Langenstein l Der Amtshof in Langenstein könnte ein Schmuckstück sein. Könnte, hätte man die ruinösen Gebäude saniert. Doch nun verfällt er seit Jahrzehnten. Verheerend ist, dass der Amtshof sich mitten im Dorf befindet, somit maßgeblich das Ortsbild bestimmt. Umgeben von vielen schönen, alten und von ihren Besitzern liebevoll herausgeputzten Fachwerk­häusern.

Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU) ist stinksauer. Das Problem ist nicht, dass die Besitzverhältnisse ungeklärt sind. Der Amtshof ist Eigentum eines Mannes aus Nieder­sachsen. Der investiert keinen Euro in den Erhalt des seit Jahrzehnten verwaisten Amtshofes. „Ich habe mehrmals Anläufe unternommen und ihn darauf angesprochen, etwas zu unternehmen. Leider bislang ohne Erfolg. Darüber ärgere ich mich sehr“, berichtet Jürgen Meenken. Man könne ihn leider nicht dazu zwingen. Obwohl Eigentum bekanntlich verpflichtet.

Die Langensteiner würden sich mit viel Fleiß für ihren Heimatort engagieren. Nicht ohne Grund gehört das Dorf zu den schönsten im Landkreis Harz. Immer mehr Touristen entdecken Langenstein. 2018 habe man Sachsen-Anhalt erfolgreich beim Europäischen Dorferneuerungspreis vertreten. „Und dann diese Ruine mitten im Dorf“, ist Jürgen Meenken verzweifelt.

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Keine Einigung mit Investor

Er habe einen Investor an der Hand gehabt, der Gebäude im Dorf für eine Nutzung sucht. „Das Internationale Bildungs- und Sozialwerk, das im Schloss Langenstein und in einem Neubaukomplex ein Wohn- und Therapiezentrum für Menschen mit Autismus und Prader-Willi-Syndrom unterhält, suchte nach Erweiterungsmöglichkeiten. Auf Grund der räumlichen Nähe zum Schloss hätte sich der Amtshof dafür angeboten“, informiert der Ortsbürgermeister. So wäre dem Unternehmen und dem Ort geholfen.

Er bedauert, dass es zu keiner Einigung gekommen ist. Zumal der Verfall am Amtshof ungebremst weiter voranschreitet. Vom imposanten Sandsteingebäude direkt an der Dorfstraße fallen bereits Ziegel vom Dach auf die Straße. Erst mit Druck gelang es, dass der Besitzer das Dach halbwegs sichert.

Der Amtshof ist allerdings nicht der einzige Konflikt, den die Langensteiner mit dem Besitzer austragen. Dazu gehört auch die bei Gästen aus nah und fern beliebte Altenburg. Der Ausflugspunkt auf einem Felsen oberhalb Langensteins und etwa 30 Hektar Wald gehören ebenfalls dem Mann aus Niedersachsen. „Die Altenburg muss dringend gegen Felsabbrüche gesichert werden. Vor zwei Jahren hat sich ein tonnenschwerer Sandsteinbrocken gelöst und eine ­Treppe zertrümmert. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Engagierte Bürger haben die Sicherheit wieder hergestellt. Der Eigentümer interessierte sich auch für das Problem nicht“, so der Ortsbürgermeister.

Amtshof 2005 bei Zwangsversteigerung verkauft

2005 habe der heutige ­Besitzer den Amtshof aus einer Zwangsversteigerung heraus erworben, berichtet Holger Werkmeister, der damals Bürgermeister Langensteins war. Vorher habe ein Spekulant viele Jahre einen erfolgreichen Verkauf des Amtshofes, der bis Anfang der 1990er Jahre Sitz eines Volkseigenen Gutes war, an einen seriösen Investor ­blockiert. „Hätte der jetzige Eigentümer in den zurückliegenden 14 Jahren in kleinen Schritten Geld in den Erhalt der Gebäude investiert, wären viele Bürger versöhnlicher gestimmt. Das ist aber nicht geschehen. Darum haben wir einen dicken Hals“, so Holger Werkmeister, der für die FDP im Langensteiner Ortschaftsrat sitzt. Der Amtshof könnte eine Bereicherung für den attraktiven Ort sein. Leider sei genau das Gegenteil der Fall.

Warum der Besitzer keinen Cent in den Erhalt seines Eigentums investiert, bleibt sein Geheimnis. Auf eine Anfrage reagierte er nicht.