Halberstadt l Verwaist ist seit vielen Jahren ein etwa 12 000 Quadratmeter umfassendes Areal an der Westerhäuser Straße in Halberstadt (hinter dem Netto-Parkplatz). Ein Investor will nun auf der Industriebrache eine Wohnanlage mit der Bezeichnung „Dippes Hof“ errichten. Der Stadtrat Halberstadt hat dem Vorhaben während seiner jüngsten Tagung mit der Verabschiedung des Bebaungsplanes mit nur einer Enthaltung zugestimmt.

Beräumung hat begonnen

Auf dem Gelände des ehemaligen Chemiehandels haben bereits die Aufräum- und Abrissarbeiten begonnen. Noch stehen dort heruntergekommene Lagergebäude, die Zug um Zug verschwinden sollen. Aus den Planungsunterlagen der Stadtverwaltung geht hervor, dass nach der Beräumung der neue Eigentümer dort den Bau einer barrierefreien Wohnanlage mit der Möglichkeit zur stationären Pflege plant. Auf einer etwa 2000 Quadratmeter umfassenden Nutzfläche sollen bis zu 40 Wohneinheiten entstehen, die für verschiedene Nutzer flexibel nutzbar seien, heißt es im Bebauungsplan. Weiterhin sollen Einrichtungen für Dienstleistungen und Gesundheitsservice entstehen.

Aus Rücksichtnahme auf die angrenzende vorhandene Wohnbebauung und die dort befindliche Gartenanlage ist vorgesehen, die Gebäude in zwei- und dreigeschossiger Bauweise zu errichten. Aussagen zum finanziellen Umfang des Bauprojekts liegen bislang noch nicht auf dem Tisch.

Ähnliches Projekt abgelehnt

Probleme hatte der Stadtentwicklungsausschuss hingegen kürzlich mit einem ähnlichen Bauvorhaben an der Großen Ringstraße. Dort wollte ein Investor auf der grünen Wiese eine barrierefreie Wohnanlage für etwa 150 Senioren errichten. Die Vorlage fiel im Ausschuss jedoch durch und schaffte es damit nicht einmal in den Stadtrat. Begründung: Der Standort widerspricht dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Das fordert, die Innenstadt zu stärken, nicht den Stadtrand. Das Stadtentwicklungskonzept 2001 habe festgelegt, dass keine zusätzlichen Wohnbauflächen ausgewiesen werden sollen. Das ISEK 2013 favorisiere die Konzentration von Bauinvestitionen auf die Innenstadt entlang der Entwicklungsachsen (heutige Straßenbahnlinien). Außerdem würden die Bau- und Umweltgesetzgebung einen sparsamen Umgang mit Flächen und eine drastische Eindämmung von Neuversiegelungen landwirtschaftlicher und natürlicher Flächen fordern.

Vorhaben erfüllt ISEK-Vorgaben

Das Projekt „Dippes Hof“ an der Westerhäuser Straße erfülle hingegen diese Anforderungen, weil das Grundstück zum sogenannten „Außenbereich im Innenbereich“ gehört, wie den Planungspapieren zu entnehmen ist. Im Flächennutzungsplan der Kreisstadt sei das Areal an der Westerhäuser Straße als Wohnbaufläche ausgewiesen.