Halberstadt l Nur ein Stuhl steht an jedem vier Tische. „Mehr ist nicht möglich, aber wir sind froh, überhaupt an allen Tagen aufmachen zu können“, sagt Constantin Schnee. Der Leiter der Ökumenischen Bahnhofsmission hält einen Karton, aus dem die Spitzen roter Schokoladenweihnachtsmänner ragen. „Eine kleine Weihnachtsgabe für die Diensthabenden“, sagt der Halberstädter. Und berichtet, dass die Träger der Einrichtung, Caritasverband und Diakonisches Werk im Kirchenkreis Halberstadt, ebenfalls für alle Mitarbeitenden eine kleine Überraschung vorbereitet hatten.

Constantin Schnee überreicht Manuel Brunngräber einen der Schokomänner, als Mario Zaremba den Raum der Bahnhofsmission betritt. Er hat heute Bahnsteigdienst, schaut also, ob jemand beim Ein- oder Aussteigen Hilfe braucht. Doch so viel los wie sonst zu Heiligabend ist in diesem Jahr nicht am Hauptbahnhof der Harzkreisstadt.

Oft der einzige Kontakt

Viele Menschen halten sich an die Beschränkungen, es wird offenkundig weniger gereist als sonst. Gebraucht wird das Angebot der Bahnhofsmission dennoch nicht weniger als sonst. „Wir sind nach wie vor eine wichtige Anlaufstelle, Ansprechpartner und manchmal auch der einzige Kontakt für Menschen in Nöten“, sagt Schnee. Der sich gleich darauf den Kollegen zuwendet und nochmal bespricht, wie die Essensausgabe erfolgen soll. Noch allerdings hofft er, dass das versprochene Festessen noch rechtzeitig eintrifft für jene, die ohne Angehörige sind und aufgrund unterschiedlichster Erkrankungen oft kaum zurecht kommen im Alltag. „Jetzt, wo alles zu ist, keine Selbsthilfegruppen sich treffen, sind wir oft die einzigen, die noch Kontakt zu den Betroffenen haben“, sagt Schnee. Und berichtet sichtlich froh, dass es gelungen ist, fast alle obdachlosen Stammgäste über die Feiertage unterzubringen. In verschiedenen Einrichtungen und Quartieren.

Das gespendete Essen, wenn es denn rechtzeitig kommt, wird an Stammgäste ausgegeben, die allein am Tisch sitzen, auf Stühlen, die extra neu beschafft wurden – bequeme Plastikstühle, die gut abwischbar sind und desinfiziert werden können, bevor der nächste Gast Platz nehmen kann. „Wenn kein Essen kommt, gibt es eben wie immer einen Kaffee oder Tee und ein paar Kekse“, sagt Constantin Schnee.

Jeden Tag geöffnet

Die Not sei bei vielen der Stammgäste groß, das bestätigen auch Mario Zeremba und Manuel Brunngräber. Sie haben sich mit 13 anderen Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission die Dienstzeiten über die Weihnachtstage geteilt. Von 10 bis 14 Uhr ist jeden Tag geöffnet. Für Reisende ebenso wie für die Halberstädter, die hier Halt finden.

Die Tür öffnet sich wieder und ein frohes „Hallo“ ertönt. Werner Rummel verteilt gerade noch das Desinfektionsmittel auf seinen Händen, als ihm Schnee ebenfalls einen schokoladigen Gruß überreicht. „2009 gehörte er zu den ersten Aktiven hier“, sagt Schnee, „er hat die Mission quasi mit aufgebaut“. Nicht nur zu Heiligabend schaut Rummel vorbei und erkundigt sich, wie es läuft in der Ökumenischen Bahnhofsmission.

„Gut“, sagt Schnee, „auch wenn es für uns ungewohnt ist, zum ersten Mal seit zehn Jahren keinen Gottesdienst im Bahnhof zu feiern.“ Das Friedenslicht holen sich die Menschen trotzdem bei den Missionsmitarbeitern ab.