Halberstadt l Christa Dette ist verzweifelt. Regelmäßig verschwinden vom Grab ihres Mannes Blumen oder kleine Windlichter, die sie zum Gedenken an ihren vor sechs ­Jahren verstorbenen Mann auf die Grabplatte legt. Die „Übeltäter“ hat die Halberstädterin schnell ausgemacht. Nicht etwa Langfinger sind am Werk, sondern ganz offiziell Mitarbeiter des städtischen Friedhofs.

Einfach abgeräumt und entsorgt

Christa Dette ließ ihren Mann auf einer Urnengemeinschaftsanlage im Park 17 bestatten. Die einzige individuelle Gestaltungsmöglichkeit auf der Rasenfläche ist eine Platte mit den persön­lichen Daten ihres Mannes. Blumensträuße oder Kränze zum Andenken an die Verstorbenen dürfen dort nicht direkt auf die Gräber gelegt werden. Dafür gibt es einen zentralen Platz in der Anlage. Christa Dette und viele andere, die ihre verstorbenen Angehörigen dort bestatten ließen, wissen das. „Ich halte mich auch daran. Aber zum Totensonntag oder anlässlich des Geburtstages meines Mannes lege ich schon einmal ein einzelnes Blümchen auf die Grabplatte, keine großen Sträuße. Oder ich stelle ein kleines LED-Windlicht zum Gedenken auf. Also nur Kleinigkeiten“, berichtet die 78-Jährige. Meist dauert es nicht einmal einen Tag, dann sei alles wieder verschwunden. Einfach abgeräumt und im Müll entsorgt.

„Die Mitarbeiter des Friedhofs sind da rigoros. In meinen Augen ist das pietätlos und unverschämt“, schimpft die Halberstädterin. Größere Blumengebinde legt sie auf den zentralen Ablegeplatz. Aber sie bringt es einfach nicht über ihr immer noch von Trauer erfülltes Herz, gar nichts auf das Grab zu legen. Auch wenn das offiziell in der Friedhofs­satzung verboten ist.

Bitte um Verständnis bleibt unerhört

Christa Dette suchte das Gespräch mit der Friedhofsverwaltung, bittet um Verständnis. Sie erhoffte sich Hilfe von Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke), besuchte perönlich seine Bürgersprechstunde im Rathaus und warb um Hilfe – vergebens. „Das Einzige, was ich später erhalten habe, war per Post die Friedhofssatzung. Die hatte ich vorher schon“, sagt die Witwe enttäuscht. Wenn sie das vorher gewusst hätte, dann hätte sie sich für eine andere Bestattungsform entschieden. „Am liebsten würde ich meinen Mann umbetten lassen“, stellt sie resigniert fest.

Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Die Bürger, die eine Grabstelle in einer der mehrfach vorhandenen Gemeinschaftsanlagen wählen, haben sich bewusst für die Grab-Art entschieden. Die Friedhofsverwaltung informiert auch grundsätzlich vor der Beisetzung auf den Anlagen, welche Vor- und Nachteile es gibt. Dieses nimmt der Bürger/Hinterbliebene mit seiner Unterschrift zur Kenntnis.“

Verwaltung sieht keinen Handlungsspielraum

Um regelmäßig die Sauberkeit der Gemeinschaftsanlagen sicher zu stellen, sei es erforderlich, nicht ordnungsgemäß abgelegte Blumen, Lichter und ähnliches Grabzubehör zu entfernen. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass bereits fast 1000 Verstorbene auf der Anlage im Park 17 beigesetzt sind und eine individuelle ­Betrachtung aller Geburts-und Sterbezeiten nicht berücksichtigt werden kann. „Wir bitten, den Grabschmuck nur an den dafür vorgesehenen Plätzen abzulegen, um auch den Mitarbeitern die Pflege der Grabanlage zu erleichtern (Laubberäumung, Rasenmahd)“, so die Friedhofsverwaltung. Es sei jedem Bürger, der eine Grabstelle erwirbt, möglich, eine individuelle Grabstelle zu erwerben, die er entsprechend individuell pflegen und bepflanzen kann. Dort sei es dann auch möglich, Grabschmuck entsprechend den Wünschen zu platzieren.