Kulinarischer Stern 2021

„Das i-Tüpfelchen für unsere Imkerei“: Enrico Kretschmar bekommt Auszeichnung für seinen Sommerblütenhonig mit Holunder

Bereits mehrfach als Finalist ausgewählt, hat Enrico Kretschmar 2021 den „Kulinarischen Stern“ erhalten. Ein Preis, den er mit seinen Bienen und seiner Familie teilt.

Von Vera Heinrich
Enrico Kretschmar und seine Bienen, hier links im Kasten, haben den „Kulinarischen Stern 2021“ für den Sommerblütenhonig mit Holunder bekommen.
Enrico Kretschmar und seine Bienen, hier links im Kasten, haben den „Kulinarischen Stern 2021“ für den Sommerblütenhonig mit Holunder bekommen. Foto: Vera Heinrich

Hessen - Endlich hat es geklappt! Der mehrfache Finalist Enrico Kretschmar hat den „Kulinarischen Stern“ in der Kategorie Honig gewonnen. „Das ist das i-Tüpfelchen für unsere Imkerei“, freut sich der Hessener.

Der Wettbewerb „Kulinarisches Sachsen-Anhalt“ wird veranstaltet vom Landesministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Zusammenarbeit mit der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) und zeichnet qualitativ hochwertige Regionalprodukte aus, informiert die AMG.

Imker Kretschmar stellt gleich klar: „Den Preis habe ich nicht allein gewonnen. Das war Teamwork.“ So gebühre die Ehre in erster Linie seinen Bienen und in zweiter Linie seiner Familie, die tatkräftig mit anpackt. „Den Sommerblütenhonig mit Holunder in der Form zu entwickeln, hat Jahre gebraucht“, erzählt er und gibt Einblick in den Betrieb der Familienimkerei: „Meine Enkelkinder Janne und Hannah haben die Holunderblüten gesammelt. Sie waren so stolz, als sie mir das Körbchen voller Holunderblüten gezeigt haben, dass sie zusammen gesammelt haben.“ Besonders der sechsjährige Janne sei sehr interessiert am Hobby des Opas. Daher überrascht es nicht, dass er vom Etikettendeckel des Siegerhonigs lächeln darf.

Preis ist Ergebnis von Teamarbeit

„Meine Mutter hat mitgeholfen, den Honig anzusetzen“, zählt Enrico Kretschmar weiter die Leistungen im familiären Team auf. Schließlich habe seine Ehefrau Ellen nach dem Abfüllen die Honiggläser mit Etiketten versehen.

Dass alle in der Familie Kretschmar mit anpacken, ist kein Zufall. „Das Imkern wurde mir förmlich in die Wiege gelegt“, erinnert sich der 1960 Geborene, der nach eigener Aussage mit den Bienen groß geworden sei. Das Imkern habe er von seiner Mutter übernommen, die es wiederum von ihrer Mutter übernommen habe. „Seit 1946 gibt es unsere Imkerei. Ich führe sie in dritter Generation fort“, berichtet der ausgebildete Versicherungskaufmann. Derzeit besitzt er 27 Völker. Seine 87-jährige Mutter könne zwar nicht mehr selbst imkern. Dafür schätzt er ihre Unterstützung. „Sie hilft mir bei vielen Vorbereitungen und Nebenarbeiten wie dem Säubern der Siebe, der Reinigung der Gläser oder dem Honigabfüllen. Ich wüsste nicht, was ich ohne meine Bienenkönigin tun sollte“, dankt er seiner Mutter augenzwinkernd.

„Wir geben das von einer Generation an die nächste weiter“, schildert der Hessener. „Meine Tochter hat auch Bienen.“ Ebenso wie alle vier Enkelkinder, erzählt er stolz. „Es ist wichtig, den Kindern die Angst zu nehmen“, erklärt er, der sich auch mal ohne Schutzkleidung den Tieren nähert, „wenn die Bienen es zulassen“

Begeisterung fürs Imkern mit anderen teilen

Ängste abzubauen und andere für das Thema zu begeistern, hat sich Enrico Kretschmar auf die Fahnen geschrieben. Er schätzt, dass er seit 2013 etwa 150 Teilnehmer im Rahmen von Einsteigerkursen an der Volkshochschule und des Imkervereins Wernigerode geschult habe. „Es freut mich, dass mindestens 90 davon Imker geworden sind, soweit ich weiß“, sagt er.

Seit 2012 ist er mit seiner Erlebnis- und Wanderimkerei aktiv. Die Arbeit mache viel Spaß, findet er, wobei er zugibt: „Und einen Haufen Aufwand. Man muss schon ein Idealist sein.“

Dass er für seine Sache brennt, ist im Gespräch mit dem leidenschaftlichen Imker deutlich zu spüren. So weiß er bereits kleine Erfolge zu schätzen: „Wenn wir nur bei einer Person das Interesse wecken konnten, haben wir schon etwas gewonnen.“ Seine ungebrochene Motivation fasst Enrico Kretschmar so zusammen: „Es ist unsere Hauptaufgabe zu zeigen, dass wir von der Natur leben können.“

Mut zu neuen Honigkreationen

Dabei ist der 60-Jährige durchaus bereit, auch andere Wege zu gehen. So erklärt er: „Wir müssen mit der Zeit gehen. Das ist auch das Anliegen der jungen Imker.“ Daher probiert er gern etwas Neues aus. Bestes Beispiel dafür ist der Sommerblütenhonig mit Holunder. „Unsere neueste Kreation ist Honella, das ist Honig mit Kakao“, erläutert er. Er hat Spaß an ungewöhnlichen Kombinationen wie Honig mit Ingwer oder Chili und erklärt: „Wir tüfteln einfach gern.“

Etwas Neues sei schon in Planung, kündigt er an. Dabei möchte er noch nicht zu viel verraten über seine neueste Kreation. Mit einer Ausnahme, auf die der Imker viel Wert legt: „Alle verwendeten Zutaten kommen aus der Natur.“