadt l Angelika Zädow ist eine fröhliche Frau. Sie hat als Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Halberstadt viel zu tun, aber damit kann sie umgehen. Jetzt vor Weihnachten, wo sie auch noch eine Pfarrstelle vertritt, ist es immer besonders viel Arbeit. „Aber es gibt Zeiten, von denen man weiß, das sie stressiger werden. Darauf kann man sich einrichten.“

Und ja, es bleibt noch Zeit für Privatleben, auch im Advent und zu Weihnachten, sagt sie. Wenn der zweite oder dritte Gottesdienst beendet ist, zelebriert sie gemeinsam mit ihrem Mann die Kaffeezeit. Mit Kerzen, qualmendem Räuchermännchen. „Bei mir muss es nach Weihrauch riechen, da bin ich altmodisch.“ Musik läuft, es wird gequatscht. Über Ereignisse des Tages, Gedanken, die einem Gespräch entsprungen sind, über die alten Kirchenväter, eine Begegnung, ein Buch. „Oder Plätzchen. Mein Mann isst wahnsinnig gerne Süßes, ich gar nicht, da muss ich also immer fragen, ob das Rezept für die Plätzchen in Ordnung war. Ich mag es ja lieber salzig“, erzählt sie, „oder frisch. Zurzeit liebe ich Möhren.“ Die stammen nicht aus dem eigenen Garten, dort wachsen Obstbäume und Büsche, weniger Gemüse.

Selbstgebastelte Weihnachtsdekoration

Feiert sie Weihnachten? „Na klar“, sagt sie. Nicht nur des Berufes wegen. Sie dekoriert klassisch grün und rot, mit viel Stroh. Oder dem, was ihre Nichten als Baumschmuck basteln. „Ich liebe alles, was Menschen selbst gemacht haben, das schätze ich sehr.“

Es fällt ihr nicht ein, gegen das Schenken zu Weihnachten zu wettern. „Schließlich haben die drei Weisen ja auch Geschenke gebracht.“ Nachdenklich stimmt sie, dass manche allerdings den Wert von Weihnachten an der Menge der Geschenke messen. Für sie hat Weihnachten ein ganz andere Botschaft, gerade in diesem Jahr. „Frieden auf Erden, das ist die Botschaft von Weihnachten. Jeder, der Weihnachten feiert, müsste einen Schritt auf dem Weg des Friedens, zum Frieden suchen wollen“, sagt sie.

Frieden ist eine Botschaft, die in allen Kulturen der Welt verankert ist und verschiedene Symbole dafür kennt. In vielen Kulturen seien es Kekse, erzählt sie. Aber da ist sie gedanklich schon im Januar, wenn es beim zweiten Gebet für den Frieden in der Welt um solche Kekse gehen wird. Heute muss sie zunächst die Gottesdienste in Dedeleben, Dardesheim, am Bahnhof Halberstadt und in der Martinikirche leiten und am Freitag noch einen, dann ist Zeit zum Durchatmen. Und zum Musizieren: Cello, Bratsche und Klavier spielt sie. Letzteres zurzeit wieder intensiver, weil sie für die vakante Pfarrstelle nicht nur die Pfarrer-, sondern auch die Kantorrolle übernimmt. Ein Gottesdienst ohne Musik – für sie nicht vorstellbar.