Quedlinburg l Handhygiene und Mund-Nase-Schutz tragen – seit Corona gehört das zum Alltag. Doch so sinnvoll beides in Sachen Pandemie-Bekämpfung ist, bleibt die neue Routine nicht folgenlos: Immer wieder ist davon zu hören, dass die Hautgesundheit unter Maske, ständigem Händewaschen und Desinfektion leidet. Die Folge: Abdrücke, Hautreizungen, Pickel, trockene Stellen.

Immer häufiger wenden sich Kunden mit solchen Problemen an seine Mitarbeiter, berichtet Ulrich Grosch, Inhaber der Apotheke am Bahnhof in Halberstadt. „Um ehrlich zu sein, merke ich es selbst, wenn ich längere Zeit Maske tragen muss“, ergänzt er. „Die Haut im Gesicht ist nicht dafür vorgesehen, ständig bedeckt zu sein.“

Auch in Hautarztpraxen häufen sich Anfragen von Patienten, mit von Masken verursachten Hautproblemen, bestätigt Prof. Dr. med. Jens Ulrich, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie in Quedlinburg. Das habe er in Gesprächen mit Kollegen erfahren, die im ambulanten Bereich tätig sind. „Es hat sich schon der Begriff „Maskne – eine Kombination aus Maske und Akne – etabliert.“ Dieses Wortspiel sei aber nicht korrekt: Akne sei hormonell bedingt, die Hautprobleme, unter denen derzeit einige leiden, von äußeren Einflüssen bedingt.

Keine Chance auf Maskenbefreiung

Wer jetzt hofft, aufgrund dieser Hautprobleme ein Attest ausgestellt zu bekommen, den muss der Mediziner enttäuschen. „Eine Maskenbefreiung gibt es dafür nicht“, betont er. „Maskentragen stört uns alle und wir sind alle auf der Suche nach Gründen, sie ablegen zu können. Aber da müssen wir jetzt durch. Das Allgemeinwohl ist höher anzusiedeln als die Hautleiden einzelner.“

Jedoch, so empfiehlt er, sollte alle zwei Stunden für 15 Minuten eine Pause vom Tragen des Mund-Nase-Schutzes einlegt werden. „Der Arbeitgeber sollte dafür Sorge tragen, dass das möglich ist“, so Ulrich. Wie er erläutert, ist die Haut ein Organ, das „atmet“, Wasser und Giftstoffe ausscheidet. „Unter der Maske bildet sich ein feucht-warmes Milieu, das auf Dauer der Haut nicht zuträglich ist.“

Deshalb seien die Pausen wichtig – und die Maske regelmäßig zu wechseln. „Alle zwei Stunden“, rät der Dermatologe, der laut dem Magazin „Focus“ zu den „Top-Medizinern“ in Deutschland gehört. Weiche Stoffmasken – sofern am Arbeitsplatz erlaubt – seien angenehmer auf der Haut zu tragen. Gewaschen werden sollten sie mit einem milden Waschmittel. Auf Weichspüler und Duftstoffe sollte verzichtet werden. Zudem sind Allergiker gut beraten, wenn sie Mund-Nasen-Bedeckung ohne Gummi oder Farbstoffe wählen.

Menschen mit Akne sind anfälliger

Doch auch diejenigen, die auf all das achtgeben, sind nicht vor Hautreizungen unter der Maske gefeit. „Im Allgemeinen sind Patienten mit Vorerkrankungen betroffen“, berichtet der 60-jährige Mediziner. Wer ohnehin an Akne, Rosazea (Kupferrose), Neurodermitis oder Perioraler Dermatitis (Mundrose) leide, sei anfälliger. Ebenso wie Menschen, die zu fettiger Haut neigen und diejenigen, die es mit der Pflege ihrer Haut zu gut meinen.

