Was ist die Alt-Katholische Kirche?

Die Alt-Katholische Kirche hat ihren Ursprung im Jahr 1870. In ihr vereinten sich katholische Christen, die die Beschlüsse des Ersten Vatikanischen Konzils ablehnten, vor allem die dort formulierten Dogmen der Unfehlbarkeit und der obersten Gewalt des Papstes.

Die rund 15 000 Altkatholiken in Deutschland bilden ein Bistum mit 60 Pfarrgemeinden und sind eine selbständige katholische Kirche innerhalb der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Bischofssitz ist Bonn.

Die sehr der Ökumene zugewandte Kirche ist Träger kirchlicher Urnen-Friedhöfe (Kolumbarien) und FriedWald-Standorte, die für Menschen mit und ohne Konfession zur letzten Ruhestätte werden.

Quelle: www.alt-katholisch.de

Halberstadt l Ein großer halbrunder Bau, kleine Fenster mit buntem Glas. Im Eingang eine Wandgestaltung mit Moos und Baumscheiben. Es ist kühl und ruhig. Susann Pflock steht an der Glastür, begrüßt die ersten Gäste. Seit dem 13. Mai betreibt die Halberstädter Bestatterin das erste und bislang einzige Kolumbarium Sachsen-Anhalts. „Träger ist die Alt-Katholische Kirche Deutschlands, wir sind nur die Betreiber“, berichtet sie.

Das Wort Kolumbarium stammt aus dem Italienischen und bedeutet Taubenschlag. Finden sich in diesem doch auch viele kleinen Nischen nebeneinander, so wie hier in dem Neubau. Allerdings sind diese Nischen nicht gemauert, sondern aus Holz.

Öffentlich zugänglich

Wie große Schränke, bilden die Urnenwände kleine eigene Abteilungen. „Das sind unsere Höfe, ähnlich wie den Parks auf dem Friedhof“, erklärt die Auszubildende Sarah Bed­shanjan. Sie führt gerade einige Besucher durch das klimatisierte und barrierefreie Gebäude, hinter dem es einen kleinen Garten der Erinnerung gibt. Mit einem Kranzablageplatz, ähnlich wie bei anonymen Urnenfeldern auf kommunalen Friedhöfen.

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Doch gerade diesem Trend zur anonymen Bestattung etwas entgegenzusetzen, sei nicht nur Anliegen des Trägers, sondern auch ihres, sagt Bestattermeisterin Pflock. Und fügt zugleich an, dass das Kolumbarium von allen Bestattungsunternehmen genutzt werden kann. Auch Kirchenzugehörigkeiten spielen hier keine Rolle. Diese neue Form der Bestattung ist zugänglich für jedermann.

Wahlmöglichkeiten

Und das im Wortsinn. Von 8 bis 18 Uhr kann, wie auf einem normalen Friedhof, die letzte Ruhestätte eines Angehörigen besucht werden. Die Hinterbliebenen haben sogar die Möglichkeit, bis 22 Uhr zu kommen, ein Zahlencode ermöglicht ihnen den Zutritt auch nach 18 Uhr.

In dem großen, erst zur Hälfte mit Nischen versehenen Raum, gibt es wie auf einem regulären Friedhof die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Formen der Bestattung zu wählen. Entweder man entscheidet sich für ein Reihengrab, bei dem die Urnen der Reihe nach und durch eine vorgeblendete Holzplatte unsichtbar in einer Wand verborgen sind. Es gibt Wahlgräber als Einzel- oder Doppelvariante, die meist den Blick auf die Urne gestatten, weil sie hinter Glas stehen. Auf den Scheiben sind, wie auf den Holzplatten der kleinen Nischen, Namen und Daten der Verstorbenen zu finden.

Persönliche Dnge

Die größeren Nischen lassen Raum für eine individuelle Gestaltung. „Neben der Urne können hier kleine persönliche Dinge mitgegeben werden“, erklärt Susann Pflock. So finden sich beispielsweise in bereits besetzten Gräbern Schmuckstücke, Fotos, sogar eine Brille. Manche Angehörige nutzen das Angebot eines kleinen Holzbrettchens vor der Nische, um dort Blumen abzulegen.

Es sei eine kostengünstige und dennoch individuelle, würdevolle Bestattungsvariante, ist Pflock überzeugt. Streitigkeiten mit dem städtischen Friedhof hatten die Unternehmerin bewogen, sich nach Alternativen umzusehen. Durch Zufall, erzählt sie, sei sie bei einem Treffen des Bundesverbandes der Bestatter auf die Kolumbarien aufmerksam gemacht worden. Kollegen hatten von ihren Erfahrungen mit den Urnenhäusern in Trägerschaft der Alt-Katholischen Kirche berichtet.

Für 15 Jahre gepachtet

Also nahm sie Kontakt zum Bistum auf. „Wir sind von der Kirche geprüft worden, bekamen Besuch, mussten alle Zahlen offenlegen. Schließlich werden die Grabstellen für 15 Jahre gepachtet, mit der Option der Verlängerung. Da muss man gut wirtschaften.“ Nach dem positiven Signal aus Bonn begann die Umsetzung der Idee. Pflock stellte beim Landkreis Harz die Bauvoranfrage, die zügig beantwortet wurde, erwarb ein Nachbargrundstück an der Gröperstraße, beauftragte einen Architekten mit der Planung.

Die Bauarbeiten gingen trotz der Corona-Einschränkungen gut vonstatten. Nur bei der Inneneinrichtung kam es zu einer kleinen Verzögerung. „Die Lampen im Eingangsbereich hatte ich in Italien bestellt, die waren zur Einsegnung am 13. Mai leider noch nicht da“, berichtet sie. Aber das konnte sie gut aushalten. In dem am 1. Juli 1990 gegründeten Familienunternehmen, das erste private Bestattungsunternehmen in Halberstadt nach der Wende, waren schon andere Schwierigkeiten gemeistert worden.

Susann Pflock gibt auch Auskunft auf die Frage, was nach der Liegezeit mit den Urnen im Kolumbarium geschieht: Wie bei Metallurnen im Erdreich, werden sie nach Ende der Liegezeit in ein Sammelgrab auf dem Stadtfriedhof umgebettet.