Halberstadt l „Die Möglichkeit haben wir als Kommune gerne genutzt“, sagt Siegrun Ruprecht. „Eine von sechs Städten zu sein, die genauer unter die Lupe genommen wird, hilft uns bei weiteren Zielstellungen“, sagt die Stadtplanerin, „zumal sich einige Prämissen in der Stadtplanung durch die beiden Faktoren Klimawandel und aktuelle Demografieentwicklung ändern.“ Deshalb sei für alle Beteiligten die Studie der Technischen Universität Dortmund zu genau diesen beiden Themen hochinteressant.

Umfassende Analyse

Vor zwei Jahren wurde Halberstadt neben Sindelfingen, Köln, Bremen, Leutkirch und Werdohl in die Studie aufgenommen. Als mittelgroße Beispielstadt, deren Einwohnerzahl eher schrumpft als wächst und die in einem eher trockenen Klima liegt. Studenten nahmen eine umfassende Ist-Analyse vor, von deren Tiefe man überrascht worden sei, sagt Siegrun Ruprecht. Sie sei froh, dass durch diese Untersuchung die Klimaanpassung „endlich wieder diskutiert wird. Denn darin kann für eine schrumpfende Stadt auch eine große Chance liegen“, betont die Stadtplanerin. Und fügt gleich eine Erklärung an. „Wenn man weiß, dass der Anteil älterer Einwohner wächst, kann man auch darauf achten, dass bei Bauvorhaben oder der Gestaltung öffentlicher Bereiche bedacht wird, dass ältere Menschen hitzeempfindlicher sind. Wir brauchen also Verdunstungsinseln, Grün in der Stadt. Flächen, auf denen man sich wohl fühlt. So etwas kann dann auch attraktiv für Jüngere sein, die einen Wohnort suchen.“

Die Frage, wie man vor Ort auf das sich ändernde Klima reagiert, reicht von der Farbwahl für Fassade und Dach, bis zu Fassadenbegrünung und Pflanzenwahl für Grünflächen. „Wir achten in Halberstadt ja schon darauf, mehr trockenheitsresistente Arten zu pflanzen.“ So etwas könnte künftig Eingang in Bebauungspläne und Gestaltungssatzungen finden. „Ebenso wie die Tatsache, dass wir vielleicht auch an einigen Stellen in der Stadt mehr Versickerungsgruben brauchen. Denn die Starkregenereignisse werden wohl eher häufiger werden.“ Digitale Geländemodelle können helfen, auf Fließrichtungen in bei Starkregen volllaufenden Senken zu achten und dort dann eben nicht eine Kindertagesstätte oder ein Altenheim zu bauen.

Neue Quellen für Fördergeld

Die Ergebnisse der Studie, in der auch auf praktische Beispiele anderer Kommunen verwiesen wird und die ebenso teilweise vor Ort unbekannte Fördergeldmöglichkeiten aufzeigt, sind nicht nur für die Fachplaner in Stadt und Landkreis interessant. „Wichtig ist, darüber ins Gespräch zu kommen mit den Entscheidungsträgern in der Politik und mit den Bürgern“, sagt Siegrun Ruprecht und sieht die aktuelle Diskussion zum Breiten Weg als gute Möglichkeit, dort beide Aspekte besonders zu beachten, also Klima- und demografischen Wandel. „Das wird eine spannende Aufgabe, weil sehr unterschiedliche Partner mit ins Boot müssten“, sagt Ruprecht. „Stadtentwicklung ist ein dauerhafter Prozess, der hört nie auf.“