Thale/Halberstadt l Das Coronavirus macht um den Harzkreis keinen Bogen. Am Donnerstag (15. Oktober) vermeldete die Kreisverwaltung drei neue Corona-Infektionsfälle. Besonders gravierend: Betroffen sei auch eine Lehrkraft der Sekundarschule Thale/Nord. Parallel zur angelaufenen Suche nach Kontaktpersonen wurde als erste konkrete Reaktion der Schulbetrieb für den Freitag abgesagt. Zudem müssen nach Angaben von Behördensprecher Manuel Slawig die Schüler der Klassenstufen fünf bis acht, in denen die Lehrkraft unterrichtet hat, in eine 14-tägige Quarantäne.

Die Entscheidung zur Schulschließung sei seitens der Schulleitung erfolgt, so Slawig weiter. Eine genaue Zahl, wie viele Schüler der besagten Klassenstufen konkret betroffen sind, konnte der Behördensprecher am Nachmittag zunächst nicht nennen.

Neben besagten Schülern, für die nunmehr etwaige Reisepläne für die Herbstferien platzen, seien auch weitere Lehrkräfte sowie Schulpersonal von der Quarantäne-Anordnung betroffen. Am Donnerstagabend sprach Manuel Slawig von rund 140 betroffenen Kontaktpersonen – sprich Schülern, Lehrern und privatem Umfeld, die man aktuell als Kontaktpersonen klassifiziert habe. Laut eigenem Internetauftritt werden an der Sekundarschule 226 Schüler von 20 Lehrern unterrichtet. Hinzu kommen acht weitere Mitarbeiter.

„Derzeit werden die Eltern durch das Gesundheitsamt informiert. Tests sind für die kommende Woche vorgesehen“, so Slawig am Donnerstagabend weiter. Die betroffene Lehrkraft zeige aktuell leichte Symptome einer Corona-Infektion.

Nähere Angaben zur Person – Mann oder Frau – wollte der Behördensprecher nicht machen. Nach Informationen der Volksstimme soll es sich um eine Lehrerin handeln. Die Frau soll auch im Thalenser Karnevalsverein aktiv sein und noch am Montag – trotz Erkältungssymptomen – an einer Vorstandssitzung teilgenommen haben. Folglich dürfte sich der Kreis weiterer Kontaktpersonen, die möglicherweise auch in Quarantäne müssen, noch ausweiten.

Auch Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU), der am 1. November als Landrat nach Halberstadt wechselt, bestätigte nur den Fall als solchen und ging nicht ins Detail. Der Fall zeige aber, wie schnell sich die Pandemie nun ausbreite. „Das Virus ist jetzt in der Gesellschaft im Harzkreis angekommen. Immer wieder sind Schulen und damit Kinder und Eltern betroffen“, so der CDU-Politiker mit Blick auf kürzliche Fälle in der Förderschule Wienrode und in der Neinstedter Stiftung.

Vor diesem Hintergrund richtete Balcerowski einen klaren Appell an die Harzer: „Es ist jetzt absolut wichtig, dass alle Hygieneregeln strikt eingehalten werden. Andernfalls legen wir das Leben im Harz lahm und riskieren zu starke wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen.“ Es gebe keinen Anlass für Panik, aber eine zwingende Notwendigkeit zur Disziplin. Zugleich warnte Balcerowski vor einer Stigmatisierung Betroffener. Schließlich infiziere sich wohl niemand bewusst mit dem Virus. Neben der Lehrkraft aus Thale gibt es laut Kreisverwaltung zwei weitere Infektionsfälle im Stadtgebiet Osterwieck sowie in der Stadt Falkenstein/Harz. In einem Fall handele es sich um einen Erntehelfer, im anderen Fall um einen Reiserückkehrer.

Für den Landkreis Harz seien damit seit Ausbruch der Pandemie im Frühjahr insgesamt 318 Corona-Infektionen gemeldet worden. Die Zahl der aktuell infizierten Personen betrage 30, so Kreisverwaltungssprecher Slawig. Seit vergangener Woche seien drei Infizierte stationär behandelt worden. „Aktuell befindet sich noch eine erkrankte Person im Krankenhaus“, so Slawig. Seit dem Frühjahr seien sechs Personen aufgrund von Covid-19-Infektionen gestorben.