Halberstadt l Lautes Krachen dröhnt über die Fläche. Ein großer Autokran steht auf dem Areal an der Kühlinger Straße mitten im Stadtzentrum Halberstadts. Am Haken eine gelbe Stahlkonstruktion, die es in sich hat.

Tonnenschweres Gewicht im Einsatz

6,5 Tonnen schwer ist die Freifalleinrichtung, als die sich der Metallkäfig entpuppt. Dieser wird sorgfältig über den schmalen Betonpfählen positioniert, die Anfang Dezember in den Baugrund getrieben worden sind. Die Pfähle mit den zwei unterschiedlichen Durchmessern sollen auf ihre Tragfähigkeit hin getestet werden.

„Zur Sicherheit“, wie Henning Staat sagt. Der Technikchef der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) ist beim Prüftermin mit vor Ort und informiert sich bei dem seit mehr als 30 Jahren im Beruf stehenden Messtechniker der Firma DMT aus Vaihingen. Die ist spezialisiert auf solche Tests.

Bauform ist Neuland für Halberstadt

„Das ist alles Neuland für uns“, sagt Staat. Auf Betonpfählen ruhe bislang kein neueres Gebäude im Stadtzentrum. Um die Last der geplanten Gebäude zu tragen, die unter den Namen Lindenhof-Terrassen hier im kommenden Jahr entstehen sollen, sind 322 solcher Betonbohrpfähle vonnöten. Die Statiker haben gerechnet, die Pfahlgründungsfirma Jacbo ebenfalls – aber um ganz sicher zu gehen, dass wirklich nichts passiert mit den Pfahl­fundamenten, wenn das große Gebäude darauf gebaut wird, soll an diesem Tag nun getestet werden.

Bohrpfähle passen zum Boden

Die Prüfeinrichtung ist aufgebaut, der Pfahl verkabelt. Das Gewicht saust krachend auf den Betonpfahl. Mehrmals, immer aus einer anderen Höhe. Aufgrund der verschiedenen Fallhöhen wird jeweils die dynamische Kraft erhöht, die auf den Beton einwirkt. Anschließend wird Pfahl Nummer zwei der Belastungsprobe ausgesetzt.

„Wir haben sehr gute Ergebnisse erzielt“, berichtet Henning Staat später, nachdem alle Messergebnisse vorliegen und ausgewertet sind. „Die Bohrpfähle der Firma Jacbo harmonieren gut mit den vorhandenen Bodenverhältnissen auf diesem Areal.“ Aufgrund dieser sehr guten Ergebnisse des Belastungstestes, der nicht einmal bis zur obersten Grenze, der Zerstörung des Pfahls, erfolgen musste, sei klar: Im Januar kann das Setzen der eigentlichen Fundamentpfähle erfolgen. Und wenn der Baugrund auf dem Nachbargrundstück, das später bebaut werden soll, vergleichbar ist – wovon auszugehen ist – könne man dort auf solche aufwendigen Prüfungen verzichten.

Zwei Jahre lang wird gebaut

Zwischen Lindenweg und Kühlinger Straße entstehen in den nächsten zwei Jahren im ersten Bauabschnitt auf einem durchgehenden Erdgeschoss drei einzelne Wohngebäude, in denen auf 6200 Quadratmetern Fläche 75 Zwei-Raum-, 13 Drei-Raum- und drei Vier-Raum-Wohnungen Platz finden werden. Es wird drei Fahrstühle geben, die Wohnungen werden barrierefrei und barrierearm gebaut, jeweils mit Terrasse, Balkon oder Loggia. Errichtet werde das Gebäude zudem als ein Energieeffizienzhaus. Die HaWoGe investiert in den Neubau einen „nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag“, wie HaWoGe-Chefin Beate Grebe sagte.

Der Neubau entsteht an einer städtebaulich wichtigen Stelle im Zentrum und ersetzt die vor wenigen Jahren abgerissenen Wohnblöcke.