Halberstadt l Die Freude ist Rüdiger Becker anzuhören. Drei junge Halberstädter haben Lust, sich auf die spannende Welt der Vögel einzulassen. Die Zwölfjährigen wollen mitwirken bei der Arbeitsgemeinschaft Junge Ornithologen. Der Chef des Vogelkundemuseums Heineanum sprudelt förmlich über vor Ideen, wie sich Amelie, Jarno und Noah einbringen können.

Technik ist nicht mehr neu

Bei der Überarbeitung der Präsentation von Vogelstimmen zum Beispiel. Die Technik ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, für manches gibt es schon keine Ersatzteile mehr. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir hier die Smartphones nutzen, die heutzutage fast jeder besitzt“, sagt der Museumsleiter. Über einen speziellen Code erkennt das Handy, vor welchem Vogel der Museumsbesucher gerade steht und wenn der mag, kann er sich das Zwitschern, Piepsen und Pfeifen dieser Art anhören.

„Aber vielleicht habt ihr ja noch ganz andere Ideen“, sagt Rüdiger Becker und schaut zu Detlef Becker. Der Präparator hat schon vor Jahren solch eine Arbeitsgemeinschaft geleitet und wird diese Aufgabe gerne wieder übernehmen. „Und nicht mehr nur in seiner Freizeit. Ich habe das Okay meines Fachbereichsleiters, dass ein Teil dieser Zeit als Arbeitszeit angerechnet wird“, berichtet Rüdiger Becker.

Ausflüge in die Natur

Blicke hinter die Kulissen eines Museums sind für die wissbegierigen jungen Ornithologen ebenso geplant wie Ausflüge in die Natur. Ob das Angebot ankommt bei den Jugendlichen, Rüdiger Becker hofft es. „Was man als Ornithologe tut, ist nicht abstrakt oder virtuell. Man muss losgehen, schärft Auge und Gehör, ist mit all seinen Sinnen in der Natur. Und man lernt, wie selten und schützenswert vieles von dem ist, was uns umgibt.“

Eigenes Logo

Die Arbeitsgemeinschaft, die nach den Sommerferien ihre Arbeit aufnehmen soll, wird über ein eigenes Logo verfügen. Die 15-jährige Helene Rimbach hat sich an der aktuellen MoVo, der Ausstellung Moderner Vogelbilder, beteiligt und für ihre Zeichnung eines Halsbandnektarvogels den zweiten Preis beim Wettbewerb um den „Silbernen Uhu“ gewonnen. Heineanumschef Becker war so begeistert, dass er die junge Künstlerin und ihre Eltern überzeugen konnte, das Bild zu verkaufen. „Damit haben wir ein tolles Bild, dass wir als Logo nutzen können“, sagt er, als er Amelie, Noah und Jarno in die Bilderschau begleitet.

Das Zeichnen, sagt Becker, ist auch so etwas, was Ornithologen machen. „Ein Foto hält immer nur einen ganz kurzen Moment fest, eine Zeichnung erfasst das Wesentliche. Nicht umsonst sind in den Bestimmungsbüchern die Tiere gezeichnet“, sagt er und kündigt an, dass auch diese Form wissenschaftlichen Arbeitens durchaus Bestandteil der Angebote in der Arbeitsgemeinschaft sein könnten.

Spender für Nistkästen

Noch eine weitere Aufgabe für die jungen wissbegierigen Freunde der gefiederten Mitgeschöpfe nennt Becker beim Rundgang durch das Heineanu. Nach der Ausstrahlung der Fernsehsendung „Kripo live“, in der über den Diebstahl und die Zerstörung von zahlreichen Nistkästen berichtet wurde, haben sich Spender gemeldet und Geld zur Verfügung gestellt, damit neue Nisthilfen angefertigt werden können. Das Geld reicht für mehr als die, die im Burchardikloster für einen Lehrpfad benötigt werden. Diese zusätzlichen Nistkästen könnten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft im Wald anbringen und dann beobachten, ob und wie sie angenommen werden.

Dass all das möglich sein wird, ist einer Aktion des Halberstädter Lions-Clubs zu danken. Denn die Lions wollen den Erlös des Benefizballs, der in diesem Jahr am 4. November in der Gaststätte Am Sommerbad ausgerichtet wird, zum einen für ihren Jugendfonds nutzen, zum anderen aber der neu entstehenden Arbeitsgemeinschaf Junger Ornithologen zur Verfügung stellen, wie Steven Löper berichtet.