Halberstadt l Das Cecilienstift Halberstadt ist für viele Einwohner des Harzkreises ein wichtiger Partner, wenn es um die Betreuung von Senioren, die Behindertenhilfe, die Kinderbetreuung in Tagesstätten und die Frühförderung geht. In Halberstadt rangiert das Unternehmen mittlerweile hinter dem Ameos-Klinikum als zweitgrößter Arbeitgeber. Von landes- und sogar bundesweiter Bedeutung ist das zum Stift gehörende Cochlear-Implant-Rehabilitationscentrum (CIR), wo Gehörlose mithilfe einer ­Innenohrprothese wieder hören lernen.

448 Beschäftigte stehen im Cecilienstift in Lohn und Brot, informierte Vorstand und Verwaltungsdirektor Holger Thiele während eines Pressegespräch. „Ein für die Kreisstadt wichtiger wirtschaftlicher Aspekt.“ Die gute Beschäftigungslage ist ein Indiz dafür, dass die Einrichtungen des Stifts überwiegend gut ausgelastet sind, betont Holger Thiele. Die Frauenquote, an der viele Unternehmen zu knabbern haben, ist im ­Cecilienstift bei stolzen 80 Prozent kein ­Thema.

Ein wichtiges Thema sei hingegen der Berufsnachwuchs. „Wir legen großen Wert auf die Ausbildung“, sagt Thiele. 14 junge Menschen befinden sich derzeit unter anderem in der Ausbildung zum Altenpfleger beziehungsweise Heilerziehungspfleger.

Allerdings sei es schwierig geworden, geeignete Azubis zu finden, berichtet der Vorstand. Die Zahl der Bewerber sei rückläufig und deren Qualität ebenfalls. Um diese Lücken aufzufüllen, sind die Freiwilligendienstleistenden wichtig. Derzeit leisten 14 Menschen im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) oder des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) eine „wichtige und ehrenvolle Arbeit in den Einrichtungen des Cecilienstifts“. „Für 2017 suchen wir noch geeignete Leute für das FSJ oder den BFD. Natürlich auch Azubis.“

Praktika als Chance für Berufseinstieg

Als Fenster in eine mögliche berufliche Zukunft in einer der Einrichtungen sieht Holger Thiele Praktika. Allein 2016 gab das Stift 84 Praktikantinnen und Praktikanten die Möglichkeit, sich für ihre Berufswahl zu ­orientieren und praktische Erfahrungen zu sammeln.

Wichtige Weichen werden in diesem Jahr im Cecilienstift gestellt. So unter anderem für das millionenschwere Invest-Projekt „Ambulant Betreute Wohngemeinschaften“. Dabei handelt es sich um einen separaten, zweigeschossigen Neubau, der auf dem Gelände des Seniorenzentrums Nord, Hinter der Bleiche, entsteht, informiert Thiele. Geplanter Baubeginn sei im April.

Aktuell laufen die Ausschreibungen der einzelnen Baugewerke. „Wir hoffen sehr, dass die Ausschreibungsergebnisse die Umsetzung des anspruchsvollen Projektes im geplanten Rahmen ermöglichen.“ Die Investitionshöhe beträgt laut Vorstand etwa 2,1 Millionen Euro.

Gemeinsam kochen und essen

Es sind zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften für jeweils zehn Bewohner – im Erdge- und im Obergeschoss des Neubaus – geplant. Die Bewohner haben jeweils ihre eigene Wohneinheit mit Wohn- und Schlafraum sowie kleinem Bad. Sie können darüber hinaus über großzügige Gemeinschaftsräume – unter anderem zum gemeinsamen Kochen und Essen, für gemütliche Runden – verfügen. „Davon lebt das Konzept“, so Holger Thiele.

Investitionsbedarf gebe es zudem im Cochlear-Implant-Rehabilitationszentrum. Dessen Arbeit begann 1990 mit zehn Plätzen. Vor dreieinhalb Jahren gab es bereits eine Kapazitätserweiterung auf 14 Plätze. Mittlerweile gebe es aber Spitzenwerte von 22 Rehabilitanden pro Tag – bei nur 14 Betten im Haus, informiert Holger Thiele. Daher arbeite man an Plänen für eine erneute Erweiterung. Baubeginn soll 2018 sein.