Halberstadt l Seinen Optimismus hat sich Chris Schöne bewahrt. „Es wird immer weiter gehen“, sagt der Geschäftsführer des Halberstädter Restaurants „Am Sommerbad“. Doch die nächsten Wochen und Monate werden für den Gastronom und seine Berufskollegen nicht einfach.

Die Ausbreitung des Corona-Virus habe er von Beginn an verfolgt – auch schon, als lediglich aus China Infektionen vermeldet wurden. Als die ersten Erkrankungen aus europäischen Ländern bekannt wurden, habe die zunehmend besorgte Frage im Raum gestanden, wie es nun weitergehen werde. Auch bei den Gästen im „Sommerbad“ sei die Ausbreitung des Corona-Virus verstärkt Thema gewesen, berichtet Chris Schöne.

Doch spätestens mit der Absage der Haus-der-Jugend-Party seien die Einbrüche gekommen. Bereits gebuchte Übernachtungen wurden storniert. Am Freitag habe er Absagen von 400 Gästen entgegengenommen, so der 38-jährige Chef des Restaurants, das häufig für Familienfeiern gebucht wird. Oft würden zu solchen Anlässen Gäste aus mehreren Bundesländern zusammenkommen, weiß Schöne. Doch wenn davon mehrere Personen in Risikogebieten leben, werde die Feier eben abgesagt.

Dass Tagesgäste in dieser Situation auf Restaurant-Besuche verzichten, sei nicht eindeutig belegbar, der Rückgang jedoch offensichtlich. Auch beim Umsatz. Allein in den vergangenen zwei Wochen sei dieser „um einige zehntausend Euro zurück gegangen“.

Aus Gesprächen mit Inhabern anderer Hotels und Gaststätten in Halberstadt weiß Chris Schöne, dass es nicht nur ihm so geht. Da gebe es bei Kollegen schon Überlegungen, ihr Haus zunächst zu schließen.

Chris Schöne und sein Bruder Patrick wollen Anfang dieser Woche entscheiden, wie es im „Sommerbad“ weitergehen solle. Insgesamt arbeiten dort, Familienmitglieder eingeschlossen, 15 Personen. Ein Team, in dem man sich untereinander helfe, so der Chef. Das gelte auch für die Thematik der Kinderbetreuung, wenn ab dem heutigen Montag Schulen und Kitas geschlossen bleiben.

In ein bis zwei Wochen solle über die Einschränkung der Öffnungszeiten entschieden werden. Stattdessen will das Team des „Sommerbads“ jetzt einen Lieferservice anbieten. Über angebotene Speisen und Lieferdetails werde jeweils telefonisch informiert, kündigt Chris Schöne an.

Doch ungeachtet aller kreativen Lösungsansätze – die laufenden Betriebskosten blieben. Er habe deshalb bereits Gespräche mit seiner Hausbank geführt und sich bei der Agentur für Arbeit nach den Modalitäten des Kurzarbeitergeldes erkundigt.

Doch es seien ja nicht nur das Unternehmen „Sommerbad“ und seine Mitarbeiter unmittelbar betroffen, sondern auch die Lieferanten, wenn beispielsweise weniger Lebensmittel für die Speisen eingekauft würden. Kartoffeln bezieht Familie Schöne aus Ströbeck, Pilze aus Blankenburg, Blumen für die Tischdekoration aus Halberstadt, um die anfallende Wäsche kümmert sich eine Firma aus Quedlinburg. Einschränkungen habe es bereits bei Weinlieferungen gegeben. Partner für Fischlieferung sei das Unternehmen Deutsche See, doch dessen Standorte sind in ganz Deutschland verteilt. Weitere Lebensmittel würden in Goslar bestellt. „Noch liefern alle. Aber was, wenn es Einschränkungen im Lkw-Transport geben sollte?“, fragt Schöne.

Hilfe für die Unternehmen sei vom Land und vom Bund signalisiert worden, doch entscheidend seien die jeweiligen Konditionen, gibt der Gastronom zu bedenken. „Land und Bund müssen zu ihren Aussagen stehen. Und die Bedingungen dürfen nicht so gestaltet sein, dass uns eine Rückzahlung der Kredite noch nachträglich das Genick bricht“, macht der 38-jährige Gastronom, der auch auf die Hilfe der Landes- und Bundestagsabgeordneten der Region setzt, unmissverständlich klar.