Halberstadt l Keine Christvespern zu Heiligabend in Halberstadt. Und auch kein Open-Air-Gottesdienst auf dem Domplatz am 24. Dezember. Diese Entscheidung ist niemandem leicht gefallen, das sagt nicht nur Joachim Schiemann, Vorsitzender des Presbyteriums der Halberstädter Liebfrauengemeinde. Auch Dompfarrer Torsten Göhler, Liebfrauen-Pfarrerin Elfi Runkel und Constantin Schnee ist anzuhören, wie sehr sie gerungen haben mit diesem Entschluss.

„Wir sagen ja nicht alles ab“, betont Superintendent Jürgen Schilling, „wir sind da für die Menschen, feiern auch Gottesdienste“. Grundsätzlich sind die nämlich weiterhin erlaubt, auch unter den Pandemie-Beschränkungen. „Jede Kirchengemeinde entscheidet für sich, denn jede Gemeinde kann selbst überblicken, wie groß der Andrang sein wird, ob die vorliegenden Hygienekonzepte die gemeinsame Gottesdienstfeier drinnen oder draußen abdecken. Neu ist allerdings, dass sich jeder, der Heiligabend einen Gottesdienst besuchen möchte, zuvor beim Pfarramt anmelden muss. Aber wie gesagt, jede Kirchgemeinde entscheidet eigenständig.“

Gute Konzepte, doch Bedenken überwiegen

Das Hygienekonzept der Halberstädter evangelischen Gemeinden sei auch hervorragend gewesen, sagt der Superintendent, aber er kann die Absagen nachvollziehen. Die Genehmigungen durch Land und Kommune lagen vor, aber die Bedenken überwogen schließlich doch, wie Joachim Schiemann berichtet. „Es gab auch mehr und mehr Stimmen aus den Gemeinden, ob wir das wirklich tun sollten, dreimal 500 Leute auf dem Domplatz zu versammeln, wo privat so strikte Beschränkungen gelten.“

Dass das Hygiene-Schutzkonzept sehr gut war, auch für die Gottesdienste unter freiem Himmel, sieht auch Dompfarrer Torten Göhler so. Und dass die Menschen sich sehr darauf gefreut hatten, zeigte sich an der großen Nachfrage nach den Eintrittskarten, die für jeden der drei geplanten Domplatz-Gottesdienste ausgegeben worden waren.

Die Organisatoren hatten sich angesichts der steigenden Fallzahlen an Corona-Erkrankungen in der Region schon vor einigen Tagen dazu entschlossen, nur 500 statt 700 möglicher Karten je Gottesdienst auszugeben. „Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens wäre eine Christvesper mit bis zu 500 Menschen auf dem Domplatz ein falsches Signal. Wir sind gebeten, Kontakte zu reduzieren, deshalb hätte ich ein schlechtes Gefühl, wenn wir in dieser Größenordnung zusammengekommen wären“, erklärt der Dompfarrer die Beweggründe für die Absage.

Kirchen werden ohne Gottesdienst geöffnet

Doch nicht nur die Karten für die Christvesper unter freiem Himmel auf dem Dom­platz verlieren ihre Gültigkeit. Auch der Open-Air-Gottesdienst am Halberstädter Bahnhof findet nicht statt. Ebenso abgesagt sind die für den 24. Dezember geplanten Christvespern in der Martini-, Johannis- und Moritzkirche sowie in Langenstein, Wehrstedt, Klein Quenstedt, Ströbeck, Aspen­stedt, Athenstedt, Danstedt und Sargstedt.

Dafür werden die Kirchen der Stadt geöffnet sein. „Im Gebet verbinden wir uns mit allen, die besonders betroffen sind“, sagt Elfi Runkel. Die Pfarrerin der Liebfrauengemeinde legt Wert darauf, dass Kirche gerade in solchen Zeiten für Zuspruch, Seelsorge und Trost da ist. Ein Anliegen, dass alle Verantwortlichen teilen. So ist auch Torsten Göhler froh über das Konzept mit den offenen Kirchen.

Dom, Liebfrauen- und Johanniskirche sind am 24. Dezember von 15 bis 19 Uhr offen, Moritzkirche sowie die Kirchen in Wehrstedt und Sargstedt stehen von 15 bis 17 Uhr offen, die Martinikirche von 22 bis 23 Uhr. Aus allen Kirchen kann das Friedenslicht aus Bethlehem mitgenommen werden.

Seit zehn Jahren zum ersten Mal frei

Das ist auch schon in der Ökumenischen Bahnhofsmission eingetroffen, wie Constantin Schnee berichtet. Der Leiter der Bahnhofsmission in Halberstadt ist einerseits traurig über die Absage. „Der Heiligabendgottesdienst im Bahnhof ist für viele Menschen ein ganz wichtiger Ort und das seit Jahren“, sagt er. Andererseits gibt es dennoch Möglichkeiten, den Menschen auf andere Weise nahe zu sein. „Wir haben bereits Ideen, wie das am besten gehen kann.“

Die Zeit, die nun nicht in die Vorbereitung des Gottesdienstes gesteckt werden muss, wolle man nutzen, um den Stammgästen der Einrichtung und für die Diensthabenden am Bahnhof ein ganz persönliches Angebot zu unterbreiten. „Wir werden an allen Tagen offen die Bahnhofmission öffnen“, kündigt Schnee an, der durch die Absage erstmals seit zehn Jahren Heiligabend zuhause sein kann.

Gottesdienste zu den Festtagen

Mit ihrer Absage der Christvespern stehen die Halberstädter nicht allein. In Wernigerode sind die Freiluft-Gottesdienste für Heiligabend schon vor Tagen abgesagt worden, am Mittwoch, 16. Dezember, fiel diese Entscheidung auch für Kroppenstedt. Die Feiertagsgottesdienste sollen stattfinden, die sind erfahrungsgemäß nicht so stark besucht wie die Christvespern. „Hier gelten die Hygiene-Schutzkonzepte, die wir ja schon seit Wochen umsetzen“, sagt Dompfarrer Göhler.