Wegeleben l Angler lieben den Wettstreit, wer den größten Fisch gefangen hat. Aber nicht nur. Den Mitgliedern des Sportfischervereins Weha „Untere Bode“ liegt neben ihrem entspannenden Hobby der Erhalt der natürlichen Lebensräume am Herzen. So wissen sie, dass der Bestand der Äsche in der Bode seit den späten 1990er Jahren rapide sank. Die Europäische Äsche stellt wie alle Lachsartigen (Salmoniden), sehr hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Der Süßwasserfisch wurde 1997 und 2011 in Deutschland Fisch des Jahres.

Duft nach Thymian

„Äschen sind zu einer Rarität in der Bode geworden“, berichtet Marco Grigoleit, Vereinsvorsitzender des Sportfischervereins Weha „Untere Bode“. Die Ursachen sind vielfältig. Ihr Lebensraum wurde vom Menschen in den letzten 200 Jahren geprägt und in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Die Flüsse wurden begradigt und angestaut, Bach- und Flussauen trockneten aus, die Gewässer wurden mit Abwässern verunreinigt. Damit verloren die heimischen Arten ihr angestammtes Habitat und Fischräuber wie zum Beispiel Kormorane ziehen daraus ihren Vorteil.

Doch es gibt wieder Äschen in der Bode, wie Jens Spindler und Max Klimpke aus Haldensleben erfuhren, als sie mit der Fliegenrute bei Wegeleben unterwegs waren. Fliegenfischen ist eine spezielle Methode des Angelns. Sie unterscheidet sich insbesondere durch die Technik bei der Darbietung der Köder. „Beim Fliegenfischen liegt die Kunst in der Imitation von Insekten, die vor allen bei Forellen auf dem Speisezettel stehen. Dazu ist eine spezielle Angelausrüstung erforderlich“, so Spindler.

Fliegenfischer brauchen Erfahrung

Beim Fliegenfischen sind die Köder künstliche Insektennachbildungen, unter den Anglern Fliegen genannt, die mit einer speziellen Angelrute und Schnur durch mehrfaches Hin- und Herschwingen der Rute in der Luft gehalten werden, wobei der Angler Unterstände wie große Steine im Wasser gezielt anwerfen kann. Ist der vermeintliche Unterstand der Forelle gefunden, lässt der Angler die Fliege auf die Wasseroberfläche sinken und ahmt damit ein ins Wasser gefallenes Insekt nach. Mit etwas Glück wird ein Fisch auf den Köder aufmerksam und schnappt danach.

Äschen gehören zu den Fischarten, deren Hauptnahrung aus Insekten besteht. Diese Fische benötigen wie die Forellen sauberes, kühles und sauerstoffreiches Wasser, zu finden in den Ober- bis Mittelläufen von Bächen und Flüssen. „Wir haben hier an der Bode, im Streckenabschnitt des Sportfischervereins Weha Untere Bode, einen Flecken Natur gefunden, den wir immer wieder gerne besuchen. Wenn wir hier Angeln, ist das Entspannung pur“, sagt Jens Spindler.

Besonders die Äschen haben es den beiden Anglern aus der Börde angetan. Diese wunderschönen Fische fallen durch ihre große bunte Rückenflosse auf und wie ihr lateinische Name „Thymallus thymallus“ verrät, verströmt der Fisch einen leichten thymianartigen Duft.

Kälte und Kormorane

Dass Jens Spindler und Max Klimpke so erfolgreich Äschen gefangen haben, freut den Vorsitzenden des gastgebenden Vereins. „Durch den starken Einfluss des Menschen auf die Natur können schon kleine Veränderungen einzelner Faktoren gravierende Auswirkungen auf die angestammten Arten verursachen und deren Arterhaltung bedrohen“, erläutert er. „Diese Veränderungen scheinen besonders den Äschen in der Bode das Leben schwer zu machen“. Die noch vielfach vorhandenen Wehre und Staustufen zwängen die Äschen in einzeln abgegrenzte Flussabschnitte. Ein Ausweichen bei Störungen in optimalere Gewässerabschnitte wird damit verhindert.

Auch die Begradigung der Flüsse und der Wegfall natürlicher Deckung bereitet der Äsche Probleme. Besonders bei längeren Kälteperioden im Winter, wenn die eisfreien Gewässer abnehmen, rücken die noch eisfrei bleibenden Flüsse und Bäche ins Visier der Kormorane. „Den Vögeln kann man es nicht verdenken“, sagt Grigoleit. Jedes Lebewesen benötigt Nahrung, um zu überleben.

Vogelschutz und viele Wehre

Nur hat bei den Kormoranen auch der Mensch seine Finger im Spiel. „Durch den strengen Schutz des Vogels und die durch den Menschen veränderten Faktoren am Gewässer, bringt er das Gleichgewicht zwischen Jäger und Beute durcheinander“, so Grigoleit. Damit steht die Äsche in der Bode unter enormen Druck. Sie kann diesen Druck zum größten Teil nicht mehr kompensieren.

Eine natürliche Wiederauffüllung geschädigter Populationen durch Zuwanderung aus anderen Gewässerabschnitten wird durch unpassierbare Wehre verhindert. Auch das Stauwasser vor den Wehren ist für alle Salmoniden, nicht nur für die Äsche, verloren. Durch den Anstau der Flüsse verringert sich die Fließgeschwindigkeit, Sediment und organisches Material lagern sich vor den Wehren ab, verfaulen und verzehren dadurch den im Wasser gebundenen Sauerstoff. Für die meisten Flussbewohner ein lebensfeindlicher Bereich.

Erste Erfolge

Der Vorharzer Anglerverein befasst sich seit mehr als zehn Jahren intensiv mit den Äschen in der Bode. In den Jahren von 2009 bis 2011 erfolgte eine Bestandsstützung der Äsche mit den Halberstädter und Quedlinburger Anglern, deren Pachtabschnitte an den des Vereins Weha angrenzen. Leider half es den Äschen nur bedingt. In den Folgejahren gab es längere Kälteperioden im Winter und ein vermehrter Kormorananflug war festzustellen.

Daher sind die jetzigen Äschenfänge ein kleiner Lichtblick. „Sicherlich profitierten die Äschen in der Bode auch von den milderen Wintern der zurückliegenden zwei Jahre, wodurch die Kormorane sich auf mehrere Gewässer aufteilen konnten und der Fraßdruck abgemindert wurden“.

Forschungsprojekt

Ein weiteres Problem sehen die Sportfischer in den Wehren. Diese unterbrechen den Geschiebetransport aus dem Harz. Wenn dann die vorhandenen Kiesbänke im Rahmen von Unterhaltungsmaßnahmen entnommen werden, ist das Reproduktionshabitat für die Kieslaicher, wie es Äschen oder Forellen sind, meist unwiederbringlich verloren.

„Hier gilt es aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Die gesetzlichen Vorgaben sind in der EU-Wasserrahmenrichtline und den FFH–Naturschutzrichtlinien verankert“, sagt Grigoleit. „Wir dürfen in der Unterhaltung der Gewässer die Bedürfnisse unserer im Fluss lebenden Arten nicht weiter unbeachtet lassen, wenn wir die Bode mit ihren Lebensgemeinschaften für die Zukunft erhalten wollen.“

Gegenwärtig arbeitet das Institut für Binnenfischerei Potsdam/Sacrow mit den Angelvereinen der Boderegion an einem mehrjährigen Forschungsprojekt, welches die Ursachen für die Probleme der Äschen in der Bode ergründen soll.