Wernigerode l Der Fuhrpark der Harzer Verkehrsbetriebe (HVB) an der Wernigeröder Zaunwiese hat seit Montag acht neue Schmuckstücke.

Am Nachmittag wurden die mit Bio-Erdgas betriebenen Busse offiziell übergeben. Landrat Martin Skiebe (CDU) sagte: „Während andernorts ab 2018 Dieselfahrverbote geplant werden, gehen wir im Harz in die Offensive.“ Der HVB beweise mit dieser Investition, „dass Ökologie und Ökonomie durchaus vereinbar sind“. Er sei dankbar, mit den Stadtwerken Wernigerode einen Partner zu haben, der diesen Prozess begleitet.

Langfristige Absatzsicherheit

Deren Geschäftsführer Steffen Meinecke nannte als „perspektivisches Ziel, in Wernigerode alles umzustellen“. Dabei gehe es für das Unternehmen unter anderem um eine langfristige Absatzsicherheit.

Laut Bjoern Smith sind von derzeit 138 firmeneigenen Bussen mittlerweile 48 erdgasbetrieben, davon 31 in der bunten Stadt am Harz. Die Neuen“ ersetzten Dieselfahrzeuge, Baujahr 1992 bis 1997. Die Bio-Gefährte seien nach Angaben des HVB-Geschäftsführers fast gänzlich ohne Schadstoffausstoß unterwegs. Die Gesamtkosten würden sich netto auf rund zwei Millionen Euro belaufen. Gemeinsam mit den Stadtwerken unterstütze die Stadt Wernigerode die Anschaffung von jährlich drei neuen Erdgasbussen.

Land fördert nicht

Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) betonte, ein sehr gut ausgebauter und fast Kohlendioxid-neutraler Nahverkehr sei für die Attraktivität des Standortes in punkto Wohnen, Studieren und Tourismus unverzichtbar. Er persönlich bedauere es, dass das Land Sachsen-Anhalt keinerlei Förderung mehr für solche Projekte gewähre. Es sei wohl kaum zukunftsweisend, nicht in diese Übergangs- und Brückentechnologie zu investieren. Dirk Michelmann nannte Elektrobusse als eine Alternative. Diese wären aus wirtschaftlicher Sicht aber nicht zu finanzieren gewesen, sagte der HVB-Aufsichtsratsvorsitzende. Zudem gebe es mit diesen Gefährten bislang noch erhebliche technische Probleme. Michelmann appellierte zudem an die Geschäftsführungen der Stadtwerke in Halberstadt und Quedlinburg, weiter über den Einsatz von Bio-Erdgas-Bussen im Gespräch zu bleiben.

Landwirtschaftliche Reststoffe

Geliefert wird das „neue Benzin“ von der VERBIO Vereinigte Bioenergie AG in Zörbig (Sachsen-Anhalt). Wie deren Marketingleiterin Ulrike Kurze betonte, würden für die Produktion keine Nahrungsmittel, sondern nur landwirtschaftliche Reststoffe verwendet.

Seit etwa zwei Jahren werde eine selbst entwickelte neue Technologie angewendet. Durch selbige könne das BioErdgas zu 100 Prozent aus Stroh gewonnen werden. Die Anlage dafür steht laut Ulrike Kurze in Schwedt an der Oder. Eine zweite sei unweit davon in Pinnow geplant.