Halberstadt (sr) l Mit einem überraschend kräftigem Händedruck und einem Lächeln begrüßt Ursula Sommer ihre Gäste. Es ist der 90. Geburtstag, entsprechend zahlreich sind die Glückwünsche, Blumen und Geschenke, die sie am Montag bekommt. „Schwester Ursel“ wird sie von den meisten liebevoll genannt – unter diesem Name ist sie in die Stadtgeschichte eingegangen.

„Ich war fast 28 Jahre lang Stadtschwester, darum kennen mich so viele noch“, sagt die Jubilarin bescheiden. Neben dieser Arbeit war sie in zahlreichen Institutionen und Vereinen tätig, um sich um Menschen zu kümmern, die Hilfe brauchen. So ist Ursula Sommer Mitbegründerin des Halberstädter Hospizvereins und machte sich im Unabhängigen Frauenverband stark. Für ihr Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und sie ist Ehrenbürgerin von Halberstadt.

Lebenslust trotz schwerer Krankheit

Kein Wunder also, dass Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) sie zu ihrem Ehrentag besucht. „Meinen größten Respekt, Bewunderung und Dankbarkeit für alles, was Sie in der Stadt Jahrzehnte lang geleistet haben“, sagte er. „Bewahren Sie sich ihre Lebenslust.“ Diese wurde in den letzten Jahren auf eine harte Probe gestellt. Ursula Sommer ist schwer erkrankt und musste infolge dessen ihre Wohnung aufgeben. Ihr neues Zuhause hat sie im altersgerechten Wohnen in der Sternstraße gefunden. „Aber ich habe mich zurückgekämpft“, sagt die Jubilarin, die sich noch immer sozial engagiert „Leuten beistehen und ihnen Mut machen, das ist mir wichtig.“

Für diese Einstellung zollt ihr ihr Bruder Eberhard Lautsch Respekt. „Man kann das nur bewundern. Sie hat ihr ganzes persönliches Leben der Hilfe anderer gewidmet“, berichtet der 75-Jährige. Schon mit 18 Jahren hat sich Ursula Sommer entschieden, Diakonisse zu werden, verrät sie.

Geboren 1926 in Dessau, wurde sie am Diakonischen Mutterhaus in Dessau und in Stendal zur Kranken- und Kinderschwester ausgebildet. Bis 1970 setzte sie sich im Halberstädter Mutterhaus für Hospizarbeit ein. Anschließend war sie Gemeindeschwester in der Evangelischen Gemeinde St. Johannis. „Ich war immer glücklich und bin in meinem Beruf aufgegangen.“