Kultur

Abschiedgeschenk zum Neustart am Halberstädter Theater

Ein Kammerstück für zwei Frauen feiert am 6. Juni Premiere am Nordharzer Städtebundtheater. Diese Premiere ist zugleich ein Abschiedsgeschenk. Was den „Walweiberwildwechsel“ für Regisseur Daniel Theuring doppelt besonders macht.

Von Sabine Scholz
Anne Wolf (links) und Julia Siebenschuh sind die beiden Akteurinnen im ?Waldweiberwildwechsel". Das Schauspiel von Michael Herl feiert am 6. Juni Premiere im Nordharzer Städtebundtheater.
Anne Wolf (links) und Julia Siebenschuh sind die beiden Akteurinnen im ?Waldweiberwildwechsel". Das Schauspiel von Michael Herl feiert am 6. Juni Premiere im Nordharzer Städtebundtheater. Foto: Ray Behringer

Halberstadt - Schon der Name verspricht wortgewaltige Lust am Skurrilen. Wobei skurril trifft wohl nicht ganz, was sich hinter „Waldweiberwildwechsel“ von Michael Herl verbirgt. Der zeitgenössische Stückeschreiber liegt Daniel Theuring am Herzen. Der Dramaturg für Schauspiel und Öffentlichkeitsarbeit am Nordharzer Städtebundtheater führt bei dieser Inszenierung auch Regie.

Er finde, sagt Theuring, der „Waldweiberwildwechsel“ sei Herl noch besser gelungen als „Captain’s Dinner“. Dieses Kammerstück um Macht, Schein und Anschein, hatte das Harzer Publikum bereits auf den Bühnen des Hauses erleben können. Nun also wieder ein Herl.

Gemeinsam den Text zueigen gemacht

In der Auseinandersetzung mit dem Text sei ihm immer bewusster geworden, dass Herl dieses Stück offenbar genau auf die Frauen zugeschrieben hatte, die es uraufführten. „Eigentlich sind es zwei alte Tanten, die sich da treffen“, sagt Dramaturg Daniel Theuring. Nun hat das Haus aber keine „alten Tanten“. Dafür spielfreudige und lebenskluge Schauspielerinnen. „Also haben wir uns das Stück zu eigenen gemacht und wie bei der Entstehung gemeinsam dran gearbeitet.“

Mit Anne Wolf und Julia Siebenschuh habe er die perfekte Besetzung, wobei Julia Siebenschuh ein bisschen in die Zukunft spielen muss, sie übernimmt den Part der Gundula Gerster, die in der Harzer Fassung rund 20 Jahre älter ist als Paula Polz, die Anne Wolf darstellt.

Konflikte im Clash zweier Welten

Mit dem angepassten Altersunterschied bleiben die Konfliktpotenziale erhalten. Verändert hat Theuring die Szenerie - so, dass sie gut in den Harz passt. Deshalb spielen auch Ost-West-Konflikte eine Rolle in dem Stück, in dem zwei Alfa-Frauen aufeinandertreffen, die sich im normalen Leben wohl nie begegnet wären und die aus völlig verschiedenen Zeiten, Welten und sozialen Umfeldern kommen. Doch weil Wildschweine die Nordic Walkerin Paula Polz verfolgen, rettet die sich auf einen Hochsitz – der schon besetzt ist. Von Gundula Gerster. Gemeinsam gefangen auf engstem Raum, bröckeln die Fassaden von Paula und Gundula und mit viel Witz und Charme entsteht etwas ganz Neues.

In der Erarbeitung der Aufführung habe es viele Gespräche gegeben, berichtet Theuring, obwohl mit vier Wochen nicht all zu viel Zeit zum Proben war. Doch so intensiv ins Gespräch zu kommen wäre bei normalem Theaterbetrieb sicher nicht möglich gewesen. Eine der wenigen guten Aspekte des Dauerlockdowns im Theater. Im Austausch werde der Text mehr und mehr zu dem der beiden agierenden Frauen. „Es ist ihr Stück und meins, das macht mich zufrieden“, sagt Theuring.

Abschiedsgeschenk ans Publikum

Es sei kein Stück, bei man gleich lospruste, aber alle, die bislang bei den Proben dabei waren, hätten sich köstlich amüsiert. Die Passagen, aus denen das Stück besteht, seien lustig, oft in feinen Nuancen. Was ihn ein bisschen sorgenvoll auf die zahlreichen Freiluft-Termine schauen lässt, die für dieses Stück angesetzt sind. Doch die Übertragungstechnik sollte auch das Open-air -Publikum teilhaben lassen an dem, was zwischen und mit den beiden Frauen da auf dem Hochsitz passiert.

Bis zum Schluss habe man tolle Ideen entwickelt und sie eingebaut, nun steht die Premiere an. Am Sonntag, 6. Juni. um 15 Uhr in der Neuen Bühne Quedlinburg.

Diese Premiere ist zugleich ein Abschiedsgeschenk. Er wollte noch mal Regie führen hier im Harz, das sei ihm nun geglückt. Zum 1. Juli wechselt Theuring dann nach Ingolstadt.