Osterwieck l Es ist warm im Fachwerkhaus. Dabei ist nirgendwo ein Heizkörper an der Wand zu sehen. Die Heizung ist tatsächlich unsichtbar. Im Erdgeschoss ist eine Fußbodenheizung installiert, in den beiden Etagen darüber kommt die Wärme aus den Wänden, berichtet Claudia Hennrich, die Chefin des Deutschen Fachwerkzentrums in Quedlinburg. Nur in der Diele im Erdgeschoss werden sichtbare Heizkörper installiert, weil dort für den Fußboden schwere Sandsteinplatten verwendet werden.

Viel Filigranarbeit

Man muss schon genau hinschauen, um den Baufortschritt der letzten Wochen zu erkennen. Denn es wird viel Filigranarbeit geleistet. Am augenfälligsten ist natürlich das Treppenhaus, das auf der Südseite des Hauses gewachsen ist. Ein Fahrstuhl für bis zu sechs Personen ist gerade installiert worden. Nun fehlt nur noch das Treppengeländer. Der Neubau, über den künftig Bewohner und Gäste ins Haus kommen, ist zum einen ein Kontrast zum Fachwerkhaus. Zum anderen ist die komplett verputzte und hell gestrichene Fassade angelehnt an die Gefache des Altbaus.

Im Innern setzen die Tischler des Fachwerkzentrums die Türen ein. Jugendliche aus der Jugendbauhütte des Fachwerkzentrums nehmen kleinere Putzausbesserungen vor. Darüber hinaus werden jüngere Farbschichten von Decken und Wandfeldern abgenommen. Aufwändige Detailarbeit, um Altes, Wertvolles zu erhalten.

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Auch in der Werkstatt des Quedlinburger Fachwerkzentrums liegt noch Arbeit. Knaggen, das sind hölzerne Balken, werden aufgearbeitet, um sie wieder in den früheren Rittersaal als Stütze für die Deckenbalken einzusetzen. Ebenfalls werden Fußbodendielen restauriert. Ab Ende Januar sollen sie im ersten Obergeschoss eingesetzt werden, so weit sie reichen.

Der Saal, in dem künftig die Stadtratssitzungen stattfinden sollen, wird neue Dielen erhalten.

Unsichtbare Schrauben

Dieser Saal mit seinem 21 Meter langen Deckenbalken ohne Stützen ist etwas fürs Auge. Durch eine Restauratorin sind frühere Familienwappen am Balken in einem äußerst aufwändigen Verfahren so gut es ging wieder sichtbar gemacht und die alte Hängekonstruktion des Balkens ertüchtigt worden. Dadurch konnten die im Zuge einer Sicherung im Jahr 2008 installierten großen Metallhalterungen abgenommen werden. Jetzt sollen noch die aus der Sicherung stammenden Gewindestangen in den kleineren Deckenbalken durch unsichtbar ins Holz gedrehte Vollgewindeschrauben ersetzt werden. „Das ist die letzte statisch konstruktive Maßnahme“, sagt Claudia Hennrich.

Die Bauarbeiten sind also auf der Zielgeraden. Ihren Beitrag dazu haben viele Seminarteilnehmer aus dem In- und Ausland geleistet. „Das Projekt ’Osterwieck entdecken-bewahren-erleben’ hat Früchte getragen“, stellt Hennrich fest. Ermöglicht worden war es durch die Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Denkmalschutzstiftung, dem Land Sachsen-Anhalt und der Stadt. Zuletzt waren über die Hochschule Anhalt 45 Studenten sogar aus Asien und Afrika im „Bunten Hof“ tätig, um hier das praktische Arbeiten im Denkmalschutz zu lernen. Die in Osterwieck entstandene Zusammenarbeit mit der Hochschule und anderen Partnern soll fortgesetzt werden, auch bei späteren Sanierungsobjekten des Fachwerkzentrums.

Im Januar werde nochmal ein Lehrprogramm angestrebt, bei dem die Innentüren des Objektes mit einer Bierlasur gestrichen werden.

Darüber hinaus lobt Claudia Hennrich die Zusammenarbeit mit dem Teutloff-Bildungswerk in Wernigerode. Das komplette Erdgeschoss werde durch dort in der Ausbildung befindliche Jugendliche gestrichen.

Derweil richtet sich langsam der Fokus auf die Außenanlagen. Die Planung läuft. Der Auftrag für die Gestaltung muss vom Stadtrat noch vergeben werden. Gegenwärtig liegen dort viele große Natursteine aus dem Abriss der Ilse-Brücke. Aber nur als Zwischenlager.

Claudia Hennrich schätzt ein, dass der „Bunte Hof“ im Laufe des Sommers genutzt werden kann. Dann befinden sich außer dem Saal die Stadt- und Schulbibliothek sowie fünf Wohnungen im 437 Jahre Gebäude, das die Adelsfamilie von Rössing einst noch viel größer erbauen ließ.