Halberstadt l Die Überraschung war gelungen. Er wollte doch nur das Modell und die Infotafel dazu in Augenschein nehmen, gemeinsam mit Stadtchronisten Werner Hartmann in einem Vortrag an die Luftfahrtgeschichte Halberstadts erinnern. Doch als Friedrich-Wilhelm Schröter, den viele liebevoll Friwi nennen, am Montagnachmittag in die Voigtei 48 kam, warteten dort nicht nur interessierte Geschichtsfreunde auf den heute in Niedersachsen lebenden Althalberstädter. Auch das Goldene Buch der Stadt und eine Auszeichnung harrten seiner.

Er wurde mit der Verdienstmedaille der Stadt Halberstadt ausgezeichnet. Im Begründungstext heißt es: „In fester innerer Verbundenheit mit seiner Heimatstadt engagiert sich Friedrich-Wilhelm Schröter seit der Wende in vielen Bereichen. Er beförderte und förderte zahllose Aktionen im Sinne des Halberstädter Traditionsunternehmens Dehne und der Geschichte seiner Heimatstadt.“

Es gibt noch viele andere Entwicklungen, die eng mit seinem Namen verknüpft sind. So war er Mitbegründer der „Hercynia Weinbruderschaft“ und zeigte in Afrika, am Nationaldenkmal der Dampfmaschine „Martin Luther“ in Namibia, deutlich Flagge. Diese Maschine war 1896 in Halberstadt in der Firma Dehne produziert worden. Friedrich-Wilhelm Schröter war 2004 natürlich Gast des Festaktes in Swakopmund zum Abschluss der Restaurierungen der Lokomobile.

Engagement

Im gleichen Jahr engagierte sich Schröter für die Namensgebung eines Lufthansaflugzeugs. Es erhielt natürlich den Namen „Halberstadt“. Auch der Besuch des Thailändischen Königshauses am Gymnasium Martineum in Halberstadt ist auf das Engagement von Friedrich-Wilhelm Schröter zurückzuführen.

Immer wieder gräbt der umtriebige 83-Jährige historische Verbindungen und denkwürdige Fakten aus, um Werbung für seine Heimatstadt im Vorharz zu machen. Er ist eng mit Halberstadt verwurzelt, immerhin ist der Stammbaum der Familie bis 1618 in der Domstadt belegt.

Schröters Familienverband Dehne-Woolnough hatte in Halberstadt Industriegeschichte geschrieben. So gehörte die Firma Dehne von 1856 bis 1985 zu den ältesten und bedeutendsten Landmaschinenherstellern in Deutschland, wobei sie ihre Blütezeit in den Jahrzehnten um die Wende zum 20. Jahrhundert hatte. Die Dehnesche Familie war 1897 Mitbegründer des Verbandes der deutschen Landmaschinen-Industrie (L.M.V.), später DLG. Die Traditionen dieses Unternehmens reichen bis in die Gegenwart.

Passender Rahmen für die Verleihung war am Montag die Eröffnung der Exposition für das Flugzeugmodell „Halberstädter Taube“. Im Jahr 2016 hatte Schröter den Bau eines flugfähigen Modells des legendären Doppeldeckers „Halberstadt LC IV“ in Auftrag gegeben, um an diesen Flugzeugtyp zu erinnern. Die „Halberstädter Taube“ wurde zwischen 1912 und 1919 gebaut. Das Modell mit einer Spannweite von gut einem Meter fand nun einen Platz im Schraube-Museum. Das Städtische Museum gestaltete außerdem eine Tafel zur Geschichte der „Fliegerstadt Halberstadt“.

Vor dieser nahm Friedrich-Wilhelm Schröter sichtlich bewegt die Auszeichnung entgegen, die ihm Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) und Stadtratspräsident Volker Bürger (CDU) überreichten. Henke sagte zuvor: „Es gibt Halberstädter, die sich mit Leib und Seele mit ihrer Stadt identifizieren und ihr immer wieder neue Impulse geben. Friedrich-Wilhelm Schröter ist einer davon“.

In seinen Dankesworten sagte Schröter: „Vor 65 Jahren habe ich mein Abitur am Martineum gemacht. Obwohl ich nicht mehr hier lebe, fühle ich mich der Stadt sehr verbunden und bedanke mich sehr für diese Ehrung. Ich habe versucht, Halberstadt zu Lande, zu Wasser und in der Luft bekanntzumachen.“