Halberstadt l Feuertragödie in Halberstadt: Am Freitagabend ist in einem Haus mit Wohnungen für betreutes Wohnen in der Heinrich-Julius-Straße 5 in Halberstadt ein verheerender Brand ausgebrochen. Die Bilanz: Ein 70 Jahre alter Mann, dem die Retter nicht mehr helfen konnten, 15 Verletzte, die teilweise in Kliniken gebracht werden mussten, eine total ausgebrannte Wohnung und zahlreiche unbewohnbare Quartiere. Dazu eine personelle Kraft- und Materialschlacht für die Retter, die fast 60 zuweilen bettlägerige Personen in einem zweistündigen Einsatz evakuieren und dabei gegen die akute und tödlich-gefährliche Verqualmung im Gebäude ankämpfen mussten. Allein die Feuerwehren waren mit 130 Kameraden im Einsatz. Seitens der Leitstelle wurde Großalarm ausgelöst.

Brand zündet voll durch

Das Feuer war nach Angaben von Polizei und Feuerwehr gegen 18.35 Uhr in der Wohnung einer 88 Jahre alten Seniorin in der dritten Etage ausgebrochen. Der Qualm habe sich in Windeseile im Haus ausgebreitet und für die zuweilen körperlich stark gehandicapten Menschen eine akute Gefahr dargestellt, so Einsatzleiter Bodo Fuckert und Wehrsprecher Lars Hartmann. Als die ersten Einsatzkräfte der hauptamtlichen Wachbereitschaft am Einsatzort eintrafen, habe das Feuer in der betreffenden Wohnung gerade voll durchgezündet. Drei Löschrohre kamen zum Einsatz - einmal von außen über die Drehleiter, zwei weitere innen übers Treppenhaus.

Akute Rauchgasgefahr

Zuvor konzentrierten sich die Einsatzkräfte auf die Rettung der Bewohner. Sie wurden in rauchfreie Räume und Flure gebracht und dort im Zusammenwirken mit dem Rettungsdienst betreut. "Wir mussten parallel zur Brandbekämpfung die Rauchausbreitung genau erfassen und die Menschen schnellstmöglich in Sicherheit bringen, um sie vor der Gefahr einer akuten Rauchgasvergiftung zu schützen", so Einsatzleiter Fuckert. 

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23 Personen aufwändig evakuiert

Letztlich mussten nach Polizeiangaben 23 Menschen evakuiert werden. Was zu einem extrem schwierigen Unterfangen wurde, wie Wehrsprecher Lars Hartmann sagt. Teilweise hätten die schwerhörigen Menschen das Klopfen an den Wohnungstüren nicht wahrgenommen. "Wir mussten zahlreiche Wohnungen, bei denen nicht klar war, ob sich darin jemand aufhält, gewaltsam öffnen und teilweise bettlägerige Menschen evakuieren", so Hartmann. Dies sei sei sowohl körperlich als auch zeitlich extrem aufwändig gewesen. Laut Polizei leben in dem Haus für betreutes Wohnen insgesamt 58 Menschen, der älteste Bewohner des Hauses ist 101 Jahre alt. 

70-Jähriger stirbt trotz Reanimation

Letztlich wurden 15 Personen verletzt. Acht mussten stationär in den drei Kliniken des Harzkreises aufgenommen werden, sieben weitere wurden ambulant behandelt, hieß es am Abend. Besonders tragisch: Ein 70 Jahre alter Mann, der in der obersten Etage des sechsgeschossigen Gebäudes lebte, kollabierte während der Evakuierung. Während der laufenden Evakuierung der anderen Bewohner wurde fieberhaft versucht, ihn wiederzubeleben. Trotz allen Einsatzes starb er noch vor Ort. Die genaue Todeursache ist bislang unklar. Der Tod könnte Folge der Rauchgasintoxikation sein. Möglich ist aber auch Kreislaufversagen, der Mann soll nach Informationen der Volksstimme unter Kreislaufproblemen gelitten haben.

Leitstelle ruft Großalarm aus

Die Leitstelle rief nach dem Eingang des Notrufs das Szenario des sogenannten Massenanfalls von Verletzten aus und beorderte ein Großaufgebot von Rettern an die Unglücksstelle. 30 Mitarbeiter des Rettungsdienstes aus dem gesamten Harzkreis waren vor Ort, dazu drei Notärzte, sechs Rettungswagen, der Leitende Notarzt und der Organisatorische Leiter des Rettungsdienstes. Ferner Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse und das Team der Schnellen Einsatzgruppe (SEG) aus Thale. Die Lösch- und Rettungsarbeiten wurden durch die Kälte extrem erschwert. Positiver Aspekt und ein klares Zeichen der Hilfsbereitschaft: Anwohner aus der Nachbarschaft gafften nicht, sondern versorgten die Einsatzkräfte mit Tee und Kaffee und Zuspruch.

Ermittlungen zur Brandursache laufen

Nach Abschluss der Löscharbeiten begann die Polizei mit ihren Ermittlungen. Die Brandursache sei bislang völlig unklar, hieß es. Sicher scheint lediglich, dass die Tragödie ganz offensichtlich in der Woihnung einer 88-Jährigen ihren Ursprung nahm. Die Polizei hat diese Wohnung beschlagnahmt und versiegelt. Die weiteren Ermittlungen zur Brandursache sollen nach Angaben eines Polizeisprechers am Montag aufgenommen werden. Zuvor müssten die betroffenen Bereiche des Hauses gelüftet werden, um ein gefahrloses Arbeiten zu ermöglichen. Die Feuerwehr beorderte sicherheitshalber in der Nacht zum Samstag eine Brandwache an die Unglücksstelle.

Einsatzleiter lobt gutes Zusammenspiel

Neben Polizei und Rettungsdienst war vor allem die Feuerwehr mit einem Großaufgebot vor Ort. Einsatzleiter Fuckert beorderte alle Wehren aus dem Halberstädter Stadtgebiet zum Einsatz. Außerdem zur Unterstützung die Kameraden aus Harsleben und Wegeleben. "Dies vor allem, um genügend Atemschutzgeräteträger vor Ort zu haben, um die Evakuierung unverzüglich zu realisieren", so Fuckert. Letztlich waren 130 Kameraden vor Ort. Hinzu kamen Verantwortliche der Wohnungsgesellschaft HaWoGe, nach Informationen der Volksstimme der Eigentümer des Hauses. Auch Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) war vor Ort. Als Einsatzleiter lobte Bodo Fuckert ausdrücklich das Zusammenwirken aller Retter und Helfer sowie der Polizei.

Nach dem Einsatz, der vor Ort auch Mitternacht noch nicht abgeschlossen war, sind fünf Wohnungen wegen der Flammen sowie wegen Rußes und Löschwassereinsatzes unbewohnbar. Zwei betroffene Bewohner kamen zunächst in Pflegeheimen unter, fünf weitere Personen bei Angehörigen.