Halberstadt l Überwältigend ist die Reaktion auf die Volksstimme-Berichterstattung zur Zukunft der Diesterweg-Grundschule in der Sargstedter Siedlung. Weit über 3000 Teilnehmer haben sich an der TED- beziehungsweise Online-Umfrage der Volksstimme beteiligt, haben per E-Mail oder am Lesertelefon ihre Meinung abgegeben.

98 Prozent für Sanierung

Empörung und Unverständnis über die drohende Schließung der Diesterweg-Grundschule dominieren bei den Anrufern und E-Mail-Schreibern. Online haben sich an der Umfrage insgesamt 1901 User beteiligt. Mehr als 98 Prozent haben für die Sanierung der Diesterweg-Grundschule gestimmt, egal war es 0,26 Prozent. Ein deutliches Votum.

Bereits in den Vormittagsstunden hatten am gestrigen Donnerstag bis etwa 10.30 Uhr fast 400 User online ihre Stimme abgegeben, 97 Prozent davon stimmten für den Erhalt der Schule. (Anmerkung der Redaktion: Leider sind aufgrund eines technischen Fehlers die Stimmen verloren gegangen und nicht mehr darstellbar).

Streit schwelt seit Monaten

Die Diskussion um die Zukunft der städtischen Standorte schwelt seit Monaten. Die um die Zukunft der Diesterweg-Grundschule sogar seit mehr als zehn Jahren. Eine von Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) ins Leben gerufene Arbeitsgruppe aus Vertretern von Verwaltung und den im Stadtrat vertretenen Fraktionen hat sich nun mehrheitlich für fünf statt bisher sechs Schulen ausgesprochen. OB Henke legt dem Rat am kommenden Donnerstag jedoch einen Beschluss vor, der den Erhalt von sechs Standorten fordert. Das Stadtoberhaupt möchte sein Versprechen einlösen, die Bildungseinrichtung zu erhalten. Darum schiebt er sofort einen Sanierungsbeschluss für die Diesterweg-Grundschule nach. Sagt der Stadtrat dazu mehrheitlich „Nein“, bedeutet das für die unter Denkmalschutz stehende Schule in der Sargstedter Siedlung, das Aus.

Derzeit wird darüber in den Ausschüssen beraten. Der Finanzausschuss hat die OB-Vorlage bereits abgelehnt.

Keine Mehrheit im Kulturausschuss

Am Mittwochabend haben beide Vorlagen auch im Kulturausschuss keine Mehrheit gefunden. Wie tags zuvor der Finanzausschuss verwarfen die Stadträte den Vorschlag der Verwaltung, im Stadtgebiet weiterhin sechs Grundschul-Standorte zu unterhalten. Sollte sich der Stadtrat am 28. April dieser Auffassung anschließen, wäre das das Aus für die Diesterwegschule.

Linke beklagt Pessimismus

Das wäre ein Signal, mit dem sich Detlef Eckert (Linke) nicht anfreunden kann. Mit dem Wegfall der Schule steht das Wohngebiet an der Sargstedter Siedlung ohne eine solche Einrichtung da. Dabei würden in den kommenden Jahren viele Häuser aus Altersgründen verkauft. „Die Frage ist, wer zieht dahin?“, stellte Eckert die rhetorische Frage. Die Antwort war klar - ohne Schule keine Familien mit Kindern. Damit sei der Beschluss zur Schulschließung gleichzeitig ein Signal, dass die Stadt nicht an ihre eigene Zukunft, ab eine positive wirtschaftliche Entwicklung und den Zuzug junger Familien glaube. Eckert: „Das ist Ausdruck des grundlegenden Pessimismus, dass sich in dieser Stadt nichts mehr tut.“

Die demografische Entwicklung lasse zumindest bis zum Jahr 2030 sechs Grundschulen in der Stadt zu, sagte Andreas Karger, der im Rathaus für die Schulen zuständig ist. Derzeit seien einige Einrichtungen, etwa die Anne-Frank-Schule, „total überbelegt“. Auch andere seien so gut ausgelastet, dass dort nicht ohne weiteres zusätzliche Kinder untergebracht werden könnten. Das gilt zum Beispiel für die Ströbecker, die laut Karger in ihrem Bestand „fast ungefährdet“ ist.

Allerdings ist das Rathaus auch auf die Reduzierung auf fünf Standorte vorbereitet. Betroffen von einem Neuzuschnitt der Einzugsgebiete wären insbesondere die Goethe- und die Spiegelschule.

Ströbecks Ortsbürgermeister Jens Müller (SPD) sprach sich grundsätzlich für sechs Standorte aus, hatte aber Bedenken hinsichtlich der Sanierung der Diesterweg-Schule. Die Rtahauspläne sehen eine Erweiterung vor. Er habe Bedenken hinsichtlich der Kosten und der Kapazitäten.

Kein Geld übrig

Für den geplanten Um- und Anbau der Diesterwegschule sind mehr als 3,1 Millionen Euro aus dem STARK V-Programm des Landes und knapp drei Millionen Euro aus der Investitionspauschale des Landes vorgesehen. Das würde bedeuten, dass für andere Projekte in der Stadt kein Geld aus der Investitionspauschale vorhanden wäre.

Der Stadtentwicklungsausschuss hat am gestrigen Donnerstagabend beide Beschlussvorlagen mit Mehrheit abgelehnt.