Halberstadt l Für Ärger sorgt derzeit ein Immobilien­besitzer in der Altstadt Halberstadt. Sein Haus befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Abtshof, auf dem im vergangenen Dezember ein neuer gebührenpflichtiger Parkplatz entstanden ist. Nach Volksstimme-Informationen verlangt der Mann, dass zehn der insgesamt 65 Parkplätze, die direkt an sein Haus angrenzen, zurückgebaut werden sollen. Angeblich würden Krach und Abgase seine Mieter belästigen. Skurril an dem Fall ist, dass in dem in den 1990er Jahren sanierten Fachwerkhaus keine Mieter wohnen. Nur im Erdgeschoss befindet sich seit etwa zwei Jahren ein Friseurgeschäft.

Wohnungen nicht vermietet

Ulrich Hinze, der mit seinem Bruder ebenfalls in direkter Nachbarschaft zwei sanierte Fachwerkhäuser besitzt, kann den ganzen Streit um den Parkplatz nicht nachvollziehen. „Die Wohnungen in unseren Häusern sind im Gegenteil zu denen im Nachbarhaus alle vermietet und unsere Mieter haben sich nicht ein einziges Mal über Krach und Abgase vom Parkplatz beschwert.“ Vorher, als der Platz noch unbefestigt war, habe es nicht eine Beschwerde gegeben. Jetzt, wo alles ordentlich aussieht, und auch bedeutend weniger Autos auf dem Platz stehen, rege sich der Mann auf. „Das ist unverständlich“, sagt Ulrich Hinze.

Neu ist der Ärger um den Parkplatz nicht. Bereits 2017, kurz vor der Eröffnung, meldete sich der Kläger erstmals zu Wort und versuchte, die Freigabe des Platzes zu verhindern. Seltsam ist, dass das erst nach der Fertigstellung geschah. Letztendlich einigte man sich damals.

Keine Investoren gefunden

Der Halberstädter Bauunternehmer Frank Behrens hatte zu diesem Zeitpunkt bereits etwa 200.000 Euro in die Umgestaltung des Abtshofes investiert. Zwei Tage vor der Freigabe hielt er den Widerspruch des Hauseigentümers gegen den Parkplatz in den Händen. Der Halberstädter war stinksauer. „Der Widerspruch hat mich kalt getroffen. Zumal ich alles richtig gemacht habe und der Landkreis Harz eine Baugenehmigung erteilt hat“, sagte er im Dezember 2017. Dreck, Staub, Matsch und große Pfützen waren über 20 Jahre Normalität auf dem Areal mitten in der Altstadt Halberstadts. Die Kommune, der das Grundstück gehört, hat lange Zeit nach Investoren gesucht, die den nördlichen Teil des Abtshofes bebauen. Dazu ist es nicht gekommen. Das Interesse lag bei Null.

Entschädigung ungeklärt

Frank Behrens hat den ­südlichen Teil des Platzes, der wie der nördliche Teil eine Abrissbrache war, mit Wohnhäusern bebaut. Nach längeren Gesprächen mit der Stadtverwaltung erklärte er sich bereit, den unbebauten Bereich als Pächter zu übernehmen. Der Halberstädter schloss mit der Stadtverwaltung einen Pachtvertrag über zehn Jahre ab. Aus dem kann die Stadt jederzeit wieder aussteigen, wenn ein Investor Wohnungen bauen will. Frank Behrens wird in diesem Fall finanziell für sein Engagement entschädigt. Wie das im Fall eines möglichen Rückbaus von zehn Parkplätzen aussieht, ist unklar. „Die Stadt kommt für die Kosten nicht auf“, sagt Rathaussprecherin Ute Huch. Für den Bau des Parkplatzes liege eine Baugenehmigung vor und die ist gültig. Ansprüche an die Stadt zu stellen, sei daher eher abwegig.

Das Verfahren liegt derzeit auf dem Tisch der Landkreisverwaltung Harz. „Es ist richtig, dass ein Drittwiderspruchsverfahren anhängig ist. Gegenwärtig sind alle Parteien im Gespräch bemüht, ein verwaltungsgerichtliches Verfahren letztendlich zu vermeiden“, berichtet Ingelore Kamann, Sprecherin der Landkreisverwaltung. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, könne sie dazu keine konkreten Informationen geben.

Kontakt mit dem Kläger aufzunehmen, gelang nicht.