Halberstadt l Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) hat am gestrigen Montag offiziell den Startschuss für die Aufwertung des Breiten Weges gegeben. Im ersten Schritt erstellt in den kommenden 12 Monaten die CIMA Beratung+Management GmbH München ein integriertes Entwicklungskonzept, um den Breiten Weg fit für die Zukunft zu machen. Inbegriffen ist die etwa 700 Meter lange komplette Fußgängerzone vom Fischmarkt bis zum Breiten Tor.

Die CIMA hat sich auf Stadtentwicklung, Marketing, Wirtschaftsförderung, Immobilien und Tourismus spezialisiert. Das Unternehmen unterhält in Deutschland acht und in Österreich eine Niederlassung und hat 80 Mitarbeiter. Laut Uwe Mantik, der die Niederlassung Lübeck leitet und mit der Führung des vierköpfigen Teams für Halberstadt beauftragt wurde, hat CIMA seit 1988 deutschlandweit über 4000 Projekte betreut.

Papiertiger werden Beine gemacht

Mit dem Breiten Weg haben die Entwicklungsprofis eine harte Nuss zu knacken. Über 20 Jahre hat der Bereich im Dornröschen­schlaf gelegen. Stadtentwicklung ist an der Einkaufsmeile im Herzen ­Halberstadts fast spurlos vorübergegangen. Das Resultat ist verheerend: der Aufenthaltswert liegt am Boden, das Areal hat ein schlechtes Image, die Fußgängerzone wirkt nicht nur ausgestorben, sie ist es meist auch. Damit soll Schluss sein, ist erklärtes Ziel der Stadt Halberstadt. Der Stadtrat hat dafür im Dezember 2017 bereits einstimmig die Weichen gestellt. „Die Aufwertung des Breiten Weges war bisher ein geduldiger Papiertiger. Das ändert sich jetzt“, unterstreicht Oberbürgermeister Andreas Henke.

„Um einen nachhaltigen Aufwertungsprozess in Gang zu setzen, ist ein mehrschichtiges Verfahren vorgesehen“, informiert Uwe Mantik. Im Mittelpunkt würde die Beteiligung aller relevanten Akteure stehen. Bedeutet, der Plan für eine hoffentlich attraktive ­Zukunft des Breiten Weges, der dann viele Menschen aus nah und fern anlockt, soll nicht im stillen Kämmerlein hinter verschlossenen Türen gestrickt werden. Ganz im Gegenteil. Mit einbringen sollen sich Eigentümer, Händler, Dienstleister, Anwohner und alle interessierten Halberstädter. „Jeder soll sich angesprochen fühlen, seine Vorstellungen zur ­künftigen Gestaltung des Breiten Weges mit ins Konzept einzubringen“, betont Uwe Mantik. Dann muss geklärt werden, was davon wirtschaftlich tragfähig und umsetzbar ist.

In einem ersten Schritt sollen zahlreiche Fragen geklärt werden. So zum Beispiel: Welche Nutzungen sind vorhanden und in welcher Qualität? Was ist marktseitig noch möglich? Es folgen Gespräche mit Eigentümern und Anliegern. Sind diese wichtigen Informationen verarbeitet, startet die Beteiligung der breiten ­Öffentlichkeit. „Für Ende April/Anfang Mai wird ein Bürgerspaziergang mit allen Interessierten vorbereitet. Bürgerversammlungen finden natürlich ebenfalls statt“, sagt Thomas Rimpler, Fachbereichsleiter Stadtplanung der Stadtverwaltung.

Junge Generation soll mit planen

Wichtiger Bestandteil der Arbeit des CIMA-Teams sei die Einbindung von Kindern und Jugendlichen. „Das ist die Generation, die mit dem Ergebnis unserer Arbeit in Zukunft leben muss und die man mit Bürgerversammlungen nicht erreicht,“ so Uwe Mantik. Eine Halberstädter Schule, deren Namen er noch nicht nennen möchte, will am Konzept mitarbeiten.

Liegt das Entwicklungskonzept vor, soll laut Fahrplan in den Jahren 2020 und 2021 die Umgestaltung des Breiten Weges beginnen, bekräftigt ­Andreas Henke. Derzeit wird von einem Investitionsbedarf von 1,2 Millionen Euro ausgegangen. 700.000 Euro will die Kreisstadt über Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau/Aufwertung beantragen und 350.000 Euro an Eigenmitteln beisteuern.

„Diese Zahlen, die im ­Finanzplan der Stadt stehen, sind allerdings noch nicht konkret unterstetzt. Wir wissen ja nicht, was bei der Planung raus kommt“, sagt Thomas Rimpler. Es könne daher auch sein, dass zwei oder drei ­Millionen Euro benötigt werden.