In der Regel treffe Letzteres auf Frauen zu: verschiedene Cremes und Pflegemittel, Make-up und dann noch Maske – das sei einfach zu viel des Guten. „Auf unserer Haut leben unzählige Mikroben und Bakterien mit uns in einer Symbiose. Wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, können Pickel, Juckreiz oder Rötungen auftreten“, erläutert der Mediziner. „Und ehrlich: Unter einer Maske macht Make-up wenig Sinn. Es sieht ja niemand.“

Eine Einstellung, die offensichtlich viele teilen. So ist der weltweite Absatz von Lippenstift in diesem Jahr bereits um 49 Prozent eingebrochen, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Selbst diejenigen, die ihr Geld mit Schminke verdienen, verzichten aktuell lieber darauf, verrät Sybille Kallnischkies, Chefin des Wernigeröder Friseur- und Kosmetikstudios „Haargenau“. „Das Make-up landet eh nur als Abdruck in der Maske“, sagt sie.

Bei Pflege gilt: Weniger ist mehr

Über Hautprobleme nach dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes klagten bislang keine ihrer Kunden. „Die wenigsten von ihnen müssen die Maske aber auch dauerhaft am Arbeitsplatz tragen“, sagt sie. Dennoch mahnt sie, darauf zu achten, dass der Mund-Nase-Schutz immer sauber ist. Sonst werde er zur Ursache für Hautentzündungen. Insbesondere für Menschen, die schnell ins Schwitzen geraten, Frauen im Klimakterium (Wechseljahre) etwa, so die Friseurmeisterin. Sie erläutert: „Unter der Maske schwitzt man und Schweiß verursacht trockene Haut.“

Um dieser und den einhergehenden Begleiterscheinungen wie Rötungen und Juckreiz entgegenzuwirken, sei die richtige Pflege wichtig. Sie und ihr Team geben den Kunden Tipps, welche Produkte zu wem passen. „Es liegt auch an der Hauthygiene eines jeden einzelnen, ob er Probleme bekommt“, sagt Sybille Kallnischkies.

Zu welcher Pflege sollte in der Masken-Zeit gegriffen werden? „Zu dem, was man auch vorher verwendet und was sich bewährt hat“, rät Prof. Dr. Jens Ulrich. Die Produkte sollten nur sparsam verwendet werden. „Die Haut braucht Feuchtigkeit, aber nicht zu fettenden Produkten greifen.“ Zudem solle auf die Inhaltsstoffe geachtet werden. Auch hier gelte: Weniger ist mehr. Hyaluronsäure oder Ceramide seien der Hautgesundheit zuträglich.

Abhilfe aus dem Küchenschrank

Wenn dennoch Hautveränderungen auftreten sollen, empfiehlt der Dermatologe ein Produkt, das im Küchen- und nicht im Badezimmerschrank zu finden ist: schwarzer Tee. Wasser kochen, Teebeutel 20 Minuten darin ziehen lassen, abkühlen lassen und als Tinktur mit einem Wattepad auf die Haut auftragen. „Das ist billig und effektiv“, verspricht der Arzt. Auch bei Patienten der Quedlinburger Hautklinik, die 1948 gegründet wurde, käme der Aufguss zum Einsatz.

Neben der Gesichtshaut leide aktuell auch die an den Händen. Die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, oft und lange die Hände zu waschen, werde aus dermatologischer Sicht kritisch betrachtet. „Das trocknet die Haut aus und holt den Säureschutzmantel herunter“, erläutert Ulrich. „Dermatologen würden Desinfizieren dem Händewaschen vorziehen.“ Schädlich für die Hautgesundheit sei Desinfektion nicht. „Ärzte desinfizieren ihre Hände immer, vor jeder Operation, jedes Mal, wenn sie ein Patientenzimmer betreten“, gibt der Arzt zu bedenken. „Die Mittel sind extra für Hände gemacht. Sie enthalten auch pflegende Inhaltsstoffe.“ Zudem sei Eincremen, vor allem zur Nacht, ratsam, damit die Handhaut nicht austrocknet.

Aus Sicht von Ulrich Grosch ist Händewaschen dagegen unumgänglich. „Gerade jetzt, da die Fallzahlen steigen und auch Grippezeit ist, sollte sich jeder die Hände gründlich und richtig waschen“, betont der Apotheker. Dafür, dass die Haut der Hände dennoch gesund bleibt, gebe es spezielle Pflegemittel, die vor Austrocknung schützen.