Julian Lembke komponierte die Musik zu "Pierrot Lunaire / Rose: rot. Nachtigall: tot."

Aufstrebender Stern am Musikerhimmel

Von Christin Käther

Der 26-jährige Julian Lembke hatte Lampenfieber und einige schlaflose Nächte hinter sich. Denn seine erste eigene Komposition feierte am Sonnabend in Halberstadt Premiere.

Halberstadt l Der junge Musikstudent hat vor zwei Jahren bei der Orchesterwerkstatt des Nordharzer Städtebundtheaters mitgemacht und sich unter allen teilnehmenden Jungkomponisten durchgesetzt. Als Preis erhielt er einen Kompositionsauftrag. Eigentlich zielte dieser auf das bevorstehende Theater-Jubiläum im kommenden Jahr ab. In Absprache mit Theaterintendant Johannes Rieger durfte sich Julian Lembke jedoch schon am Stück "Pierrot Lunaire / Rose: rot. Nachtigall: tot." austoben, das am Sonnabend in der Kammerbühne Halberstadt aufgeführt wurde.

Eine große Verantwortung, die auf Lembkes Schultern lastete. War es doch das erste zusammenhängende Stück, das er im Alleingang komponierte. Dieses Talent kommt nicht von ungefähr. Geboren in Hannover als Sohn eines Schauspieler-Paares, entdeckte Julian Lembke schon früh seine Leidenschaft für das Schlagzeug, besonders Rock, Pop und Jazz begeisterten den damals Achtjährigen. Mit dem neuen Schlagzeuglehrer kam auch noch die Klassik dazu und Lembke begann, kleine Etüden zu schreiben und zu variieren.

Sein "Schlüsselerlebnis", wie er erzählt, hatte er im Braunschweiger Dom, wo ein kleines Musikstück von ihm gespielt wurde. Von da an hegte er den Wunsch, so etwas professionell zu machen, andere Menschen Komposition zu lehren. Nach dem Schulabschluss schrieb er sich an der Hochschule für Musik in Detmold ein. Neben Komposition studiert der 26-Jährige Musiktheorie, hat währenddessen auch noch Klavier spielen gelernt, das ihm beim Komponieren eine große Hilfe ist.

Die Musik zu "Pierrot Lunaire / Rose: rot. Nachtigall: tot." vertonen zu dürfen, war für den Studenten eine willkommene Herausforderung. "¿Der glückliche Prinz\' und ¿Ein Granatapfelhaus\' von Oscar Wilde habe ich gern gelesen", gesteht Lembke seinen Bezug zu dem irischen Schriftsteller. Den Originaltext von "Die Nachtigall und die Rose" hat der Berliner Librettist Andreas Bisowski umgeschrieben und mit Lembkes musikalischer Untermalung eine Kammeroper da- raus gemacht, versehen mit einer komisch-tragischen Note.

Bis zur Aufführung vergingen zwei Jahre, in denen sich die beiden Künstler austauschten. Kurz vor Vollendung des Stückes verstarb Bisowski im Alter von 37 Jahren. Julian Lembke setzte die gemeinsame Interpretation unter der Leitung von Symeon Ioannidis um, war aber aus zeitlichen Gründen bei den Proben in Halberstadt nicht anwesend und hatte keine Ahnung vom Ergebnis. Das steigerte seine Aufregung noch mehr. Zur Aufführung am Sonnabend saß er in der letzten Reihe, schaute sich die Gäste genau an. "Die Publikumsreaktion war sehr schön: Lacher, amüsiert, auch gelegentlich ablehnend, aber immer wieder konzentriert und gefesselt. Habe ich selten so erlebt", so Lembke.

Der 26-Jährige ist nach wie vor fleißig. Gerade hat er ein Studienaustauschjahr am Pariser Konservatorium begonnen, wo er sich einem Kammermusikprojekt widmet. "Ich komponiere Stücke, die auf Geräuschen oder moderner Technik basieren. Den Sprachbereich werde ich aber weiter verfolgen. Ich brauche den Austausch mit Textern." Französische Komponisten aus dem 20. Jahrhundert sind dabei sein Vorbild.

Sein großer Traum ist es, irgendwann mal eine Oper für ein großes Orchester zu komponieren, sich auszuprobieren, seinen Stil herauszuarbeiten. Julian Lembkes Steckenpferd ist, bei seinen Hörern Verwirrung zu stiften.

"Pierrot Lunaire / Rose: rot. Nachtigall: tot" ist heute um 19.30 Uhr in der Kammerbühne in Halberstadt zu sehen.