Halberstadt l Bei diesem Anblick ist die Wartezeit an der roten Ampel nur noch halb so nervig: Ein Meer aus Blumen in leuchtenden Farben und verschiedenen Größen reckt sich der Sonne entgegen. Schmetterlinge lassen sich darauf nieder, das Surren der Insekten dringt durch die geöffnete Autoscheibe. „Die Ecke Sternenstraße/Westendorf ist ein Beispiel für eine gelungene Blühwiese“, sagt Roswitha Hutfilz.

Nicht das einzige, worauf die Verwaltungsmitarbeiterin stolz ist: Halberstadts Stadtgrün, das in ihre Zuständigkeit fällt, ist ab sofort preisgekrönt. Die Stadt wird für ihren Beitrag „nachhaltig.mitmachen – Bürgerengagement für mehr Nachhaltigkeit“ vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat mit einer Anerkennung ausgezeichnet, in der Kategorie „Gemanagt“. „Anerkennung klingt immer so klein. Aber angesichts der Teilnehmerzahl ist das etwas, worauf wir richtig stolz sein dürfen“, betont Roswitha Hutfilz.

Neben dem Titel darf sich die Stadt über ein Preisgeld freuen: 5000 Euro. Das soll in das Stadtgrün investiert werden, so Hutfilz. Sie habe mehrere Ideen, die sie in einer der kommenden Dienstberatungen vorstellen wolle. Und sie hat noch ein wenig Zeit, an Ideen zu feilen. Die Preisverleihung findet erst am Freitag, 2. Oktober, in Berlin statt. Damit beim Festakt die anderen Teilnehmer sehen können, wofür Halberstadt ausgezeichnet wird, setzt in dieser Woche ein Fotograf das, womit sich die Stadt beworben hat, in Szene, verrät Roswitha Hutfilz. Zu diesen Themen gehören neben den Blühwiesen auch die Bürgergärten in der Altstadt, die Kräuterbeete im Breiten Weg und die Aktion des Monats unter dem Motto „Lernen durch Tun“.

Gartenbesitzer, Vereine und Schulen helfen

Bei all diesen Aktionen werde nicht nur die Stadtverwaltung aktiv. Anlieger öffentlicher Grünflächen, Gartenbesitzer, Vereinsmitglieder, Schulklassen, Bürgerinitiativen und auch Betriebe werden mit eingebunden oder sind sogar selbst Ideengeber. „Das zeigt die große Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt, dass sie sich so vielfältig einbringen“, sagt Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke). Stadtgrün sei ein Thema, dass ihm sehr wichtig ist. „Das Grün steht für Lebens- und Aufenthaltsqualität, für Besucher wie für Touristen.“

Der Titel „nachhaltig.mitmachen“ ist erst Ende 2019 entstanden, berichtet Roswitha Hutfilz, „aber die Aktivitäten reichen weiter zurück. Wir haben einzelne Aktionen unter dem Titel gebündelt.“ Als Startschuss könne das Projekt „Bürgergärten“ 2014 angesehen werden. Damals wurde der Wunsch der Bürger lauter, mehr Grün in die eng bebaute Altstadt zu bringen. An den Planungen dafür konnten sie sich beteiligen. So entstanden kleine Parzellen, die privat gepflegt werden und das Umfeld aufwerten, wie Hutfilz erinnert. „Ebenfalls auf Initiative der Bürger entstanden die Kräuterbeete mitten im Stadtzentrum, die seither mit mehr als 40 Arten essbarer Pflanzen unser Stadtgrün bereichern.“

Um die Pflege dieser Beete kümmern sich Bürger und städtische Gärtner gemeinsam. Nicht die einzige Möglichkeit für Halberstädter, den Profis bei der Arbeit über die Schulter zu schauen: Sie sind zur Aktion des Monats eingeladen. Vor Ort erhalten sie eine theoretische Einführung zu unterschiedlichen Themen und sollen dann selbst aktiv werden. „Das auf diese Weise gewonnene Wissen soll motivieren, auf dem eigenen Grundstück aktiv zu werden“, erläutert Roswitha Hutfilz und nennt als Beispiel die Veranstaltung zum Spalierobstschnitt, die im März stattfand. „Viele trauen sich da nicht heran, aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist es gar kein Hexenwerk.“ Von den kleinen Pflanzen, die zum Beispiel an Gittern vor Häuserwänden ranken, profitieren nicht nur die Besitzer, indem sie frische Äpfel und Pflaumen ernten. Die Bäumchen werten das Stadtbild auf, ist sie sicher.