Gäste der Begegnungsstätte kritisieren beim Besuch des Landtagsabgeordneten Bernhard Daldrup die Polizeireform

"Dann haben Sie aber ganz Osterwieck gegen sich"

Von Mario Heinicke

Die neue Begegnungsstätte am Osterwiecker Kälberbachsweg erhält Besuch vom Landtagsabgeordneten. CDU-Mann Bernhard Daldrup möchte sich das Haus ansehen, muss dann aber selbst viel erklären - zur geplanten Polizeireform.

Osterwieck l Etwas anders dürfte sich Bernhard Daldrup den Besuch schon vorgestellt haben. Mit Sekt nachträglich auf den Frauentag beginnt das Gespräch mit Nutzern und Mitarbeiterinnen der Begegnungsstätte.

Doch gerade hat sein Parteikollege Innenminister Holger Stahlknecht Grundzüge einer Polizeireform vorgestellt. In dem Zuge droht die Schließung der Osterwiecker Polizeistation, der ältesten in Sachsen-Anhalt. Was auch Ortsbürgermeister Ulrich Simons (CDU) verärgert. Und was von den beiden Parteifreunden in der Begegnungsstätte bald thematisiert wird. Aus unterschiedlicher Sicht natürlich. "Dann haben Sie aber ganz Osterwieck gegen sich", bekommt der Landtagsabgeordnete aus der Mitte der Gesprächsrunde schließlich zu hören. "Er ist ein Duz-Freund vom Innenminister", stachelt Simons die Debatte noch ein bisschen an. Mehr im Scherz gemeint. Doch ist dem Ortschef bei diesem Thema ansonsten weniger nach Scherzen zumute.

Daldrup bleibt gelassen. Auch wenn er kein Innenpolitiker ist, spricht er überzeugt für die Reform. "Wir kommen mit der Polizeistärke nicht mehr klar. Wir können sie auf Dauer nicht bezahlen", argumentiert der Landtagspolitiker. "Wir haben nicht die Steuereinnahmen, um uns alles leisten zu können. Weil das Geld bis 2020 erheblich weniger wird, müssen wir uns anpassen. Das ist die Wahrheit", sagte Daldrup. Und fügt Simons gegenüber an: "Sie sind doch sonst auch für die Wahrheit." "Aber ihr könnt nicht erwarten, dass wir Hurra schreien", betont der Ortschef.

Viele Polizeistationen seien zwar da, aber häufig gar nicht besetzt, erläutert Daldrup. Auch die Beamten würden ihren Dienst jetzt schon oft in Halberstadt leisten. Mit weniger Personal trotzdem die Flächenpräsenz zu gewährleisten, das sei jetzt in der Diskussion. Und Daldrup prophezeit für die Zukunft ähnliche Debatten über die Feuerwehren. "Die werden nicht von oben kommen, sondern von der Basis. Wer will es denn auf den Dörfern noch machen?"

Besucher sind vor allem Senioren

Über die Begegnungsstätte selbst, die seit einem halben Jahr besteht, wurde auch gesprochen, was ja Daldrups Anliegen war. Die Mitarbeiterinnen Silke Schoppe und Claudia Schulze berichteten über die Angebote für die Bewohner im Wohnviertel. Mittwochs sei Kaffeenachmittag. Der Kuchen werde immer abwechselnd von zwei, drei Frauen am Vortag in der Küche des Hauses gebacken. Dienstags und donnerstags werden Spielenachmittage angeboten. Geöffnet ist die Einrichtung, die in Trägerschaft der Diakonie ist, montags bis freitags von 11 bis 16 Uhr. Zehn bis 15 Gäste kommen an guten Tagen in die Begegnungsstätte. Momentan bei Schnee und Glätte aber weniger. "Wir haben jetzt auch einen Rollstuhl", berichtet Claudia Schulze. Damit können Anwohner, die schlecht zu Fuß sind, abgeholt werden.

Im Frühjahr wollen alle zusammen einen Ausflug zu einer Modenschau unternehmen. Und für Schönwettertage wurden Gartenstühle gekauft. Eine Freifläche dafür will die städtische Wohnungsgesellschaft noch einrichten.

Bedauert wird indes, dass es bisher fast nur Senioren sind, die die Begegnungsstätte nutzen. Gedacht ist sie eigentlich für alle Generationen, von Kindern angefangen.