Halberstadt l Vor über zwei Jahrzehnten gingen die Lichter in der ehemaligen Städtischen Badeanstalt in der Altstadt Halberstadts aus. 2019 sollte das Haus laut ersten Planungen bereits mit neuer Nutzung wieder die ­Türen öffnen. Das gelang jedoch nicht. Wobei die Bauherren von Beginn an den Zeitplan mit einem Fragezeichen versehen hatten.

Dieser Fakt bedeutet jedoch nicht, dass sich die Investorengemeinschaft vom ehrgeizigen Plan, dem altehrwürdigen Gebäude wieder eine Zukunft zu geben und mit Leben zu füllen, wieder verabschiedet hat. Es gab einige Hürden aus dem Weg zu räumen beziehungsweise zu überwinden, daher habe sich der Beginn der Arbeiten verzögert, bestätigt Architekt Jörg Gardzella.

„In der vorletzten Woche wurde uns von der Stadt Halberstadt der vom Landesverwaltungsamt Sachsen–Anhalt genehmigte vorfristige Maßnahmebeginn für den Abbruch der Schwimmhalle übergeben“, informierte auf Nachfrage Jörg Gardzella, der mit seinem in Groß Quenstedt angesiedelten Büro die vorgesehenen Abruch- und Sanierungsarbeiten fachlich begleitet. Außerdem wird jetzt die öffentliche Ausschreibung der Abbruchleistungen vorbereitet, die voraussichtlich im April 2020 beginnen werden.

Auf Abriss sollt des Vorderhaus-Umbau folgen

Die baufachliche Prüfung des im August 2019 eingereichten Förderantrages ist vom Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt für Februar 2020 in Aussicht gestellt, so Jörg Gardzella. „Wir hoffen, dass dann der end­gültige Bewilligungsbescheid spätestens im März vorliegt, sodass wir nach dem Abbruch des rückseitigen Schwimmhallengebäudes sofort mit dem Umbau des Vorderhauses beginnen können.“

2017 stellte die Investorengemeinschaft ihr Rettungskonzept für das mittler­weile 120 Jahre alte und unter ­Denkmalschutz stehende ­Gebäude erstmals in der ­Volksstimme der Öffentlichlichkeit vor. Das Interesse am Schicksal der Städtischen Badeanstalt ist bei vielen Halberstädtern ungebrochen groß. Über 2000 folgten im Mai 2019 einer Einladung der Investoren zur letzten öffentlichen Besichtigung des eindrucksvollen Hauses. Generationen lernten schwimmen und verbrachten dort ihre Freizeit. Das Kapitel Bad wird nach erfolgter Sanierung allerdings nicht wieder aufgeschlagen, dafür aber ein neues.

Der Schwerpunkt der Sanierung liegt auf dem Erhalt des 120 Jahre alten Gebäudes ­direkt an der Bödcherstraße und des dazugehörigen Putzbaus aus den 1950er Jahren. Die Fassade soll in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Das Diakonische Werk des ­Kirchenkreises Halberstadt zieht nach Fertigstellung als Nutzer ein. Die soziale Einrichtung möchte den sanierten Altbau als Verwaltungssitz und für ein vielfältiges Angebot für Jung und Alt nutzen. Die hinter dem Altbau gelegene Halle, in der sich unter anderem das Schwimmbecken befindet, wird nicht mehr benötigt. Auf der Abrissfläche entstehen 20 Parkplätze für den Mieter.