Noch kein Freibadstart

Der Wille ist da, aber noch keine Aufsicht

Seit Wochen bereiten die Akteure des Rohrsheimer Dorfklubs die Saison im örtlichen Freibad vor. Um starten zu können, muss noch ein Problem gelöst werden.

Von Mario Heinicke
Wolfgang Bock, Michael Sassenberg und Peter Stautmeister (von links) fegten beim sonnabendlichen Arbeitseinsatz die Umrandung, während begonnen wurde, das Schwimmbecken mit Wasser zu füllen.
Wolfgang Bock, Michael Sassenberg und Peter Stautmeister (von links) fegten beim sonnabendlichen Arbeitseinsatz die Umrandung, während begonnen wurde, das Schwimmbecken mit Wasser zu füllen. Fotos (2): Mario Heinicke

Rohrsheim - Das lange Schwimmbecken ist gestrichen, das Wasser läuft bereits ein. Binnen etwa einer Woche dürfte es voll sein. Das Gros der Vorbereitungen ist gelaufen. Peter Stautmeister, Michael Sassenberg und Wolfgang Bock sorgten am Sonnabend schon für den Feinschliff, fegten den Beckenrand.

Am 1. Mai begannen die sonnabendlichen Arbeitseinsätze in Rohrsheim. Die Beteiligung ließ sich zwar meist an einer Hand abzählen, Dorfklubvorsitzender Peter Stautmeister fand es aber in Ordnung, wenn sich wegen der anfangs noch strengeren Corona-Vorschriften nicht zu viele Leute auf dem Gelände aufhielten.

Riesige Liegewiese unter Bäumen

Die Arbeiten wurden geschafft, sogar eine neue Kinderschaukel aufgestellt. Das riesige Areal mit einer Liegewiese unter den zahlreichen, hohen schattenspendenden Bäumen ist bereit für die Besucher. Auch die Wasserchemie ist da.

Doch es gibt ein Problem: Fürs Rohrsheimer Freibad steht bisher kein Rettungsschwimmer zur Verfügung. Und ohne Aufsicht kann das Bad nicht geöffnet werden.

Zwischenzeitlich hatten die Rohrsheimer die Überlegung, das Bad ohne Eintritt und ohne Aufsicht zu öffnen, sodass der Besuch praktisch eigenverantwortlich erfolge. Sie mussten sich aber belehren lassen, dass das keine Option ist. Denn wenn etwas passieren sollte, wäre der Betreiber trotzdem in der Verantwortung.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) stellt seit einer gefühlten Ewigkeit einen Rettungsschwimmer für Rohrsheim. „Vielleicht haben wir uns diesmal zu spät bei der DLRG gemeldet“, räumte Peter Stautmeister ein, der erst seit Anfang vergangenes Jahres Vereinsvorsitzender ist. Die DLRG Wernigerode hatte zum Ende der vorigen Saison die Verträge gekündigt, der Dorfklub aber nicht gleich reagiert.

Die DLRG Wernigerode betreue 24 Freibäder, berichtete deren Ortsgruppenvorsitzender Ralf Schult am Montag auf Volksstimme-Anfrage. Dazu gehören in der Stadt Osterwieck auch Hessen und Zilly. Tatsächlich habe sich Rohrsheim zu spät gemeldet, um die Verträge zu erneuern. Die Einsatzpläne der Rettungsschwimmer seien da schon geschrieben gewesen. Erschwerend sei dieses Jahr hinzugekommen, dass die DLRG auch in die Arbeit der Corona-Impfzentren und Teststationen eingebunden ist.

Was die technische Betreuung des Rohrsheimer Freibad betrifft, sei man sich mit dem Dorfklub bereits einig, dass die DLRG diese Aufgabe wieder erledigt, berichtete Ralf Schult. Sowie das Becken gefüllt ist, werde ein Mitarbeiter nach Rohrsheim kommen.

„Wir haben Interesse, dass das Bad erneut öffnen wird“, unterstrich der DLRG-Vorsitzende. Er hegt weiter die Hoffnung, dass eine personelle Lösung gefunden wird, damit ab 2. Juli in Rohrsheim gebadet werden kann. Schwierig sei es dabei, die ersten drei Wochen bis zum Ferienbeginn zu organisieren, danach werde sich die Lage etwas entspannen.

Dorfklub betreibt das Freibad seit 2014

Der Dorfklub ist seit 2014 der Betreiberverein des Rohrsheimer Bades. Er hat die Einrichtung von der Stadt Osterwieck übernommen, die diese – ebenso wie Zilly – aus Kostengründen schließen wollte, aber örtlichen Vereinen anbot, das Bad zu übernehmen. Der heute etwa 30-köpfige Dorfklub ging in die Verantwortung. Der Verein war erst Anfang 2013 gegründet worden, eigentlich um das Gemeindeleben zu unterstützen sowie die 2016 stattfindende 1075-Jahr-Feier zu organisieren.

Die Arbeit für das Freibad lief auch gut an. Die DLRG stellte jährlich einen Rettungsschwimmer. Darüber ließen sich zwölf Rohrsheimer zu ehrenamtlichen Rettungsschwimmern ausbilden. Von ihnen ist heute aber keiner mehr aktiv. Aus verschiedensten Gründen, meistens Arbeit und Familie. Der Dorfklub steht heute ohne eigenen Rettungsschwimmer da. Alle zwei Jahre müssen die ehrenamtliche Wasserretter an einer Fortbildung teilnehmen. Auch jetzt während der Corona-Pandemie sei die Ausbildung möglich gewesen, erklärte Ralf Schult. Aus Zilly hätten mehrere Teilnehmer einen Lehrgang genutzt.

Löschwasserreserve für das Dorf

1952 ist das Rohrsheimer Freibad erbaut worden. Früher bestand es auch drei Teilbecken. Vor drei Jahren wurden die beiden Trennwände herausgenommen. Nun können Schwimmer auf 50 Meter Länge ihre Bahnen ziehen.

Dieses Freibad dient darüber hinaus als Löschwasserreserve fürs Dorf – und wurde in der jüngeren Vergangenheit auch dafür benötigt. Da der frühere Trinkwasserbrunnen des Dorfes noch in Betrieb ist, muss der Dorfklub das Wasser nicht wie andere Bäder teuer einkaufen.