Osterwieck l Wer in diesem Jahr über den Osterwiecker Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz gegangen ist, der hat sie bereits entdeckt: Figuren aus Holz, die bekannte Märchen und Weihnachtsgeschichten darstellen. Die Märchenfiguren sind innerhalb eines weiteren Projektes der Stadt Ostwerwieck und dem in Halberstadt ansässigen Bildungsinstitut AFU entstanden.

Schon in der Vergangenheit wurden von der Halberstädter Einrichtung Modelle, Figuren und Ausstellungsgegenstände für die Fachwerkstadt gefertigt. So auch die Miniaturen der Fachwerkhäuser aus der Mittelstraße, das Thesentor zum Reformationsfest und die aktuell entstehenden Plastiken historischer Persönlichkeiten, die in Zukunft die Altstadt und andere Orte der Einheitsgemeinde schmücken werden.

Die Märchenfiguren sind dagegen speziell angefertigt worden, um sie auf Märkten und Kinderfesten der Region aufzustellen. So stehen sie auch Kindereinrichtungen der Einheitsgemeinde zur Verfügung, erklärte Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko).

Zum diesjährigen Osterwiecker Weihnachtsmarkt wurden die Figuren erstmals genutzt und offiziell übergeben. Stadtratsvorsitzender Dirk Heinemann (SPD) bedankte sich bei dem Geschäftsführer der AFU GmbH Bernd Bayer. „Es ist gut, dass die Halberstädter Einrichtung mit solchen Projekten Menschen hilft, die es schwerer auf dem Arbeitsmarkt haben als andere“, sagte Heinemann.

13 Märchenfiguren

Genauer genommen war es eine Gemeinschaftsarbeit von Teilnehmern aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die die insgesamt 13 Märchenfiguren und 20 Holzbäume kreiert haben. „Die Teilnehmer des Projektes können stolz auf das Resultat sein, denn keiner von ihnen hatte vorher in einem vergleichbaren Handwerk gearbeitet“, berichtete Bernd Bayer, der als jetziger Chef der AFU vor kurzer Zeit Reinhard Theml abgelöst hat.

So haben sich die Frauen und Männer mit der Arbeit vertraut gemacht und sich in Teamarbeit ergänzt. „Die Männer haben die Holzvorlagen geschaffen und passend gesägt, die Frauen waren bei der Bemalung kreativ“, berichtete Bayer weiter. Besonders aufwändig sei schließlich neben der Malerei noch die Versieglung des Holzes und der Stämme mit einer passenden Lasur gewesen. Insgesamt dauerte die Arbeit mehrere Monate.

Nun liege in der AFU GmbH aber wieder der Fokus auf dem Anfertigen der lebensgroßen Figuren historischer Personen, die mit Osterwieck in Verbindung stehen. Der russische Zar Peter I. (1672-1725) fand im Rahmen dieses Projekts bereits im September seinen Platz vor dem Bunten Hof in Osterwieck. Die zweite Figur des aufsässigen Osterwiecker Bürgers Schmalian, der 1614 zum Tode verurteilt wurde, ist bereits fertig gestaltet und kann Anfang des kommenden Jahres in der Neukirchenstraße aufgestellt werden. Auch das Anbringen der Beschriftungstafeln für die beiden ersten Figuren folgt im kommenden Jahr. Tosca Merdian hat die bisherigen Figuren geschaffen.

Ehemaliger Bürgermeister

Innerhalb des Projektzeitraumes sollen nun noch 13 weitere folgen. Derzeit arbeitet Merdian schon an der dritten Figur. Sie soll den ehemaligen Osterwiecker Bürgermeister Michael Steggeler zeigen, der 1533 an seinem Fachwerkhaus im Hagen 24 die erste reformatorische Inschrift anbrachte. „Die Schwierigkeit bei dieser Figur besteht darin, dass es kein Gemälde oder eine Skizze von dem ehemaligen Bürgermeister als Vorlage gibt“, berichtete Bernd Bayer. „Denn er war nicht in diesem Maße berühmt, dass er sich hat abbilden lassen.“ So orientiere man sich in der AFU nun an ein bis zwei Bildern, die vergleichbare Personen dieser Zeit zeigen. In wenigen Monaten wird so auch diese Figur fertig gestellt und in der Altstadt von Osterwieck zu bestaunen sein.