Halberstadt l Ein besonderes Weihnachtsgeschenk hat die Stadt Halberstadt erhalten. Überbracht vom Postboten kurz vor dem Fest. Dringend benötigtes Geld, um auch im neuen Jahr Bauprojekte in der Altstadt unterstützen zu können.

Das Landesverwaltungsamt Halle gab für zwei Förderbescheide grünes Licht. Dabei handelt es sich einmal um 760.000 Euro aus dem Förderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz". Mit dem Geld werden Vorhaben im historischen Stadtkern von Halberstadt umgesetzt. Ein weiterer Scheck über knapp 900.000 Euro steht aus dem Programm "Stadtumbau Ost - Aufwertung" zur Verfügung.

Klosterhof wird neu gestaltet

Ein Fahrplan, was mit dem Geld geschehen soll, ist bereits erarbeitet worden, informiert Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung in der Kreisstadt. Etwa knapp die Hälfte von den 760.000 Euro ist für die Hofgestaltung des weitläufigen Burchardiklosters vorgesehen. Das unter Denkmalschutz ­stehende über 800 Jahre alte Ensemble wird seit mehr als zwei Jahrzehnten Stück für Stück auf Vordermann gebracht. Federführend ist dabei die AWZ - Aus- und Weiterbildungszentrum GmbH Halberstadt, die die Immobilie nutzt.

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"Wir haben viele Jahre da-rauf gewartet, dass der weiträumige Hof vernünftig gestaltet werden kann", sagt Jens Klaus zum Geldsegen. Seit längerer Zeit liege ein Masterplan zur Sanierung des Klosters auf dem Tisch. Den könne man nun ein weiteres Stück umsetzen. Mit den etwa 380.000 Euro soll der mehrere Tausend Quadratmeter große Klosterhof in Zusammenarbeit mit dem AWZ in den Jahren 2019/2020/2021 neues Pflaster und eine barrierefreie Zuwegung erhalten.

Lösung für Grudenberg 9 gesucht

Die andere Hälfte der Fördersumme, ebenfalls 380.000 Euro, ist für das Fachwerkhaus Grudenberg 9 vorgesehen. Das Gebäude befindet sich in direkter Nachbarschaft zur bereits sanierten Hühnerbrücke 4 beziehungsweise zum in der Sanierung befindlichen Grudenberg 8. "Wir müssen dringend eine Lösung für die schwierige Hofsituation der drei eng zusammenstehenden Häuser finden.

"Der Grudenberg 9 besitzt praktisch keinen Hof. Damit würde sich das Haus nach einer aufwendigen Sanierung nicht vermieten lassen", befürchtet Jens Klaus. Von der Straße her ist das Gebäude ein Blender. Farbe gauckelt einen Topp-Zustand des Hauses vor. Dahinter verbirgt sich nach jahrzehntelangem Verfall allerdings ein Trümmerhaufen. "Für diese schwierigen Sanierungs-Fälle findet sich kein Investor, weil es zu teuer ist. Hier muss die Stadt eine Lösung finden. So wie es bei den Nachbarhäusern geschehen ist", erklärt der Fachbereichsleiter. Allerdings sei der Bauzustand des Grudenbergs 9 irreparabel. Daher gibt es Überlegungen, das Denkmal abzureißen und die damit entstandene Lücke neu zu gestalten. Dafür sei das Geld gedacht. Eine Lösung werde es allerdings frühestens 2021/2022 geben. "Der Schritt will in diesem sehr sensiblen Altstadt-Bereich wohl durchdacht sein." Daher nimmt sich die Stadt auch Zeit für eine Lösung.

Ehemaliges Hallenbad wird abgerissen

Das Gros der 900.000 Euro aus dem Förderprogramm "Stadtumbau Ost - Aufwertung" ist für die in Vorbereitung befindliche Sanierung beziehungsweise den Umbau der ehemligen Städtischen Badeanstalt in der Bödcherstraße bestimmt. Mit insgesamt 692.000 Euro wird die Investorengemeinschaft, die das mehr als 20 Jahre verwaiste Gebäude aus seinem Dornröschenschlaf wecken will, unterstützt. "Der geplante Abriss des Hallenbades sowie der Einbau eines Aufzuges und eines neuen Treppenhauses im zu sanierenden Haupthaus werden damit unterstützt", berichtet Jens Klaus.

208.000 Euro verbleiben für Arbeiten zur Neugestaltung des Fußweges in der Kühlingerstraße. "Dort muss nach dem Bau der zwei neuen HaWoGe-Wohn- und Geschäftshäuser der desolate Fußgängerweg erneuert werden", sagt der Fachbereichsleiter.

Vor 26 Jahren Start für Förderung

"Vor 26 Jahren wurde die Städtebauförderung mit ihren verschiedenen Förderprogrammen auch in den neuen Bundesländern eingeführt und entwickelte sich hier zum wohl größten Förderprogramm in der Geschichte Sachsen-Anhalts.", so der Präsident des Landesverwaltungsamtes Thomas Pleye bei der Unterzeichnung der Förderbescheide für Halberstadt.

Fünf Jahre Zeit

"Das Land hat in den Programmen der Städtebauförderung gemeinsam mit dem Bund und der EU seit 1991 rund 3,3 Milliarden Euro an Fördermitteln für die Finanzierung von Investitionen in den Kommunen bereitgestellt. Zuzüglich der Mindesteigenanteile der geförderten Kommunen in Höhe von insgesamt knapp einer Milliarde Euro konnten die Kommunen Investitionen in Höhe von über vier Milliarden Euro tätigen, eine beeindruckende Zahl, die widerspiegelt, wie ganze Städte ihr Gesicht zum positiven verändern konnten", so der Präsident abschließend. Die Kommunen haben für die Umsetzung der Projekte fünf Jahre Zeit.