Halberstadt l Ein unappetitliches Thema, aber eines, das für Diskussionsstoff sorgt: Hundekot in den Straßen Halberstadts. „Es ist unmöglich, wie es in der Stadt aussieht“, beschwert sich Roland Hedke am Leser-Telefon der Volksstimme. „Aber man kann nicht nur den Hundehaltern den Schwarzen Peter zuschieben“, betont er.

Grundsätzlich begrüße er es, so der Halberstädter, der selbst Hundebesitzer ist, dass das Ordnungsamt der Stadt gegen die Tretminen und die, die dafür verantwortlich sind, vorgehen. So gibt es seit einigen Monaten eine Fuß-Streife des Ordnungsamtes, die dafür sorgen soll, dass weder Müll noch Hundehaufen auf den Fußwegen und in den Grünanlagen landen. Noch vor Beginn der offiziellen Dienstzeit der Stadtverwaltung laufen zwei Ordnungshüter – auf 450-Euro-Basis angestellt – durch Halberstadt.

35 Euro

Für diejenigen, die sie erwischen, kann es teuer werden: Hundekot, der nicht korrekt entsorgt wird, schlägt für die Herrchen mit 35 Euro zu Buche. Für Haufen auf Spielplätzen werden 100 Euro fällig. Pro Jahr werden laut Verwaltung rund 65 Verstöße von Hundehaltern geahndet.

Ein guter Ansatz, findet Roland Hedke. Aber: „Es wird Hundehaltern aber auch nicht leicht gemacht, die Haufen zu entsorgen.“ Er könne nicht verstehen, wieso keine Hundekot-Tütenspender im Stadtgebiet aufgestellt werden. „Schließlich zahle ich Hundesteuer“, ergänzt er ärgerlich.

Die Antwort ist so einfach wie unbefriedigend: „Aus Kostengründen“, sagt Ordnungsamtschef Ralf Fleischhauer auf Volksstimme-Nachfrage. Die Haushaltslage lasse das nicht zu.

Kein Geld

„Es gab Überlegungen, probeweise einen im KäKo-Park aufzustellen, aber dies wurde abgelehnt.“ Die knappen Stadtfinanzen seien nur ein Grund dafür gewesen. Zudem habe es in der Verwaltung Befürchtungen gegeben, dass „mit den Beuteln Schindluder betrieben“ wird und sie nicht so entsorgt werden, wie es vorgesehen ist – in speziellen Behältern.

Die Sorge ist nicht unberechtigt, wie ein Blick in die Nachbarstadt Wernigerode zeigt. Obwohl es dort schon seit einigen Jahren Tüten-Spender und die dazugehörigen Abfallbehälter gibt, landet das Thema Hundekot dennoch regelmäßig auf den Tischen von Ordnungsausschuss und Ordnungsamt. Häufig wurden in der Vergangenheit Beutel samt Inhalt am Waldrand, in Hecken und sogar in Gärten „entsorgt“. Um dem entgegenzuwirken, setzt das Wernigeröder Ordnungsamt seit etwa einem Jahr auf eine Signalfarbe. Die Beutelspender in der Stadt und in den Ortsteilen werden nun mit roten statt schwarzen Tüten bestückt.

Mülleimer? Fehlanzeige

Doch wie sollen Hundehalter in Halberstadt verfahren – wo es hier überhaupt keine Tütenspender gibt? „Sie sind angehalten, selbst Beutel mitzubringen und ordnungsgemäß zu entsorgen“, sagt Fleischhauer. Damit spricht er einen weiteren Punkt an, den Leser häufig am Volksstimme-Telefon kritisieren: fehlende Mülleimer.

„146 Abfallbehälter gibt es in Halberstadt, verteilt auf Stadtzentrum, Altstadt, Bahnhofsvorplatz, Grünanlagen und zum Beispiel in den Spiegelsbergen“, informiert Thomas Wald, Leiter der Abteilung Stadtgrün und Sauberkeit. Zum Vergleich: 2002 standen in der Stadt noch 565 Entsorgungsmöglichkeiten bereit. „Aber seitdem hatten wir zwei Haushaltskonsolidierungen“, sagt Wald. Mülleimer, so erläutert er, seien eine freiwillige Aufgabe. Angesichts der angespannten Haushaltslage müsse die Stadt an diesen sparen und habe die Anzahl stufenweise reduziert.

Prüfung

Ob die verbleibenden an der richtigen Stelle stehen oder an einem anderen Ort notwendiger wären, werde gerade geprüft – auf Antrag der CDU-Fraktion. Ohnehin sei es üblich, dass das Ordnungsamt die Abfallbehälter dort hinstelle, wo sie gebraucht würden. Sowohl nach Bürgerhinweisen als auch, wenn den Mitarbeitern selbst ein erhöhter Bedarf auffällt, sagt Wald. Allerdings: Aus Kostengründen würden die Behälter nur umgesetzt, es kämen keine neuen dazu.

Sind die öffentlichen Mülleimer überhaupt dazu gedacht, Tüten voller Hundekot zu entsorgen? „Eigentlich sind sie nur für ‚Unterwegsabfall‘ gedacht, also für ein benutztes Taschentuch oder eine Eisverpackung. Hundekot-Tüten gehören zu Hause in die Restmülltonne“, erläutert Thomas Wald. „Aber besser, die Beutel landen in einem Mülleimer als auf der Straße.“