Halberstadt l Ein verzweifelter anonymer Hilferuf hängt hinter einer der wenigen noch halbwegs intakten Fensterscheiben des ruinösen ehemaligen Klubhauses in Halberstadt: „Wir ­trauern um unser Klubhaus, Herr Ober­bürgermeister“. Über zwei Jahrzehnte hält das Trauer­spiel bereits an. Das einst stolze und bei vielen Bürgern beliebte Gebäude ist mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst und für die Kreisstadt alles andere als ein Aushängeschild. Es belastet das Stadtbild an einer sehr prominenten Stelle, direkt an der vielbefahrenen Kreuzung Harmoniestraße/Spiegel­straße.

Schandfleck soll weichen

Der Hilferuf hat im Halberstädter Rathaus Gehör gefunden. Oberbürgermeister An­dreas Henke (Linke) überrascht mit der Erklärung: „Ich will der Stadtverwaltung und dem Stadtrat vorschlagen, den Kauf des Klubhauses samt Grund und Boden ­voraussichtlich für 2019 für die Summe X in den städtischen Haushalt einzustellen“. Hoffnungen, dass die Kommune damit an einer Wiederbelebung des Hauses arbeitet, zerstreut Andreas Henke allerdings ­sofort. Ihm geht es darum, dass der Schandfleck wegkommt und Platz für Neues entsteht.

„Die Stadt könnte sich um eine Förderung des Abrisses kümmern und anschließend das Grundstück an einen Investor verkaufen“, berichtet der Oberbürgermeister. Eine Sanierung des Gebäudes ist auf Grund des schlechten ­Bauzustandes nicht mehr möglich beziehungsweise wäre so teuer, dass es unter wirtschaftlichen Aspekten keinen Sinn ergibt.

Letztmalig hatte Jörg Felgner das Klubhaus zum Thema gemacht. Der SPD-Politiker setzte es im Wahlkampf zur Landtagswahl 2017 auf seine Prioritätenliste. Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass an Stelle des Klubhauses ein Theaterneubau entstehen soll. Felgner schaffte zwar den Einzug in den Landtag und machte kurzzeitig Karriere als Wirtschaftsminister Sachsen-Anhalts, doch das Problem Klubhaus ist immer noch ungelöst.

Investor gescheitert

Anfang der 1990er Jahre hatte der Landkreis Halberstadt das Klubhaus an einen Investor verkauft. Damit begann der Niedergang des Gebäudes. Die Vereinigte Volksbank Halberstadt, die den Besitzern einst den Kredit zum Kauf des Hauses gegeben hat, gab die Immobilie bereits vor Jahren an die BAG Bankaktiengesellschaft weiter. Eine Art Badbank innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken, die sich um Problemkreditgeschäfte kümmert. Die Eigentümer haben dann 2002 beim Amtsgericht Magdeburg einen Insolvenzantrag gestellt. Das Verfahren ist am 21. Oktober 2009 mangels Masse eingestellt worden.