Halberstadt l Leicht ist eine Trennung wohl nie, auch dann nicht, wenn sie sich abzeichnet. Und zehn Jahre, die gemeinsam verbracht wurden, sind eine lange Zeit. So ist Thomas Schwarz trotz seines Lächelns die Wehmut anzumerken, die mit diesem Abschied verbunden ist. Der Unternehmer hat zum letzten Mal an „seinen“ Wasserturm am Bahnhofsgelände von Halberstadt eingeladen.

Dass nicht nur der Versicherungsunternehmer gespannt ist, wie es mit dem 34 Meter hohen Baudenkmal weitergeht, ist an der großen Resonanz zum Tag der offenen Tür spürbar. Rund 700 Besucher kommen. Und stellen die gleiche Frage: „Was wird daraus?“.

Wasserturm versteigert

Die Antwort kennt auch er nicht, sagt Schwarz. Aber er sei optimistisch. „Der Käufer macht am Telefon einen sympathischen Eindruck.“ Und: „Wer so viel Geld ausgibt, hat zumindest eine Idee für eine Nutzung.“

37.000 Euro kostet der Turm den neuen Besitzer, die Aurora Projekt Management GmbH. Das Gebäude wurde Ende September versteigert.

Mit einer so hohen Summe habe Schwarz nicht gerechnet. Er selbst hat das Bauwerk im Mai 2007 für 8000 Euro gekauft. Klingt nach einem guten Geschäft, doch Gewinn habe Thomas Schwarz nicht gemacht. „Alles in allem habe ich etwa 80.000 Euro ausgegeben“, erläutert er. So koste allein der Unterhalt rund 3500 Euro im Jahr. Hinzu kommen Sanierungskosten über etwa 35.000 Euro. So wurde 2009 zum Beispiel die restaurierte, 1,1 Tonnen schwere Laterne wieder auf den Turm gesetzt.

Pflanzen wuchern durch Mauern

„Aber ich wollte auch nie mit dem Turm Geld verdienen“, betont der Schwarz. Warum hat er ihn dann gekauft? „Ich bin jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit daran vorbei gefahren und habe den Verfall gesehen.“ Zerschlagene Scheiben, Rost und Pflanzen, die durch die Mauern wucherten. „Der Turm steht an einer so dominanten Stelle. Etwa 18.000 Fahrzeuge kommen hier täglich vorbei. Ich wollte ihn retten.“ Geschäftsmann, wie er ist, habe er jedoch auf einen baldigen Verkauf oder einen potenten Partner für eine wirtschaftliche Nutzung gehofft. „Für Dienstleister, Agenturen oder Architekten wäre der Turm ideal“, sagt er. Die Hoffnung blieb vergebens. Zwar habe es Gespräche gegeben, doch zu einer Vertragsunterzeichnung kam es nie.

Stattdessen habe er den Turm für private Feiern und als Werbefläche genutzt – für sein eigenes Unternehmen, aber auch für gemeinnützige Vereine und Privatpersonen, die Plakate mit Geburtstagswünschen aufhängen wollten. Zu einer überdimensionierten Litfaßsäule habe er den 1911 erbauten Turm jedoch nicht werden lassen wollen. „Das würde wohl auch die Denkmalpflege nicht gern sehen“, ergänzt und grinst. „Obwohl sie großzügig war, was die Sanierungen angeht.“

Seine Hoffnung sei nun, dass der neue Besitzer den Turm vor dem Verfall schütze. „Die Kugel ist ein Schandfleck und muss saniert werden. Aber der Turm selbst und die Fassade sind ein wunderbares Industriedenkmal und überstehen sicher die nächsten 100 Jahre.“ Noch einmal ist der Besitzerstolz spürbar. Es sei ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge, sagt Thomas Schwarz, bevor sich den nächsten Besuchern zuwendet.