Halberstadt l Das Wichtigste betont Marco Grigoleit gleich zu Beginn. Das Ärztehaus „Alte Schule“ in der Bismarckstraße wird jederzeit erreichbar sein, auch wenn die Bagger ab Mittwoch anrücken. „Allerdings sollten sich die Verkehrsteilnehmer mit der jeweiligen Situation vertraut machen und auf die Beschilderung achten“, rät Grigoleit. Er ist für die Bauplanung der Abwassergesellschaft Halberstadt (AWH) zuständig. Die setzt ihre im vergangenen Jahr begonnene Sanierung des Kanalnetzes im Quartier rund um die Thomas-Müntzer-Straße fort.

Bereits im vergangenen Jahr waren die Rohre in den nördlich der Müntzer-Straße gelegenen Stichstraßen erneuert worden, ab dieser Woche folgen die Abwasserleitungen in den südlich gelegenen Abschnitten von Bismarck-, Bach- und Breitscheid-Straße. Dass sind die Straßenzüge zwischen der Thomas-Müntzer- und der Friedenstraße.

„Wir investieren insgesamt rund 1,8 Millionen Euro netto in dem Stadtviertel“, sagt Thomas Valentin, Geschäftsführer der AWH. Die Investition ist auf drei Jahre verteilt, auch, um die erforderlichen Verkehrseinschränkungen im Rahmen halten zu können. „Wir müssen die Kanalisation in dem Bereich erneuern“, sagt der AWH-Chef. Eine Untersuchung habe „typische Schadensbilder für so alte Leitungen“ ergeben. Schließlich sind die Abwasserrohre in diesem Quartier um 1912 ins Erdreich gelegt worden. Nun zeigen sich undichte Stellen, Scherben- und Rissbildungen in den Leitungen.

Die Mischwasserkanäle, also die Rohre, in denen das Abwasser der Haushalte und das Regenwasser von Dächern und Straßen gemeinsam ins Klärwerk fließen, werden straßenweise ausgetauscht. Doch bevor die jeweils rund 150 Meter langen Abschnitte aufgebaggert und die Straße deshalb jeweils voll gesperrt wird, erfahren die Hausanschlüsse eine Frischekur. „Wir nutzen die Inlinersanierung für die insgesamt 47 Gebäudeanschlüsse in diesem Bauabschnitt“, sagt Marco Grigoleit. Das heißt, in die vorhandenen Rohre wird ein Kunststoffschlauch eingezogen, der anschließend aushärtet und so ein Rohr im Rohr bildet. Diese Arbeiten können erfolgen, ohne dass Gehweg oder Straße in Mitleidenschaft gezogen werden müssen. „Wir ziehen die neuen Leitungen durch die Revisionsöffnung im Keller des jeweiligen Hauses“, erklärt Grigoleit.

Erst wenn in der Straße die Hausanschlüsse erneuert sind, wird die Fahrbahn aufgerissen. Zum Teil müssen die Bauleute sehr tief baggern. „Die alten Tonrohre liegen hier zwischen 4,20 und drei Meter tief im Erdreich“, berichtet der AWH-Mitarbeiter. Das betrifft alle drei Straßenzüge, die in diesem Jahr einen neuen Mischwasserkanal bekommen. Vorgegangen wird wie auf der Nordseite. Ist der Kanal in einem Straßenzug ersetzt, ziehen die Bauleute um die nächste Straße. So muss immer nur eine der Straßen voll gesperrt werden. Jeweils rund 150 Meter lang sind die Abschnitte, auf denen die Halberstädter Tiefbaufirma TSB Harz GmbH ihre Bagger zum Einsatz bringt. Mit der Sanierung der Hausanschlüsse ist die Firma Cannaqua aus Bad Harzburg beauftragt worden, berichtet Marco Grigoleit.

Geplant sind pro Straßenzug Bauzeiten zwischen fünf bis acht Wochen. „Wir rechnen also mit einem Abschluss der Arbeiten im November“, sagt Thomas Valentin. Im kommenden Jahr folgt dann noch die Kanalerneuerung in der Thomas-Müntzer-Straße. Anschließend dürfte für viele Jahrzehnte erstmal Ruhe einkehren im Untergrund dieses Wohnquartiers.