Schwanebeck l Im Vorharz hat in der vergangenen Woche der Unterricht für die Schüler der vierten Klassen und – tageweise – auch für die unteren Jahrgangsstufen wieder begonnen. Für die Kinder an der Grundschule „Am Baumhof“ in Schwanebeck ist dabei in diesen Tagen noch vieles anders als sonst.

Gar nicht so einfach zum Beispiel, sich an das Einbahnsystem zu gewöhnen, das sich die Lehrer ausgedacht haben, um den Schülerstrom durch das Gebäude zu lenken. Oder zu akzeptieren, wenn der beste Freund einer anderen Lerngruppe zugeteilt ist. „Da ist auch schon die eine oder andere Träne geflossen“, erzählt Jeanette Grebe. Doch auch für die Schulleiterin und das Lehrerkollegium ist die Wiederaufnahme des Schulbetriebs eine Herausforderung.

Alle meine Entchen beim Händewaschen

So mussten Grebe und ihre Kollegen – mit nur wenig Vorlaufzeit und unter großem Aufwand – nicht nur den Präsenzunterricht und das Homeschooling organisieren, sondern auch Konzepte entwickeln, um die Sicherheit ihrer Schützlinge zu gewährleisten.

Bilder

Hier greifen sie auf das mittlerweile etablierte Repertoire an Schutzvorkehrungen zurück: Die Klassen wurden in Kleingruppen von durchschnittlich sieben bis acht Kindern unterteilt, im Klassenzimmer weisen Klebestreifen auf den Bänken auf den Abstand hin, der Schulhof ist in vier verschiedene Bereiche unterteilt. Fremde Personen und Eltern dürften das Schulgelände nicht betreten.

Jeden Tag würden gemäß dem schulinternen Hygieneplan die Oberflächen desinfiziert, ansonsten heißt es, „Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen“, sagt Jeanette Grebe. Für die Einhaltung der empfohlenen 30 Sekunden dafür würden die Kinder dabei wahlweise „Alle meine Entchen“ oder „Happy Birthday“ singen, ergänzt ihre Kollegin Romy Laubsch. Zusätzlich habe der Landkreis Masken für alle Kinder gestellt.

Die Unterrichtszeit sei momentan für alle Klassen von sechs auf fünf Stunden pro Tag reduziert, so die Leiterin Grebe. Auf dem Plan stünden Deutsch und Mathe, für die vierten Klassen außerdem Englisch. Der Sportunterricht müsse derzeit ausfallen. Während nach Auflage des Schulamts die unteren Jahrgangsstufen bis zu den Pfingstferien mindestens einmal in die Schule kommen sollen, ist Grebe hier ambitionierter. „Das ist uns zu wenig. Wir möchten, dass alle Klassen zweimal hier sind.“

Auf diese Weise könne der erste Tag genutzt werden, um in kleinen Tests zu prüfen, wie die Heimarbeit bisher funktioniert habe, so Jeanette Grebe. Am zweiten Tag würden die Klassenlehrer dann individuell an den jeweiligen Leistungsstand angepasste Aufgaben an die Schüler verteilen. „Die Bandbreite ist hier – je nach Wissensstand und häuslicher Situation – sehr groß“, sagt Jeanette Grebe.

Digitales Lernen eine Herausforderung

Die unterschiedlichen Voraussetzungen, unter denen die Schüler zuhause arbeiten müssten, zeige sich besonders deutlich im Bereich digitales Lernen, sagt Leiterin Grebe. Zwar gebe es zahlreiche abwechslungsreiche Online-Angebote – wie den Bildungsserver emuTUBE des Landes Sachsen-Anhalt – doch der Zugriff auf diese sei nicht für alle Kinder in gleichem Maße gewährleistet.

Grebe führt aus: „Viele Eltern haben nur ein Handy und vielleicht noch ein Tablet, aber keinen PC oder Drucker. Und selbst dort, wo diese Dinge vorhanden sind, kann das Kind sie nicht immer nutzen – zum Beispiel, wenn die Eltern im Homeoffice selbst am Computer arbeiten müssen.“ Auch bei den Schulcomputern sei in den ersten zwei Wochen teilweise das Netz überlastet gewesen. „Das sind völlig neue Probleme. Wir sind von einem Tag auf den anderen ins digitale Zeitalter geschubst worden“, fasst die Schulleiterin zusammen.

Um nicht nur den Schülern, sondern auch den Eltern in dieser Situation bestmöglich zur Seite zu stehen, sind Grebe und die anderen Lehrer für die Fragen der Erziehungsberechtigten ständig erreichbar. Vor allem aufgrund fehlender Stetigkeit des Unterrichts sei es für diese weiter schwer, den Alltag zu organisieren. „Wir bemühen uns nach Kräften“, sagt die Schulleiterin. Und spricht ein „dickes Lob“ an ihre Kollegen für den Zusammenhalt aus: „Wenn nicht alle so gut mitziehen würden, wäre es nicht gegangen.“

Wie es nach den Pfingstferien weitergehe, lasse sich indes noch nicht voraussagen, sagt Grebe. „Da müssen wir abwarten, wahrscheinlich wird es weiter auf eine Mischung aus Unterricht in der Schule und Lernen daheim hinauslaufen.“ Neben der Notbetreuung, in der sich gegenwärtig 25 Kinder befinden, bietet die Schule in den freien Tagen zusätzliche Übungseinheiten für Kinder mit Nachholbedarf an. „Das ist ein freiwilliges Angebot“, erklärt Grebe. „Wir schlagen es den Eltern vor, die dann selbst entscheiden können, ob sie von dieser Möglichkeit für ihre Sprößlinge Gebrauch machen wollen.“